Zum Inhalt springen

Dermizax Funktionsmaterial

Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Dermizax ist eine porenlose Funktionsmembran aus Polyurethan, entwickelt und hergestellt vom japanischen Konzern Toray Industries. Toray beschreibt sie als „the original Japanese waterproof and breathable fabric technology“ — also als die japanische Antwort auf die amerikanische und europäische Membranentwicklung.

Dieser Satz vorweg, weil er regelmäßig falsch wiedergegeben wird: Dermizax stammt nicht von einer Bekleidungsmarke. Bergans, Ortovox und andere verarbeiten die Membran, sie entwickeln sie nicht. Toray ist ein Chemie- und Textilkonzern, der den Werkstoff herstellt und an Bekleidungshersteller liefert — vergleichbar der Rolle von Gore gegenüber den Jackenmarken.

TorayHersteller, Japan
porenloskeine Löcher, Transport durch das Material
Polyurethandas Membranpolymer
20.000 mmWassersäule nach Herstellerangabe

Wie Dermizax Feuchtigkeit ohne eine einzige Pore abführt

Dermizax ist ein geschlossener Polyurethanfilm ohne Poren. Der Wasserdampf wandert nicht durch Kanäle, sondern durch das Polymer selbst. Toray beschreibt das Prinzip so: In der Membran seien hydrophobe und hydrophile Molekülbausteine kombiniert, und die hydrophilen Anteile mit starker Affinität zu Wasser transportierten die Feuchtigkeit nach außen.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Membranen

Mit Poren oder ohne

Beide Bauarten halten Wasser zurück und lassen Dampf durch — auf völlig verschiedenen Wegen. Die eine hat Öffnungen, die zu klein für einen Tropfen und groß genug für ein Dampfmolekül sind. Die andere hat überhaupt keine.

Mikroporös

Gewundene Kanäle durch die Folie

Stark vergrößerter Querschnitt durch eine mikroporöse Membran: Gewundene Kanäle ziehen sich durch die Folie, oben liegt ein Wassertropfen, der um ein Vielfaches größer ist als die Öffnungen. Tropfen bleibt oben gewundene Kanäle

Der Dampf findet durch die Kanäle hindurch. Der Tropfen ist zu groß für sie und bleibt liegen — solange die Kanäle nicht durch Schmutz oder Öl belegt sind.

Im Gebrauch
Atmet schnell, reagiert empfindlich auf Verschmutzung

Porenlos

Geschlossene Folie

Stark vergrößerter Querschnitt durch eine porenlose Membran: Die Folie ist vollkommen geschlossen, im Inneren sind nur Molekülketten angedeutet; der Wassertropfen oben dringt nicht ein. keine Öffnung

Es gibt keine Öffnung. Der Dampf wird an der Innenseite gebunden, wandert durch das Material und tritt außen wieder aus — getrieben vom Feuchteunterschied.

Im Gebrauch
Unempfindlich gegen Schmutz, braucht ein Gefälle

Daraus folgt der Unterschied im Gebrauch: Die mikroporöse Membran arbeitet sofort, verliert aber Leistung, wenn ihre Kanäle zusetzen — deshalb das Waschen. Die porenlose braucht ein Feuchtegefälle und kommt bei geringer Anstrengung kaum in Gang, altert dafür unempfindlicher.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Physikalisch läuft das in drei Schritten ab. Auf der warmen, feuchten Innenseite lagert sich Wasser an die wasseranziehenden Kettenabschnitte an. Von dort wandert es entlang dieser Abschnitte durch den Film — ein Platzwechsel von Molekül zu Molekül. Auf der kühlen Außenseite verdunstet es. Der Antrieb ist dabei nicht die Bewegung des Trägers, sondern allein der Unterschied im Wasserdampfdruck zwischen beiden Seiten. Je größer dieser Unterschied, desto schneller der Transport — weshalb die Membran bei Anstrengung und Kälte am besten arbeitet und bei schwüler Wärme am schlechtesten.

Dasselbe Prinzip nutzt Sympatex, dort allerdings mit einem Polyetherester statt mit Polyurethan. Der Unterschied liegt im Grundpolymer, nicht im Wirkprinzip.

Dermizax EV, NX, DT oder 3D: welche Variante für welchen Einsatz

Toray führt Dermizax in mehreren Ausführungen, die sich im Verhältnis von Dichtigkeit zu Dampfdurchlass und in der Dehnbarkeit unterscheiden. Der Konzern ordnet sie in drei Kategorien — PROTECT, BALANCED und BREATHE —, nennt dabei aber keine Zahlen je Kategorie.

Variantewofür ausgelegtBesonderheit
Dermizaxdie Grundausführungsehr dünn, stark dehnbar
Dermizax EVWandern und Bergsteigennach Toray höhere Feuchtedurchlässigkeit
Dermizax NXextreme Bedingungenbesonders schneller, dynamischer Feuchtetransport
Dermizax DTKleidung ohne Futterweicher Griff auf der Innenseite
Dermizax 3Dstarker Schweißanfalldreidimensionale Struktur

Für alle Varianten nennt Toray eine Wassersäule von 20.000 Millimetern. Das ist ein solider, kein außergewöhnlicher Wert: Er bedeutet, dass eine Wassersäule von 20 Metern Höhe aufgebaut werden muss, bevor an der dritten Stelle Wasser durchtritt. Für Regen reicht das reichlich; die Grenze liegt dort, wo punktuell Druck entsteht — unter einem schweren Rucksackgurt, beim Knien auf nassem Fels, beim Sitzen im Schnee. Für den Dauereinsatz auf dem Weitwanderweg ordnet der Ratgeber zur Trekkingjacke ein, welcher Wert dort sinnvoll ist.

Die Prüfung erfolgt nach ISO 811 beziehungsweise dem gleichwertigen japanischen Verfahren. Streng genommen ist eine Wassersäulenangabe erst dann vergleichbar, wenn auch die Druckanstiegsrate genannt wird — die Norm lässt zwei zu und merkt an, dass die Ergebnisse voneinander abweichen können. Diese Angabe fehlt hier wie bei praktisch allen Herstellern.

Dehnbar ohne Elasthan: woher Dermizax seine Nachgiebigkeit holt

Eine Besonderheit von Dermizax-Laminaten ist die mechanische Dehnbarkeit: Die Stoffe geben nach, ohne dass Elasthan eingewoben wäre. Erreicht wird das über die Garnkonstruktion — stark gedrehte Garne liefern Nachgiebigkeit aus der Garnstruktur selbst, ähnlich wie eine Spiralfeder nachgibt, ohne dass das Metall elastisch wäre.

Das hat zwei Vorteile. Erstens altert die Dehnbarkeit nicht wie bei Elasthan, das durch Hitze, UV-Strahlung und Chlor spröde wird. Zweitens bleibt die Membran selbst beweglich: Ein porenloser Film ist von Natur aus dehnbarer als ein gerecktes PTFE-Gerüst, weil er keine Struktur hat, die beim Dehnen reißen könnte.

Die alte Fassung dieser Seite behauptete, die Textilie lasse sich „auf das Doppelte ihrer Eigenlänge dehnen, ohne dass die Membrane sich vom Stoff löst“. Für die Membran allein nennen Fachquellen eine Dehnbarkeit von bis zu 200 Prozent; dass dabei nichts delaminiert, ist eine Aussage über die Verklebung und müsste eigens geprüft sein. Als Eigenschaft des fertigen Kleidungsstücks ist die Zahl nicht belegt.

2, 2,5 oder 3 Lagen: was der Aufbau aus den 20.000 mm macht

Wie jede Membran wird Dermizax nicht allein verarbeitet, sondern zwischen Trägerschichten laminiert. Beim Zweilagenaufbau sind Oberstoff und Membran verbunden, das Futter hängt lose darunter — leicht, weich, für Alltagsjacken. Beim Zweieinhalblagenaufbau ersetzt ein aufgedruckter Schutz das Futter; das spart Gewicht, ist aber empfindlicher auf der Innenseite. Beim Dreilagenaufbau sind Oberstoff, Membran und ein Innengewirk fest verbunden — die robusteste und langlebigste Variante, die man bei Hardshelljacken findet. Die Einzelheiten stehen beim Lagenaufbau.

Für den Dampftransport ist der Aufbau fast so wichtig wie die Membran. Jede zusätzliche Schicht ist ein weiterer Widerstand, und ein lose hängendes Futter kann Feuchtigkeit festhalten, statt sie weiterzugeben. Eine Angabe wie „20.000 mm“ beschreibt deshalb die Membran, nicht das Verhalten der Jacke.

Pflege: warum feucht gelagertes Polyurethan sich selbst zersetzt

Polyurethan altert durch Hydrolyse: Wasser spaltet die Esterbindungen im Polymer, und Wärme sowie Salze beschleunigen das. Schweiß enthält Natriumchlorid, also genau einen solchen Beschleuniger. Daraus folgt die wichtigste Pflegeregel überhaupt: nicht feucht zusammengerollt lagern, sondern trocken aufhängen. Ein Kleidungsstück, das jahrelang feucht im Rucksack steckt, verliert seine Membran von innen heraus — sichtbar als Delamination, als Blasenbildung oder als klebrige Innenseite.

Waschen schadet dagegen nicht, sondern hilft: Schmutz und Hautfette auf dem Oberstoff setzen die wasserabweisende Ausrüstung außer Kraft, der Stoff saugt sich voll, und dann fehlt der Membran das Dampfdruckgefälle. Die Jacke fühlt sich innen nass an, obwohl sie dicht ist. Mildes Waschmittel ohne Weichspüler, niedrige Temperatur, gründlich spülen, danach vorsichtig Wärme zum Reaktivieren der Imprägnierung — wie es der Ratgeber zur Regenjacke Schritt für Schritt beschreibt.

Die funktionale Grenze ist dieselbe wie bei allen porenlosen Membranen: Es gibt keinen Luftaustausch. Bei hohem Schweißanfall und geringem Temperaturunterschied kommt der Transport an seine Kapazitätsgrenze, und die Innenseite wird klamm. Das ist kein Defekt, sondern Physik.

Dermizax, Entrant oder PTFE: was die drei konkret unterscheidet

Toray führt zwei Wetterschutztechniken nebeneinander, und sie beruhen auf gegensätzlichen Prinzipien. Entrant, die ältere Linie aus dem Jahr 1980, ist eine mikroporöse Polyurethanbeschichtung: Sie hat Löcher, durch die der Dampf strömt. Dermizax ist der porenlose Gegenentwurf desselben Hauses. Wer beide Namen findet, hat es also nicht mit zwei Leistungsstufen zu tun, sondern mit zwei Bauarten.

Gegenüber den PTFE-Membranen ist der Unterschied ähnlich gelagert. Gerecktes PTFE ist mikroporös und erreicht seine Dampfdurchlässigkeit über eine extrem feine Porenstruktur; es ist chemisch außerordentlich beständig und lässt sich kaum von Fetten oder Salzen angreifen. Dafür braucht es in der Regel eine zusätzliche Schutzschicht, weil es gegen Öle und Tenside empfindlich ist, und es ist nicht nennenswert dehnbar.

Dermizax nimmt dagegen in Kauf, dass Polyurethan durch Hydrolyse altert, und gewinnt dafür Dehnbarkeit, geringes Gewicht und Unempfindlichkeit gegen Verstopfen. Welche der beiden Bauarten die bessere ist, lässt sich deshalb nicht allgemein beantworten — die Frage ist, ob eine Jacke eher mechanisch beansprucht oder eher feucht und warm gelagert wird.

Inhalt

Gefällt dir, was du hier liest?

Teilen-Bild zu Dermizax: von Toray, nicht von Bergans | Outdoorberater

Gefällt dir, was du hier liest?

Wir stecken viel Arbeit in outdoorberater.de — gemessene Angaben statt Werbesprüche, keine Bezahlschranke, keine Werbeflut. Wenn dir das hilft, ist Weiterempfehlen die schönste Art, Danke zu sagen. Jedes Teilen hilft anderen, uns zu finden, und hält das Projekt am Leben.

Zurück zum Seitenanfang