Zum Inhalt springen

GORE-TEX C-knit Funktionsmaterial

Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

C-knit ist kein neues GORE-TEX und keine neue Membran. Es ist ein Innenfutter — die dritte Lage eines dreilagigen Laminats. Dass eine so unscheinbare Komponente einen eigenen Namen und eine eigene Markteinführung bekommen hat, sagt viel darüber, wie wenig an Hardshells sonst noch zu verbessern ist.

Der Name steht für „circular knit", also für ein rundgestricktes Gewirk. Es ersetzt das Trikotfutter, das zuvor in dreilagigen Laminaten üblich war — und dieser Wechsel von einer Textilkonstruktion zur anderen ist der ganze Inhalt der Technologie.

19 g/m²Flächengewicht des C-knit-Futters
bis 10 %leichteres Kleidungsstück nach Herstellerangabe
bis 15 %mehr Dampfdurchsatz nach Herstellerangabe
seit Herbst 2015im Handel, vorgestellt 2014

Was ein Futter in einem Laminat leistet

Die Innenlage eines 3-Lagen-Laminats hat drei Aufgaben, und alle drei werden unterschätzt. Sie schützt die Membran vor mechanischem Angriff von innen — vor Reißverschlusszähnen, Fingernägeln, Uhren, scheuernden Unterlagen. Sie nimmt Feuchtigkeit auf und verteilt sie auf eine größere Fläche, damit sie nicht als Tropfen auf der Haut sitzt. Und sie bestimmt, wie die Jacke gleitet, wenn man sich bewegt.

Gleichzeitig steht sie im Weg: Jede Faser, die auf der Membran klebt, ist eine Fläche, durch die kein Dampf wandert. Ein Futter zu verbessern heißt deshalb immer, zwei gegenläufige Größen gegeneinander auszuspielen — Schutz und Durchsatz.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Aufbau

Aufgetragen oder eingelegt: zwei Wege zur dichten Jacke

Dicht wird eine Jacke auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten. Welche es ist, steht selten auf dem Etikett — man merkt es erst nach Jahren, wenn eine davon anfängt, sich in Fetzen abzulösen.

Beschichtung

Flüssig aufgetragen, härtet aus

Aufgeschnittenes Stück Jackenstoff: Unter dem Obergewebe liegt ein dünner Film, der in die Zwischenräume der untersten Fäden hineinreicht — zwei Lagen ohne Fuge dazwischen.
  1. Obergewebe
  2. PU-Film, aufgetragen
  3. keine Fuge dazwischen

Polyurethan wird flüssig auf die Rückseite des fertigen Oberstoffs aufgetragen. Es entsteht keine eigene Folie, sondern ein Film, der mit dem Gewebe eine Einheit bildet.

Kommt mit zwei Lagen aus — eine Trägerlage ist nicht nötig.

Dafür
Günstiger, leichter, trägt kaum auf
Dagegen
Der Film liegt ungeschützt innen und ist mechanisch empfindlich

Blättert nach Jahren in Fetzen ab (Hydrolyse) — nicht reparierbar

Laminat

Eigene Folie, eingeklebt

Aufgefächertes Stück Jackenstoff: Obergewebe, Klebepunktraster, eine eigenständige weiße Folie, noch ein Klebepunktraster und ein Futtergestrick — fünf getrennte Ebenen.
  1. Obergewebe
  2. Klebstoff
  3. Membran, eigene Folie
  4. Klebstoff
  5. Trägerlage

Die Membran ist eine eigenständige Folie und wird mit Klebstoff zwischen Oberstoff und Futter einlaminiert — ein zusätzlicher Arbeitsgang.

Braucht eine Trägerlage; daraus werden 2,5 oder 3 Lagen.

Dafür
Haltbarer, die Folie liegt geschützt zwischen den Lagen
Dagegen
Teurer, trägt mehr auf, etwas schwerer

Löst sich an der Klebefläche (Delamination) — ebenfalls endgültig

Für gelegentliches Tragen reicht eine Beschichtung aus. Unter einem schweren Rucksack ist das Laminat die haltbarere Wahl: Dort scheuert der Gurt genau auf der Schulter, und eine aufgetragene Schicht hat an dieser Stelle keinen Schutz. Beide Bauarten altern im warmen Schrank schneller als im Gebrauch — trocken und kühl gelagert halten sie am längsten.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Was C-knit anders macht als ein Trikotfutter

Der Unterschied liegt in der Maschenkonstruktion. Ein Trikot ist ein Kettengewirk mit vergleichsweise dichter, flacher Oberfläche. Ein Rundgestrick aus sehr feinem Polyamid lässt sich dünner, dehnbarer und mit offenerer Struktur herstellen. Das Ergebnis ist ein Futter mit 19 Gramm je Quadratmeter — ein Wert, der in der Größenordnung eines sehr leichten Taschentuchpapiers liegt.

Zum Vergleich: Die Oberstoffe, mit denen dieselben Laminate gebaut werden, wiegen je nach Hersteller zwischen 79 und 167 Gramm je Quadratmeter. Das Futter ist also der mit Abstand leichteste Teil des Verbunds — und trotzdem war an ihm am meisten zu holen, weil es vorher ungefähr doppelt so schwer war.

Die zweite Änderung betrifft die Verklebung. Weil sich das feine Gewirk anders laminieren lässt, kommt die Verbindung mit weniger Klebepunkten aus. Jeder eingesparte Klebepunkt ist offene Membranfläche, durch die Dampf wandern kann. Rund 70 Prozent des Durchsatzgewinns führt der Hersteller auf das Futtermaterial selbst zurück, den Rest auf die veränderte Lamination.

MerkmalTrikotfutter (vorher)C-knit
KonstruktionKettengewirk, flachRundgestrick aus feinem Polyamid
Flächengewichtdeutlich schwerer19 g/m²
Griffmatt, etwas raudünner, dehnbarer, seidiger
Verklebungmehr Klebepunkteweniger Klebepunkte
DampfdurchsatzBezugsgrößebis zu 15 % höher

Was RET-Werte zwischen 2,0 und 5,8 wirklich aussagen

Für Kleidungsstücke mit C-knit-Futter wurden RET-Werte zwischen 2,0 und 5,8 berichtet — die niedrigen bei leichten Jacken, die hohen bei schweren Stoffen wie Snowboardhosen. Gemessen wird RET am Hautmodell nach ISO 11092; niedrigere Werte heißen geringerer Dampfdurchgangswiderstand.

Diese Spanne ist der eigentliche Befund, nicht der Einzelwert: Der Unterschied zwischen einer leichten und einer schweren Jacke desselben Laminattyps ist größer als der Unterschied zwischen zwei Futterkonstruktionen. Wer Atmungsaktivität sucht, achtet zuerst auf das Gewicht des Kleidungsstücks und erst danach auf den Futternamen.

Warum ein Futter eine Produktankündigung wert war

Dass Gore 2014 eine eigene Veranstaltung im Yosemite-Nationalpark abhielt, um ein Innenfutter vorzustellen, wirkt überzogen — erklärt sich aber aus der Marktlage. Die Membran selbst war zu diesem Zeitpunkt seit Jahrzehnten im Prinzip unverändert, und der Wettbewerb griff genau dort an, wo GORE-TEX als unangenehm galt: beim Tragegefühl.

Konkurrierende Laminate warben mit weicherem Griff und mit luftdurchlässigen Membranen, die sich in Bewegung besser anfühlen. Ein Hersteller, der seine Membran nicht ändern will oder kann, hat dann genau zwei Stellschrauben — den Oberstoff und das Futter. C-knit ist die zweite davon, konsequent ausgereizt.

Für die Einordnung heißt das: eine echte, messbare Verbesserung mit bescheidenem Betrag. Wer eine Jacke mit Trikotfutter besitzt, die funktioniert, hat keinen Grund zum Wechsel. Wer neu kauft und zwischen zwei sonst gleichwertigen Modellen schwankt, nimmt das Rundgestrick.

Was man von C-knit tatsächlich merkt: Griff und Geräusch

Am deutlichsten ist der Unterschied nicht auf der Waage, sondern am Griff und am Geräusch. Ein C-knit-Futter fühlt sich glatt an, gleitet über die Ärmel der Lage darunter und raschelt weniger. Das macht die Jacke angenehmer auf der bloßen Haut — und zwar genau dann, wenn man sie im Sommer über dem T-Shirt trägt.

Zweitens das Anziehen: Dreilagige Jacken mit Trikotfutter bleiben an feuchten Unterarmen hängen. Ein Rundgestrick tut das weniger, und das ist bei einem Kleidungsstück, das man zehnmal am Tag an- und auszieht, kein kosmetischer Vorteil.

Drittens das Packmaß: Ein dünneres, dehnbareres Futter lässt sich enger zusammendrücken. Eine C-knit-Jacke ist im Rucksack spürbar kleiner als eine ältere 3-Lagen-Jacke desselben Zuschnitts — bei der Wahl einer Hardshelljacke ist das ein Argument, das in keiner Datentabelle steht.

Wo C-knit nicht hingehört — und was dort stattdessen steckt

Das Futter ist leicht, und das ist zugleich seine Grenze: Es bietet weniger mechanischen Schutz als ein schwereres Gewebe. Deshalb führt Gore in der Pro-Linie ein anderes, robusteres Innenfutter — den Micro-Grid-Backer. Wer eine Trekkingjacke für Expedition, Fels oder Arbeit sucht, will dort kein C-knit haben, auch wenn es angenehmer wäre.

Eine zweite Grenze ist bauartbedingt: C-knit ist ein Futter für dreilagige Laminate. In einer zweilagigen Jacke hängt ohnehin ein frei gewähltes Futter vor der Membran, und in einer 2,5-lagigen gibt es gar keines. Der Name taucht deshalb nur dort auf, wo auch wirklich drei verklebte Lagen vorliegen — er ist nebenbei ein zuverlässiger Hinweis auf die Bauweise, wenn die Produktbeschreibung sie verschweigt.

Daraus folgt eine brauchbare Faustregel für das ganze Sortiment: C-knit steht für Komfort im Alltag und auf Tour, der Micro-Grid-Backer für Haltbarkeit unter Dauerlast. Beide liegen hinter derselben Membran.

Pflege: warum Weichspüler das feine Gewirk ruiniert

Das Gewirk selbst ist unkritisch — Polyamid verträgt die übliche Pflege einer Hardshell: Waschen mit Spezialwaschmittel, kein Weichspüler, Trockner auf niedriger Stufe zum Aufrichten der Imprägnierung. Weichspüler ist hier besonders schädlich, weil er sich in die feine Maschenstruktur setzt und die Feuchteaufnahme des Futters zunichtemacht; genau die ist aber der Grund, warum sich ein 3-Lagen-Laminat innen trockener anfühlt als ein 2,5-lagiges.

Einen Punkt gibt es trotzdem, der dem feinen Gewirk eigen ist: Es ist dünn genug, dass harte Gegenstände darunter durchdrücken. Ein Karabiner in der Innentasche oder ein Schlüsselbund, der monatelang an derselben Stelle liegt, hinterlässt hier eher Spuren als in einem schweren Futtergewebe. Innentaschen gehören deshalb für Hartes nicht benutzt, und das ist bei einer teuren Jacke keine Pedanterie — es ist die billigste Verlängerung ihrer Lebensdauer.

Die typische Schadstelle ist nicht das Futter, sondern die Verklebung darunter: Löst sie sich, wirft das Gewirk Blasen. Ursache ist fast immer feuchte, warme Lagerung. Hängend und vollständig trocken aufbewahren ist deshalb die wirksamste Maßnahme für die Lebensdauer.

Inhalt

Gefällt dir, was du hier liest?

Teilen-Bild zu GORE-TEX C-knit: 19 g/m² statt Trikotfutter | Outdoorberater

Gefällt dir, was du hier liest?

Wir stecken viel Arbeit in outdoorberater.de — gemessene Angaben statt Werbesprüche, keine Bezahlschranke, keine Werbeflut. Wenn dir das hilft, ist Weiterempfehlen die schönste Art, Danke zu sagen. Jedes Teilen hilft anderen, uns zu finden, und hält das Projekt am Leben.

Zurück zum Seitenanfang