DryVent Funktionsmaterial
Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
DryVent ist die wasserdichte Materialfamilie von The North Face und damit eines der am weitesten verbreiteten Wetterschutzmaterialien überhaupt — schlicht deshalb, weil es in sehr vielen Kleidungsstücken steckt. Sie löste die ältere Bezeichnung HyVent ab; auf gebrauchten Jacken steht der alte Name weiterhin.
Technisch beruht sie auf Polyurethan. The North Face beschreibt DryVent-Stoffe als mit einer halbdurchlässigen Polyurethanbeschichtung aufgebaut, bei der eine mehrlagige Konstruktion Wasser aussperrt und Wasserdampf entweichen lässt. Was der Vorgänger konnte und was nicht, steht beim Eintrag zu HyVent.
Wie die Mikroporen in der DryVent-Beschichtung arbeiten
Eine Beschichtung entsteht direkt auf dem Trägergewebe: Ein Kunststoff wird flüssig aufgetragen und erstarrt dort. Eine laminierte Membran wird dagegen getrennt hergestellt und anschließend verklebt. DryVent arbeitet im Kern mit dem ersten Weg, wobei The North Face für die zweilagige Ausführung ausdrücklich von einer Polyurethanbeschichtung mit Mikroporen spricht.

Mit Poren oder ohne
Beide Bauarten halten Wasser zurück und lassen Dampf durch — auf völlig verschiedenen Wegen. Die eine hat Öffnungen, die zu klein für einen Tropfen und groß genug für ein Dampfmolekül sind. Die andere hat überhaupt keine.
Mikroporös
Gewundene Kanäle durch die Folie

Der Dampf findet durch die Kanäle hindurch. Der Tropfen ist zu groß für sie und bleibt liegen — solange die Kanäle nicht durch Schmutz oder Öl belegt sind.
- Im Gebrauch
- Atmet schnell, reagiert empfindlich auf Verschmutzung
Porenlos
Geschlossene Folie

Es gibt keine Öffnung. Der Dampf wird an der Innenseite gebunden, wandert durch das Material und tritt außen wieder aus — getrieben vom Feuchteunterschied.
- Im Gebrauch
- Unempfindlich gegen Schmutz, braucht ein Gefälle
Daraus folgt der Unterschied im Gebrauch: Die mikroporöse Membran arbeitet sofort, verliert aber Leistung, wenn ihre Kanäle zusetzen — deshalb das Waschen. Die porenlose braucht ein Feuchtegefälle und kommt bei geringer Anstrengung kaum in Gang, altert dafür unempfindlicher.

Mikroporös heißt: Die Schicht enthält ein feines, untereinander verbundenes Kanalnetz. Die Öffnungen sind zu eng für einen Regentropfen — der ist um Größenordnungen größer — und weit genug für ein einzelnes Wasserdampfmolekül. Der Dampf wandert also als Gas durch offene Wege, nicht gelöst durch den Kunststoff selbst.
Dieser Weg hat einen handfesten Vorteil: Er funktioniert schon bei geringem Dampfdruckunterschied, während eine porenlose Membran ein deutliches Gefälle braucht. Der Nachteil ist ebenso handfest — offene Poren können sich zusetzen, mit Hautfett, mit Salzen aus dem Schweiß, mit Waschmittelrückständen und mit Schmutz von außen. Die Schicht wird dann undurchlässiger, ohne undicht zu werden.
DryVent 2L, 2,5L oder 3L: was im Gebrauch wirklich zählt
| Aufbau | was innen liegt | Eigenschaften | wofür vorgesehen |
|---|---|---|---|
| DryVent 2L | lose hängendes Futter | weich, bequem, schwerer | Alltag, Reise, Freizeit |
| DryVent 2,5L | aufgedrucktes Schutzraster statt Futter | leicht, klein packbar, empfindlichere Innenseite | schnelle, leichte Unternehmungen |
| DryVent 3L | fest verbundenes Innengewirk | robust, langlebig, formstabil | technische Ausrüstung, lange Touren |
Die drei Konstruktionen unterscheiden sich stärker, als die gemeinsame Bezeichnung vermuten lässt — im Gewicht, im Griff, in der Haltbarkeit unter Rucksackträgern und auch darin, wie schnell Feuchtigkeit weitergegeben wird. Ein lose hängendes Futter kann Kondensat festhalten, statt es weiterzureichen; ein fest verbundenes Gewirk gibt es weiter. Die Einzelheiten stehen beim Lagenaufbau, die Auswirkung auf das fertige Stück im Ratgeber zur Hardshelljacke.
Gemeinsam ist allen drei Aufbauten zweierlei: eine wasserabweisende Ausrüstung auf der Außenseite und die vollständige Nahtversiegelung. Letzteres ist bemerkenswert, weil viele Hersteller nur die Hauptnähte versiegeln und Taschen, Belüftungen und Säume offen lassen.
Was 75 psi im Mullen-Test aussagen — und was nicht
Für DryVent nennt The North Face einen Wert, der von der branchenüblichen Millimeter-Angabe abweicht: einen Durchschnitt von 75 psi im Mullen-Test, und zwar sowohl im Neuzustand als auch nach 20 Waschgängen. Für die Vorgängertechnik HyVent lautete die entsprechende Angabe über 60 psi.
Der Mullen-Test misst den Berstdruck. Eine Probe wird über eine kreisrunde Öffnung gespannt, darunter dehnt sich eine Gummimembran unter steigendem hydraulischem Druck aus, und notiert wird der Druck, bei dem die Probe reißt. Das ist etwas anderes als die Wassersäule nach ISO 811, bei der steigender Wasserdruck auf 100 Quadratzentimeter Prüffläche wirkt und der Druck notiert wird, bei dem Wasser an der dritten Stelle durchtritt.
Die beiden Verfahren messen verschiedene Vorgänge — eine Festigkeits- und eine Dichtigkeitsprüfung — und lassen sich nicht ineinander umrechnen. Im Netz kursieren trotzdem Umrechnungstabellen; sie sind unbrauchbar, weil ein Material bei niedrigem Druck durchlässig werden und erst bei sehr hohem bersten kann. Was die Normen tatsächlich festlegen, steht auf der Normseite zu Wassersäule und Atmungsaktivität.
Brauchbar ist die Angabe trotzdem in einem Punkt: Weil derselbe Hersteller dasselbe Verfahren mit derselben Vorbehandlung auf beide Generationen angewandt hat, lässt sich der Fortschritt von HyVent zu DryVent an 60 und 75 tatsächlich ablesen. Genau dafür sind solche Werte gut — und nur dafür.
DRYVENT Mono: was ein Monomaterial beim Recycling bringt
Eine neuere Ausführung der Familie läuft unter dem Namen DRYVENT Mono. Der Gedanke dahinter betrifft nicht die Leistung, sondern das Ende der Lebensdauer: Ein Kleidungsstück aus Oberstoff, Beschichtung, Futter, Nahtbändern und Reißverschlüssen besteht aus mehreren verschiedenen Kunststoffen, die sich beim Recycling kaum trennen lassen. Eine Monomaterial-Konstruktion verwendet stattdessen überwiegend einen einzigen Werkstoff.
The North Face beschreibt DRYVENT Mono als Technik, die dasselbe Schutzniveau wie herkömmliche DryVent-Stoffe biete und zugleich den Recyclingvorgang vereinfache. Ob das zu tatsächlicher Wiederverwertung führt, hängt an Sammel- und Sortierstrukturen, die es für Funktionsbekleidung bislang kaum gibt — die Konstruktion ist die Voraussetzung dafür, nicht die Lösung.
Für die Kaufentscheidung ist das zunächst eine Angabe wie jede andere. Wer sie ernst nimmt, achtet auf dasselbe wie sonst: Lagenaufbau, Nähte, Wassersäule des konkreten Modells.
DryVent oder FUTURELIGHT: welche Linie wofür gedacht ist
The North Face führt mit FUTURELIGHT eine zweite, technisch völlig andere Linie: elektrogesponnen statt beschichtet, luftdurchlässig und deutlich teurer. DryVent ist die breitere Familie, und DryVent-Produkte sind die häufigeren.
Gegenüber den PTFE-Laminaten der Spitzenklasse ist DryVent das günstigere und weichere Material, erreicht aber nicht deren Werte bei Wasserdichtigkeit und Haltbarkeit. Gegenüber einer einfachen, nicht porösen Polyurethanbeschichtung, wie sie in billiger Regenkleidung steckt, liegt der Unterschied gerade in der Porenstruktur: Eine dichte PU-Schicht ist wasserdicht und so gut wie nicht dampfdurchlässig.
Für wen lohnt sich das? Für Wege, bei denen es regnen kann und bei denen man nicht stundenlang unter schwerem Gepäck bergauf geht — also für den weitaus größten Teil dessen, wofür eine Regenjacke tatsächlich benutzt wird.
Pflege: warum eine ungewaschene Jacke innen nass wird
Bei mikroporösen Beschichtungen ist Waschen keine Belastung, sondern Wartung. Was die Durchlässigkeit kostet, sind Ablagerungen in den Poren — und die lassen sich auswaschen. Mildes Flüssigwaschmittel, niedrige Temperatur, gründlich spülen, auf keinen Fall Weichspüler, denn der hinterlässt genau den Film, der die Poren zusetzt. Danach lässt sich die wasserabweisende Ausrüstung durch vorsichtige Wärme reaktivieren.
Der häufigste Irrtum ist der umgekehrte: Viele waschen eine Regenjacke jahrelang nicht, weil sie glauben, das Waschen schade ihr. Tatsächlich ist genau das der Grund, warum sie irgendwann innen nass wird. Setzt sich die Außenseite mit Schmutz zu, saugt sich der Oberstoff voll, und der Beschichtung fehlt das Dampfdruckgefälle — die Jacke ist dann noch dicht, fühlt sich aber nass an.
DryVent kaufen: drei Fragen an die Produktbeschreibung
Beim Kauf sind drei Fragen die richtigen. Erstens: Wie viele Lagen? Das steht in der Produktbeschreibung und macht den größten Unterschied im Gebrauch. Zweitens: Welche Wassersäule nennt das Modell? Da die Familie keine einheitlichen Werte hat, ist die Modellangabe die einzige verwertbare. Drittens: Wie ist belüftet? Weil jede Beschichtung nur begrenzt Dampf durchlässt, entscheiden Unterarmreißverschlüsse und ein durchgehender Frontzug darüber, ob sich das Stück bei Anstrengung tragen lässt — die Ausstattungsliste dazu führt der Ratgeber zu Outdoorjacken.

