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Toray Entrant Funktionsmaterial

Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Entrant ist die mikroporöse Polyurethan-Beschichtung des japanischen Konzerns Toray Industries und zugleich eines der ältesten industriell gefertigten wasserdicht-atmungsaktiven Materialien überhaupt. Toray brachte sie 1980 auf den Markt — elf Jahre nach der Erfindung des gereckten PTFE und fast zur selben Zeit, als in Europa die ersten porenlosen Membranen entstanden.

Sie ist damit das genaue Gegenstück zur Dermizax-Membran desselben Hauses: Entrant hat Poren, Dermizax hat keine. Dass ein Hersteller beide Prinzipien parallel führt, ist ungewöhnlich und sagt etwas darüber, dass keines von beiden das andere einfach ersetzt. Welche Bauart sich für den Dauereinsatz im Regen eignet, ordnet der Ratgeber zur Regenjacke ein.

1980Markteinführung durch Toray
mikroporösPorenstruktur im Polyurethan
Nasskoagulationdas Herstellungsverfahren
Polyurethanhydrophob, nicht wasseranziehend

Nasskoagulation: wie die Poren in Entrant von selbst entstehen

Das Verfahren hinter Entrant ist bemerkenswert, weil die Poren nicht gebohrt, gereckt oder gestanzt werden, sondern von selbst entstehen. Es läuft so ab: Polyurethan wird in einem polaren organischen Lösungsmittel gelöst und als dünner Film auf das Trägergewebe — bei Entrant klassisch ein Polyamidgewebe — aufgestrichen. Dann wandert die beschichtete Bahn in ein Wasserbad.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Membranen

Mit Poren oder ohne

Beide Bauarten halten Wasser zurück und lassen Dampf durch — auf völlig verschiedenen Wegen. Die eine hat Öffnungen, die zu klein für einen Tropfen und groß genug für ein Dampfmolekül sind. Die andere hat überhaupt keine.

Mikroporös

Gewundene Kanäle durch die Folie

Stark vergrößerter Querschnitt durch eine mikroporöse Membran: Gewundene Kanäle ziehen sich durch die Folie, oben liegt ein Wassertropfen, der um ein Vielfaches größer ist als die Öffnungen. Tropfen bleibt oben gewundene Kanäle

Der Dampf findet durch die Kanäle hindurch. Der Tropfen ist zu groß für sie und bleibt liegen — solange die Kanäle nicht durch Schmutz oder Öl belegt sind.

Im Gebrauch
Atmet schnell, reagiert empfindlich auf Verschmutzung

Porenlos

Geschlossene Folie

Stark vergrößerter Querschnitt durch eine porenlose Membran: Die Folie ist vollkommen geschlossen, im Inneren sind nur Molekülketten angedeutet; der Wassertropfen oben dringt nicht ein. keine Öffnung

Es gibt keine Öffnung. Der Dampf wird an der Innenseite gebunden, wandert durch das Material und tritt außen wieder aus — getrieben vom Feuchteunterschied.

Im Gebrauch
Unempfindlich gegen Schmutz, braucht ein Gefälle

Daraus folgt der Unterschied im Gebrauch: Die mikroporöse Membran arbeitet sofort, verliert aber Leistung, wenn ihre Kanäle zusetzen — deshalb das Waschen. Die porenlose braucht ein Feuchtegefälle und kommt bei geringer Anstrengung kaum in Gang, altert dafür unempfindlicher.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Im Wasser passiert zweierlei gleichzeitig: Das Lösungsmittel ist mit Wasser mischbar und wandert heraus, das Polyurethan ist es nicht und fällt aus. Weil beides gleichzeitig geschieht, erstarrt der Kunststoff nicht als geschlossener Film, sondern als zelliges Gerüst — dort, wo vorher Lösungsmittel war, bleibt ein Hohlraum. Zurück bleibt eine schwammartige Schicht mit untereinander verbundenen Poren, zu eng für einen Regentropfen, weit genug für Wasserdampf.

Dieses Prinzip heißt Nasskoagulation und ist bis heute das verbreitetste Verfahren für mikroporöse Beschichtungen überhaupt — auch bei Materialien, die unter ganz anderen Namen laufen. Was die Hersteller unterscheidet, ist die Rezeptur des Polyurethans, die Führung des Fällbads und die Nachbehandlung, nicht das Verfahren selbst.

Beschichtung oder Membran — und warum das zählt

Entrant ist im Ursprung eine Beschichtung, keine Membran. Der Unterschied ist nicht akademisch: Eine Membran ist ein eigenständiger Film, der getrennt hergestellt und anschließend auflaminiert wird; eine Beschichtung entsteht direkt auf dem Trägergewebe und existiert ohne es nicht.

Beschichtung wie EntrantLaminierte Membran
Herstellungdirekt auf dem Gewebe aufgebrachtgetrennt hergestellt, dann verklebt
Dickedünner, folgt der Gewebeoberflächeeigener Film mit eigener Dicke
Delaminationkann nicht abblättern, weil nichts verklebt istHaftschicht kann versagen
Gleichmäßigkeithängt von der Gewebeoberfläche abunabhängig vom Träger
Kostengeringer, ein Arbeitsgang wenigerhöher

Toray beschreibt Entrant heute als „waterproof, moisture-permeable coating/lamination“ — also als Beschichtung oder Laminierung, je nach Ausführung. Die Linie ist über vier Jahrzehnte gewachsen und umfasst inzwischen beides.

Entrant MP, MAP, GII oder DT 20000: was dahintersteckt

Entrant ist keine einzelne Rezeptur, sondern eine Familie, die seit 1980 immer wieder überarbeitet wurde. Toray stellt zwei Grundrichtungen gegenüber: Entrant MP als die stark wasserdichte Ausführung mit geringerer Durchlässigkeit, und Entrant MAP als die extrem durchlässige mit geringerem Wasserwiderstand. Das ist dieselbe Abwägung, der jede mikroporöse Schicht unterliegt — mehr Porenvolumen heißt mehr Dampf und weniger Druckfestigkeit.

In der Fachliteratur beschrieben ist außerdem Entrant G II: eine dreilagige Polyurethan-Beschichtung aus zwei verschiedenen mikroporösen Schichten, bei der die innere Lage Poren und Ultramikroporen enthält. Die daran anschließende Entwicklung Entrant GII-XT kombiniert ebenfalls zwei Polyurethankomponenten; Entrant Sunlock enthält zusätzlich reflektierende keramische Partikel.

Im europäischen Handel am häufigsten anzutreffen ist Entrant DT 20000, für das eine Wassersäule von 20.000 Millimetern und eine Durchlässigkeit von 5.000 g/m²/24h angegeben werden. Die Gramm-Angabe ist mit Vorsicht zu lesen: Ohne Prüfverfahren, Becherlage, Temperatur und Luftfeuchte lässt sie sich mit der Zahl eines anderen Herstellers nicht vergleichen.

Entrant gegen PTFE und Dermizax: was wofür besser ist

Gegenüber gerecktem PTFE ist mikroporöses Polyurethan das günstigere und mechanisch weichere Material. PTFE ist chemisch außerordentlich beständig und lässt sich von Ölen und Salzen kaum angreifen; Polyurethan altert durch Hydrolyse. Dafür ist eine Polyurethanbeschichtung dehnbarer, leiser und erheblich einfacher herzustellen — kein Recken, kein Spezialverfahren, kein Fluorpolymer.

Gegenüber der porenlosen Dermizax desselben Hauses tauscht Entrant die Unempfindlichkeit gegen Verstopfen gegen einen Vorteil beim Dampftransport unter ungünstigen Bedingungen: Weil der Dampf als Gas strömt und nicht erst gelöst werden muss, braucht die mikroporöse Schicht ein geringeres Dampfdruckgefälle. Bei milder Außentemperatur und mäßiger Anstrengung ist das spürbar.

Und gegenüber einer einfachen, nicht porösen Polyurethanbeschichtung, wie sie in günstiger Regenkleidung steckt, liegt der Unterschied gerade in der Porenstruktur: Eine dichte PU-Schicht ist wasserdicht und so gut wie nicht dampfdurchlässig. Was eine Beschichtung atmungsaktiv macht, ist die Nasskoagulation, nicht das Polyurethan.

Pflege: warum Weichspüler die Entrant-Poren verstopft

Für mikroporöse Beschichtungen ist Waschen keine Belastung, sondern Wartung. Was die Durchlässigkeit kostet, sind Ablagerungen in den Poren — und die lassen sich auswaschen. Mildes Flüssigwaschmittel, niedrige Temperatur, gründlich spülen. Weichspüler ist hier besonders schädlich, weil er genau das macht, was die Poren verstopft: einen Film hinterlassen.

Was die Beschichtung dauerhaft altern lässt, ist Hydrolyse. Wasser spaltet die Bindungen im Polyurethan, Wärme und Salze beschleunigen das, und Schweiß liefert beides. Das klassische Schadensbild ist eine Innenseite, die nach Jahren klebrig wird und sich in Flocken ablöst. Dagegen hilft nichts außer trockener Lagerung — nie feucht zusammengerollt, nie im warmen Kofferraum über den Sommer.

Entrant kaufen: zwei Fragen an das Datenblatt

Beim Kauf lohnen zwei Fragen. Erstens, ob es sich um eine beschichtete oder laminierte Ausführung handelt: Beschichtungen sind dünner, günstiger und können nicht delaminieren, laminierte Aufbauten sind gleichmäßiger und meist langlebiger. Zweitens, ob neben der Wassersäule auch eine Zahl zur Durchlässigkeit samt Prüfverfahren genannt wird. Steht keines dabei, ist die Zahl nur innerhalb der Produkte desselben Herstellers aussagekräftig — worauf bei der fertigen Jacke sonst zu achten ist, steht im Ratgeber zur Funktionsjacke.

Warum Entrant im deutschsprachigen Raum wenig bekannt ist

Für ein Material, das seit 1980 produziert wird, ist Entrant hierzulande erstaunlich unsichtbar. Das hat zwei Gründe. Zum einen betreibt Toray keine Verbrauchermarke in dem Sinne, wie Gore es tut: Es gibt kein Etikett, das an jedem verarbeiteten Kleidungsstück hängen müsste, und keine Lizenzvorschriften, die Marken zur Nennung zwingen. Viele Jacken mit Entrant-Beschichtung laufen deshalb unter dem Hausnamen der Bekleidungsmarke.

Zum anderen liegt der Schwerpunkt der Linie im asiatischen Markt und in Bereichen, die hier weniger sichtbar sind — Regenbekleidung für Beruf und Alltag, Angelbekleidung, Arbeitsschutz. Genau dort spielt eine günstige, robuste Beschichtung ihre Stärke aus, während im Bergsport die Laminate dominieren.

Praktisch heißt das: Wer Entrant auf einem Etikett findet, hat es mit einem seit über vier Jahrzehnten weiterentwickelten Industriematerial zu tun und nicht mit einer Hausmarke ohne Substanz. Umgekehrt sagt das Fehlen des Namens nichts — eine mikroporöse Polyurethanbeschichtung nach demselben Verfahren steckt in sehr vielen Jacken, nur eben unter anderer Bezeichnung oder ganz ohne.

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