HyVent Funktionsmaterial
Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
HyVent war über Jahre die wasserdichte Materialfamilie von The North Face und steht auf sehr vielen Jacken, die noch im Umlauf sind. Neu zu kaufen gibt es sie nicht mehr: Das Unternehmen führt dieselbe Technikfamilie seit Mitte der 2010er Jahre unter einem anderen Namen.
Der Nachfolger heißt DryVent, und die Seite lohnt sich trotzdem — nicht nur als Nachschlagewerk für gebrauchte Ware. An HyVent lässt sich besonders gut zeigen, was eine Beschichtung von einem Laminat unterscheidet, warum solche Materialien altern und warum eine Herstellerzahl manchmal nichts mit der Zahl zu tun hat, die daneben steht.
Beschichtung oder Laminat — der Unterschied, der alles erklärt
Wasserdichte Funktionsmaterialien entstehen auf zwei grundsätzlich verschiedenen Wegen, und HyVent gehört überwiegend zum ersten.

Aufgetragen oder eingelegt: zwei Wege zur dichten Jacke
Dicht wird eine Jacke auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten. Welche es ist, steht selten auf dem Etikett — man merkt es erst nach Jahren, wenn eine davon anfängt, sich in Fetzen abzulösen.
Beschichtung
Flüssig aufgetragen, härtet aus

- Obergewebe
- PU-Film, aufgetragen
- keine Fuge dazwischen
Polyurethan wird flüssig auf die Rückseite des fertigen Oberstoffs aufgetragen. Es entsteht keine eigene Folie, sondern ein Film, der mit dem Gewebe eine Einheit bildet.
Kommt mit zwei Lagen aus — eine Trägerlage ist nicht nötig.
- Dafür
- Günstiger, leichter, trägt kaum auf
- Dagegen
- Der Film liegt ungeschützt innen und ist mechanisch empfindlich
Blättert nach Jahren in Fetzen ab (Hydrolyse) — nicht reparierbar
Laminat
Eigene Folie, eingeklebt

- Obergewebe
- Klebstoff
- Membran, eigene Folie
- Klebstoff
- Trägerlage
Die Membran ist eine eigenständige Folie und wird mit Klebstoff zwischen Oberstoff und Futter einlaminiert — ein zusätzlicher Arbeitsgang.
Braucht eine Trägerlage; daraus werden 2,5 oder 3 Lagen.
- Dafür
- Haltbarer, die Folie liegt geschützt zwischen den Lagen
- Dagegen
- Teurer, trägt mehr auf, etwas schwerer
Löst sich an der Klebefläche (Delamination) — ebenfalls endgültig
Für gelegentliches Tragen reicht eine Beschichtung aus. Unter einem schweren Rucksack ist das Laminat die haltbarere Wahl: Dort scheuert der Gurt genau auf der Schulter, und eine aufgetragene Schicht hat an dieser Stelle keinen Schutz. Beide Bauarten altern im warmen Schrank schneller als im Gebrauch — trocken und kühl gelagert halten sie am längsten.

Bei der Beschichtung wird Polyurethan in flüssiger Form auf die Rückseite des fertigen Oberstoffs aufgetragen und härtet dort aus. Es entsteht keine eigenständige Folie, sondern ein Film, der mit dem Gewebe eine Einheit bildet. Das ist günstig, braucht keinen Arbeitsgang zum Verkleben und trägt praktisch nicht auf. Der Preis dafür: Der Film ist nur so gut wie seine Unterlage und mechanisch empfindlich, weil er direkt auf der Innenseite liegt.
Beim Laminat wird dagegen zuerst eine eigenständige Membran hergestellt — als Folie, als gerecktes Gefüge oder als gesponnenes Vlies — und anschließend mit Klebepunkten auf den Oberstoff gefügt. Weil sie getrennt entsteht, lässt sie sich für sich allein auslegen: dünner, dehnbarer, durchlässiger. Das ist der Weg, den GORE-TEX® mit ePTFE geht.
HyVent arbeitete in den gängigen Ausführungen mit der Beschichtung und in den höherwertigen mit einem PU-Laminat. Das erklärt, warum zwei Jacken mit demselben Namen auf dem Etikett sich im Regen völlig unterschiedlich anfühlen konnten. Welche Bauart für welchen Einsatz die richtige ist, steht im Ratgeber zur Regenjacke.
Wie HyVent Dampf durchlässt, obwohl es keine Poren hat
Ein geschlossener Kunststofffilm, der Wasser aufhält, müsste eigentlich auch Wasserdampf aufhalten. Dass er es nicht tut, liegt am Aufbau des Polyurethans: In die Molekülketten werden wasseranziehende, also hydrophile Abschnitte eingebaut. Wasserdampf lagert sich an diese Abschnitte an, wandert von Kettenglied zu Kettenglied durch den Film und verdunstet außen wieder. Es gibt dabei keine Löcher — der Transport läuft über das Material selbst.
Daraus folgt die wichtigste Eigenschaft solcher Materialien, und sie wird in der Werbung nie erwähnt: Der Transport braucht ein Gefälle. Nur wenn es innen deutlich feuchter und wärmer ist als außen, wandert nennenswert etwas. Wer kaum schwitzt oder bei schwülem Wetter unterwegs ist, bekommt wenig Dampfdurchsatz — nicht weil die Jacke schlecht wäre, sondern weil der Antrieb fehlt. Materialien mit offenen Poren wie ePTFE sind weniger abhängig vom Gefälle.
Dieselbe Hydrophilie hat eine zweite Folge: Der Film quillt bei Nässe leicht auf und fühlt sich dann innen klamm an. Das ist kein Defekt und kein eindringendes Wasser, sondern der Arbeitszustand des Materials.
HyVent 2L, 2.5L, 3L, DT oder Alpha — was im Etikett steht
HyVent wurde nicht in einer Qualität gebaut, sondern in einer ganzen Reihe, die sich vor allem im Lagenaufbau unterschied. Die Lagenzahl ist die aussagekräftigste Angabe, die auf einer gebrauchten Jacke zu finden ist.
| Ausführung | Aufbau | Eigenschaft |
|---|---|---|
| HyVent 2L | Oberstoff mit PU-Beschichtung, frei hängendes Futter | die verbreitetste Bauart, robust im Alltag, schwerer |
| HyVent 2.5L | Beschichtung plus aufgedrucktes Schutzraster statt Futter | leicht und klein packbar, innen klammer im Griff |
| HyVent 3L | Oberstoff, Membran und Futter zu einem Stück verklebt | am haltbarsten, für dauerhafte Belastung |
| HyVent DT | Ausführung mit dünn aufgetragener Deckschicht | auf geringes Gewicht gerechnet |
| HyVent DT EC | DT mit Anteil aus Rizinusöl | früher Versuch, Erdöl im Film zu ersetzen |
| HyVent Alpha | die Spitzenausführung der Summit-Series-Linie | höchste genannte Dichtigkeit der Familie |
Die halbe Lage der 2,5-Lagen-Bauweise verdient eine Erklärung, weil der Name irreführend ist. Es ist kein halbes Futter, sondern ein aufgedrucktes Raster aus Kunststoffpunkten oder -linien direkt auf der Beschichtung. Seine Aufgabe ist nicht Wärme, sondern Schutz: Es hält Haut, Hautfett und Salze vom empfindlichen Film fern. Das spart gegenüber einem echten Futter erheblich Gewicht und Packmaß — und erklärt, warum sich 2,5-Lagen-Jacken innen anders anfühlen als alles andere. Wie sich das im Gebrauch auswirkt, zeigt der Ratgeber zur Hardshelljacke.
Warum HyVent altert: Hydrolyse frisst die Beschichtung
Polyurethan ist kein beständiger Werkstoff. Es wird durch Wasser chemisch angegriffen: Wassermoleküle spalten die Bindungen in der Molekülkette, das Polymer zerfällt in kleinere Bruchstücke, und der Film verliert seinen Zusammenhalt. Dieser Vorgang heißt Hydrolyse und läuft umso schneller, je wärmer und feuchter es ist. Pilze und Bakterien beschleunigen ihn zusätzlich mit Enzymen, die genau diese Bindungen angreifen.
Entscheidend ist, welches Polyurethan verwendet wurde. PU auf Polyesterbasis ist mechanisch gut, aber empfindlich gegen Hydrolyse; PU auf Polyetherbasis ist deutlich beständiger. Hydrolysefeste Typen gibt es also, sie kosten nur mehr — und welcher in einer bestimmten Jacke steckt, erfährt der Käufer nicht.
Sichtbar wird der Zerfall als Delamination: klebrige Innenseite, Abblättern, Blasen zwischen den Lagen. Spätestens dann ist das Kleidungsstück nicht mehr wasserdicht und nicht mehr zu retten. Bei vielen HyVent-Jacken, die heute noch im Schrank hängen, ist dieser Punkt erreicht oder nah — zwanzig Jahre sind für eine PU-Beschichtung eine lange Zeit.
Was der Wechsel von HyVent zu DryVent technisch bedeutet
Der Namenswechsel war keine technische Zäsur. DryVent beruht auf derselben Grundlage — Polyurethan als Beschichtung oder als Laminat — und wird ebenfalls in zwei, zweieinhalb und drei Lagen gebaut. Verändert haben sich Rezepturen und Produktgliederung, nicht das Prinzip. Für die Einordnung einer gebrauchten Jacke heißt das: Was über DryVent gilt, gilt im Wesentlichen auch für HyVent.
Parallel dazu führt The North Face mit FUTURELIGHT eine technisch andere Linie: eine elektrogesponnene Membran, die Luft durchlässt und damit nicht mehr allein auf das Feuchtegefälle angewiesen ist. Sie steht in der Preisklasse deutlich darüber und besetzt die Rolle, die HyVent nie ausfüllen konnte.
Pflege: was sich an einer alten HyVent-Jacke noch retten lässt
Solange der Film intakt ist, lohnt sich Pflege. Gewaschen wird mit einem Spezialwaschmittel für Funktionstextilien, nicht mit Vollwaschmittel und auf keinen Fall mit Weichspüler — Tenside und Silikone legen sich auf den Oberstoff und zerstören dessen DWR-Ausrüstung. Saugt sich der Oberstoff voll, bricht der Dampftransport zusammen, obwohl die Beschichtung noch dicht ist. Die allgemeinen Regeln dazu stehen im Ratgeber Pflege.
Die DWR-Ausrüstung lässt sich auffrischen, und zwar nach dem Waschen auf dem sauberen Gewebe, mit anschließender Wärmebehandlung im Trockner oder mit dem Bügeleisen über einem Tuch. Entscheidend ist die Lagerung: trocken, kühl, hängend und nicht zusammengerollt. Eine feucht eingepackte Jacke im warmen Keller durchläuft genau die Bedingungen, unter denen die Hydrolyse am schnellsten abläuft.
Was sich nicht reparieren lässt, ist der Film selbst. Für kleine Schäden gibt es Flickband, für großflächigen Zerfall nichts. Eine Jacke an diesem Punkt ist kein Reparaturfall, sondern ein Fall für die Alttextilsammlung — und das Argument dafür, beim Nachfolger auf die Lagenzahl und das verwendete Polyurethan zu achten statt nur auf den Markennamen.

