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Polartec® Power Stretch® Funktionsmaterial

Fleece & Strickware Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Power Stretch ist der Stoff, aus dem die enganliegenden Fleecejacken und die Funktionshosen für Klettern und Skitouren gemacht sind: außen eine glatte, gestrickte Fläche, innen ein kurzer Flor, und das Ganze in jede Richtung dehnbar. Polartec führt ihn nicht unter den Isolationsstoffen, sondern bei den Basisschichten.

Diese Einordnung ist der Schlüssel zum Verständnis. Power Stretch ist kein Fleece, das zufällig dehnbar wäre, sondern ein körpernaher Stoff, der zufällig einen Flor hat. Er soll nicht möglichst viel Luft halten, sondern möglichst eng anliegen und dabei nicht stören.

4 WegeDehnung in beide Achsen, nach Herstellerangabe
~247 bis 270 g/m²gemessene Handelsstoffe
10 %Elasthananteil in typischen Ausführungen
2 Flächenglatte Außenseite, aufgerauter Flor innen

Wie Power Stretch zu seinen zwei Oberflächen kommt

Polartec beschreibt Power Stretch als „dual-surface knit construction“ — eine Strickkonstruktion mit zwei verschiedenen Oberflächen. Gemeint ist Folgendes: Beide Seiten entstehen in einem Arbeitsgang auf derselben Maschine, aber nur die Innenseite läuft anschließend über die Rauwalzen. Dort werden die Schlingen aufgerissen und die Faserenden aufgestellt; die Außenseite bleibt als geschlossene Maschenfläche stehen.

Daraus ergibt sich die Arbeitsteilung, die den Stoff ausmacht. Innen hält der kurze Flor eine dünne Luftschicht an der Haut fest und transportiert Feuchtigkeit in die Fläche; außen sorgt die glatte, dichte Seite dafür, dass der Stoff unter einer zweiten Lage gleitet statt zu haken, und dass er weniger Fasern verliert. Ein beidseitig aufgerauter Velours könnte beides nicht: Er wäre innen gleich, außen aber rau, würde an der Schale reiben und sofort pillen.

Die Dehnbarkeit kommt nicht aus dem Strickbild allein, sondern aus dem Garn. In den Handelsstoffen stecken neben Polyester regelmäßig Polyamid und rund zehn Prozent Elasthan. Gefundene Mischungen sind etwa 53 / 37 / 10 Prozent Polyester, Polyamid und Elasthan oder 56 / 34 / 10. Das Polyamid liefert die Abriebfestigkeit der Außenseite, das Polyester den Flor, das Elasthan die Rückstellkraft.

Was Vierwegestretch im Kleidungsstück wirklich bringt

Polartec formuliert es nüchtern: Der Stoff könne sich „in jede Richtung horizontal und vertikal“ dehnen. Das ist die eigentliche Definition — Zweiwegestretch dehnt nur in einer Achse, meist quer zur Kettrichtung, Vierwegestretch in beiden. Für ein Kleidungsstück ist der Unterschied gravierender, als die Zahl vermuten lässt: Ein Knie oder eine Schulter bewegt sich nicht in einer Achse, sondern diagonal. Dehnt der Stoff nur quer, zieht er beim Beugen am Saum — bei einer Funktionshose der häufigste Grund, warum sie beim Steigen stört.

Mindestens ebenso wichtig ist die zweite Hälfte der Eigenschaft, die Polartec „shape retention technology“ nennt: Der Stoff soll sich dehnen und zurückstellen, ohne seine Passform zu verlieren. Ein Gestrick, das sich dehnt und ausgedehnt bleibt, beult an Knien und Ellbogen aus. Die Rückstellkraft ist die Leistung des Elasthans, und sie ist der Grund, warum ein Zehn-Prozent-Anteil so viel ausmacht.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Material

Zwei Oberflächen aus einem Gestrick

Manche Funktionsstoffe haben außen und innen völlig verschiedene Oberflächen — und sind trotzdem nicht zusammengesetzt. Sie werden in einem Arbeitsgang gestrickt, mit zwei Nadelbetten und zwei verschiedenen Garnen.

Stark vergrößertes Gestrick, so gefaltet, dass beide Seiten sichtbar sind: Die Außenseite ist glatt, dicht und feinmaschig, die Innenseite weich aufgeraut mit kurzem Flor; an der Faltkante ist zu sehen, dass es ein Stück ist.
  1. Außen glatt und dicht

    Die äußere Fläche bremst Wind, verteilt Abrieb und lässt sich beschichten. Sie bestimmt, wie der Stoff aussieht und wie schnell er verschleißt.

  2. Innen aufgeraut und weich

    Der kurze Flor hält Luft und nimmt Feuchtigkeit von der Haut auf. Er bestimmt, wie sich der Stoff anfühlt und wie warm er ist.

  3. Keine Klebung, keine Naht

    Weil es ein Gestrick ist, kann sich nichts lösen oder delaminieren. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber einem verklebten Verbund aus zwei Lagen.

Daraus folgt die Dehnbarkeit: Ein Gestrick gibt in alle Richtungen nach, ein verklebter Verbund nicht. Deshalb finden sich solche Stoffe überall dort, wo sich der Stoff mitbewegen muss — an Kniepartien, unter den Armen, an ganzen Softshelljacken.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.
Mehr dazu: Elasthan · Softshell

Power Stretch oder Power Stretch Pro — was unterscheidet sie

Polartec führt neben dem Grundstoff eine Pro-Ausführung, die als „premium dynamic stretch and recovery knit technology“ beschrieben wird. Der praktische Unterschied liegt auf der Außenseite: Die Pro-Variante enthält mehr Polyamid und ist dadurch an der Oberfläche widerstandsfähiger — gedacht für Kleidungsstücke, die ohne Schale darüber getragen werden und Kontakt mit Fels, Gurtzeug und Rucksackträgern haben.

Power StretchPower Stretch Pro
AufbauZweiflächenstrick, glatt außen, Flor innen
gemessene HandelsstoffeJersey- und fleecekaschierte Stile247 g/m² (7,3 oz/yd²) bis 270 g/m²
gefundene MischungenPolyester mit Elasthan53/37/10 und 56/34/10 Polyester, Polyamid, Elasthan
Außenseiteglattglatt und abriebfester durch höheren Polyamidanteil
gedacht fürZwischenlage, körpernahKleidung ohne Schale darüber

Die genannten Gewichte stammen von Stoffhändlern, nicht aus einem Polartec-Datenblatt. Sie sind brauchbar als Größenordnung — rund 250 Gramm je Quadratmeter, also im Bereich eines Classic 200 —, aber nicht als Spezifikation einzelner Kleidungsstücke, weil jede Marke ihren eigenen Stil ordert.

Warum ein Classic 200 bei gleichem Gewicht mehr wärmt

Bei fast gleichem Flächengewicht wärmt ein Classic 200 mehr als ein Power Stretch. Der Grund ist simpel: Beim Classic steht der Flor auf beiden Seiten, bei Power Stretch nur auf einer, und die glatte Außenseite hält keine Luft fest. Was Power Stretch dafür gewinnt, ist Bewegungsfreiheit, Passform und Haltbarkeit der Oberfläche — der Grund, warum eine enge Fleecejacke für Klettern und Skitouren fast immer aus diesem Stoff ist.

Gegenüber einem Gitterfleece — bei Polartec die Familie Power Grid — ist Power Stretch der dichtere, windstabilere, aber schwerere Stoff. Das Gitterfleece spart Masse durch Zwischenräume im Flor und lüftet besser; Power Stretch liegt dafür enger an und scheuert nicht auf.

Und gegenüber einem echten Baselayer aus dünnem Funktionsjersey ist Power Stretch schlicht zu dick für direkte Hautnähe bei Anstrengung. Polartec ordnet ihn zwar den Basisschichten zu, in der Praxis ist er aber eher die erste Isolationslage: über einem dünnen Shirt aus Funktionsunterwäsche, unter der Schale.

Pflege: warum Hitze dem Elasthan den Rest gibt

Elasthanhaltige Stoffe verlangen etwas mehr Sorgfalt als reines Fleece, und zwar in genau drei Punkten. Erstens Hitze: Waschen bei 30 Grad, auf keinen Fall in den Trockner, nicht bügeln. Zweitens Weichspüler: Er legt sich als Film auf den Flor, verklebt ihn und nimmt dem Stoff die Luft; außerdem greift er die Elastanfasern an. Drittens Nässe und Lagerung: Ein zusammengerollt feucht verstautes Kleidungsstück verliert Rückstellkraft schneller.

Beim Kauf lohnen zwei Blicke. Der erste geht auf die Materialangabe im Etikett: Steht dort Elasthan mit Prozentzahl, ist die Rückstellkraft erklärt; fehlt es, ist der Stoff nur mechanisch dehnbar und beult eher aus. Der zweite geht auf die Außenseite der Stelle, die am meisten leidet — bei Jacken die Schulter unter dem Rucksackträger, bei Hosen das Gesäß. Ein Pro-Stoff fühlt sich dort straffer und härter an als ein Standard-Power-Stretch; das ist kein Mangel, sondern genau der Unterschied.

Zuletzt die Passform. Ein Stoff, der auf enge Passform ausgelegt ist, funktioniert nur, wenn er auch eng sitzt. Eine Power-Stretch-Jacke zwei Nummern zu groß verliert ihren eigentlichen Vorteil — den schmalen Luftpolsterspalt an der Haut — und wärmt dann weniger als ein einfaches Fleece im selben Gewicht. Bei einer Trekkinghose aus demselben Stoff gilt dasselbe, nur fällt es dort erst beim Steigen auf.

Warum Power Stretch in fast jeder Marke steckt

Power Stretch gehört zu den wenigen Funktionsstoffen, die man an fast jeder Marke findet, von der Kletterausrüstung bis zur Arbeitskleidung. Der Grund dafür ist weniger eine überlegene Leistung als eine ungewöhnlich breite Brauchbarkeit: Der Stoff ist warm genug für eine Zwischenlage, dünn genug für darunter, dehnbar genug für Bewegung und robust genug, um allein getragen zu werden. Nichts davon ist Bestleistung, nichts davon ist Schwachstelle.

Genau darin liegt zugleich die Grenze. Wer ein Kleidungsstück für einen eng umrissenen Zweck sucht — maximale Wärme im Stand, minimales Gewicht im Aufstieg, maximale Luftigkeit bei Anstrengung —, findet für jeden dieser Fälle einen besseren Stoff. Power Stretch ist der Kompromiss, der in keiner Lage auffällt, und das ist bei Bekleidung ein ernstzunehmender Vorzug.

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