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Pertex Microlight Funktionsmaterial

Gewebe & Oberstoffe Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Pertex Microlight ist ein leichtes Gewebe aus feinem Polyamid-Multifilamentgarn und war ab 1986 über Jahre der Maßstab für leichte Oberstoffe. Es sitzt dort, wo ein Gewebe sehr wenig wiegen, aber trotzdem Daunen zurückhalten und Wind abhalten muss: in Daunenjacken, Schlafsäcken und Windjacken. Nach Herstellerangabe liegt das Flächengewicht unter 45 g/m².

unter 45 g/m²Flächengewicht nach Herstellerangabe
1986Jahr der Einführung
Heißkalandrierungdas Verfahren, das daunendicht macht
MultifilamentGarnform — viele feine Einzelfäden statt eines dicken

Eine Weberei, die Farbbänder herstellte

Die Herkunft des Materials erklärt seine Eigenschaften besser als jede Produktbeschreibung. Die Perseverance Mill Co. Ltd. wurde 1901 in Lancashire gegründet und webte zunächst Baumwolltücher für den indischen Markt. Zwischen 1914 und 1929 kamen Flugzeug- und Luftschiffgewebe dazu — und Farbbänder für Schreibmaschinen. 1964 stellte das Unternehmen diese Bänder von Baumwolle auf Nylongarn um.

Ein Farbband ist ein extrem dicht gewebtes, extrem gleichmäßiges und extrem dünnes Textil; es muss Tinte halten und darf trotzdem nicht reißen, wenn der Typenhebel darauf schlägt. Genau dieses Können — sehr feine Filamentgarne sehr dicht zu verweben — war die Grundlage, auf der 1979 Pertex entstand. Die Marke ist also kein Chemieprodukt, sondern eine Webtechnik.

Den Anstoß gab 1978 der Bergsteiger Hamish Hamilton, dem auffiel, wie sich Kondenswasser über die Außenhaut eines Vango-Force-10-Zeltes verteilte, statt dort stehen zu bleiben, wo es entstanden war. Er erkannte darin die Kapillarwirkung und brachte den Gedanken in die Weberei. 1986 wurde Microlight als leichtestes Gewebe der Reihe eingeführt.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Oberstoff

Warum keine Daune durchkommt

Ein Daunenoberstoff hat eine Aufgabe, die mit Wetterschutz nichts zu tun hat: Er muss die Füllung halten. Das entscheidet sich allein über die Dichte des Gewebes.

Ein sehr fein gewebter Oberstoff, an einer Seite angehoben: Darunter drücken kugelige Daunenflocken gegen den Stoff, die Oberseite bleibt vollkommen glatt.
  1. Sehr dicht gewebt

    Die Fäden liegen so eng, dass zwischen ihnen praktisch kein offener Zwischenraum bleibt. Die Webstruktur ist nur noch als zartes Relief zu erkennen.

  2. Die Daunen drücken an

    Von innen schiebt die Füllung gegen den Stoff — beim Packen, beim Schütteln, bei jeder Bewegung. Genau dieser Druck sucht jede Lücke im Gewebe.

  3. Nichts steckt durch

    Die Oberseite bleibt sauber. Hält ein Oberstoff nicht dicht, arbeiten sich zuerst einzelne Härchen durch, dann ganze Flocken — und die Füllmenge nimmt ab.

  4. Die lose Flocke

    Eine Daune hat keinen Kiel: Von einem winzigen Kern gehen weiche Äste in alle Richtungen ab. Sie ist deshalb viel feiner als eine Feder — und stellt an das Gewebe höhere Ansprüche.

Daunendichtheit kommt aus der Webdichte, nicht aus einer Beschichtung. Das ist der Grund, warum Daunenoberstoffe so dünn und zugleich so fein sind: Jedes zusätzliche Gramm Stoff müsste mitgetragen werden, jede offene Stelle kostet Füllung.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Was die Kapillarwirkung leistet — und was nicht

Das Prinzip hinter Pertex ist nicht Atmungsaktivität im Sinne einer Membran, sondern Flächenvergrößerung. Ein Multifilamentgarn aus Polyamid besteht aus vielen sehr feinen Einzelfilamenten. Zwischen ihnen entstehen enge Kanäle, in denen flüssiges Wasser durch Kapillarkräfte weitergezogen wird — gegen die Schwerkraft und in alle Richtungen.

Ein Schweißtropfen, der auf die Innenseite trifft, bleibt dadurch nicht als Tropfen liegen, sondern verteilt sich auf eine viel größere Fläche. Und weil die Verdunstungsrate mit der benetzten Fläche steigt, trocknet dasselbe Wasser schneller weg. Der Effekt betrifft flüssiges Wasser; Wasserdampf wandert zusätzlich durch die Poren des Gewebes, die bei einem so dichten Stoff klein, aber vorhanden sind.

Daraus folgt eine wichtige Einschränkung: Pertex Microlight ist kein Wetterschutz im Sinne einer Hardshell. Es hält Wind weitgehend ab und perlt dank DWR-Ausrüstung leichten Nieselregen ab, aber es hat keine Wassersäule, die diesen Namen verdient. Wer länger im Regen steht, braucht eine Regenjacke darüber.

Kalandrieren: die Technik aus der Fallschirmfertigung

Dicht weben allein genügt nicht, um Daunen zurückzuhalten. Die Federkiele feiner Daunen finden jede Lücke zwischen zwei Fäden. Pertex löst das mit Heißkalandrierung — einem Verfahren, das das Unternehmen nach eigener Darstellung aus der Herstellung von Fallschirmkappen übernommen hat.

Beim Kalandrieren läuft die Warenbahn zwischen beheizten Walzen unter hohem Druck hindurch. Das Gewebe wird dabei flachgedrückt, die runden Filamente verformen sich leicht, und die verbleibenden Zwischenräume werden kleiner. Das Ergebnis ist ein glatteres, dichteres Gewebe, ohne eine einzige Schicht Beschichtung.

Dieser Unterschied ist praktisch relevant. Eine Beschichtung wiegt, verschließt den Stoff für Wasserdampf und altert durch Hydrolyse. Ein kalandriertes Gewebe bleibt ein Gewebe: Es bleibt luftdurchlässig genug, um Feuchtigkeit entweichen zu lassen, und es hat keine Schicht, die sich ablösen kann. Dafür lässt die Daunendichtigkeit nach, wenn das Gewebe über Jahre mechanisch beansprucht und gewaschen wird.

Wo Microlight sitzt: Schlafsack, Daunenjacke, Windjacke

Drei Produktgruppen prägen den Einsatz. Im Daunenschlafsack bildet Microlight Außen- und oft auch Innenhülle; dort zählt neben der Daunendichtigkeit vor allem, dass sich das Gewebe weich anfühlt und beim Umdrehen nicht laut raschelt. In der Daunenjacke sitzt es dort, wo das Stück auch als Außenlage getragen wird und deshalb mehr aushalten muss als ein 30-Gramm-Gewebe. Und im Windbreaker ohne jede Füllung dient es als reine Hülle gegen Zugluft, die sich auf Faustgröße zusammenlegen lässt.

In allen drei Fällen ist das Gewebe das leichteste Bauteil des Produkts und zugleich dasjenige, das zuerst verschleißt. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern eine bewusste Entscheidung: Jedes Gramm, das in einen widerstandsfähigeren Oberstoff ginge, fehlt bei der Füllung — und die Füllung ist es, die wärmt.

Pertex Microlight oder Quantum: was wofür

Innerhalb der Marke ist Pertex Quantum der direkte Nachfolger im leichteren Segment: 2005 eingeführt und nach Herstellerangabe unter 30 g/m² — der Unterschied im Flächengewicht beträgt damit rund ein Drittel. Microlight ist entsprechend robuster und steifer im Griff, Quantum weicher und leiser. In vielen Katalogen stehen beide nebeneinander — Quantum in der Isolationsjacke, Microlight dort, wo dieselbe Jacke auch einen Rucksack tragen soll.

Gegen ein beschichtetes Nylongewebe gleicher Feinheit verliert Microlight beim Regenschutz und gewinnt beim Klima: Weil nichts die Poren verschließt, staut sich unter einer Microlight-Hülle deutlich weniger Feuchtigkeit als unter einer dünn beschichteten. Das ist der Grund, warum das Material im Schlafsack so verbreitet ist — dort ist jede Dampfbremse direkt über der Daune ein Problem.

Warum Microlight unter Rucksackträgern nachgibt

Die Grenze eines Gewebes unter 45 g/m² ist die mechanische. Ein so dünner Stoff hält Zug erstaunlich gut aus, aber er verzeiht keine Punktbelastung: ein Ast, ein Steigeisenzacken, eine scharfe Felskante. Reißt er einmal ein, läuft der Riss weiter, sofern kein Ripstop-Gitter ihn stoppt. Auch Scheuern unter Rucksackträgern setzt dem Material zu — nicht durch Durchreiben, sondern weil die Kalandrierung an diesen Stellen nachlässt und Federn durchzukommen beginnen.

In der Pflege gilt das Gegenteil dessen, was man einem technischen Material zutraut: Microlight verträgt Waschen gut, solange keine Weichspüler verwendet werden, denn die setzen die Kapillarwirkung herab und machen aus dem schnell verteilenden Gewebe eines, das Wasser stehen lässt. Die wasserabweisende Ausrüstung wird mit einem Pflegemittel erneuert, nicht mit Wachs oder Silikonspray — für gefüllte Produkte gilt zusätzlich, was unter Pflege des Schlafsackes steht.

Woran man ein gutes Microlight-Produkt erkennt

Beim Kauf ist die wichtigste Frage nicht, ob Pertex drinsteckt, sondern welches und wo. Hersteller kombinieren häufig ein leichteres Gewebe an Rumpf und Ärmelinnenseiten mit einem schwereren an Schultern und Oberarmen. Steht im Datenblatt nur ein einziger Oberstoff, ist die Jacke entweder konsequent leicht gebaut oder konsequent sparsam beschrieben.

Zweitens lohnt der Griff. Kalandriertes Gewebe fühlt sich glatt und leicht papierartig an und raschelt dabei etwas; ein beschichtetes Gewebe fühlt sich gummiartiger an und knistert anders. Drittens die Nähte: Bei daunengefüllten Produkten entscheidet die Nahtführung mehr über den Federverlust als der Stoff: enge Stichdichte, feine Nadeln und durchgehende Kammern sind das Qualitätsmerkmal, auf das es ankommt. Wie diese Kammern gebaut sein müssen, führt der Ratgeber zu den Füllkammern aus.

Und schließlich die Angabe selbst: Ein Hersteller, der „Pertex“ schreibt und offenlässt, welches Gewebe gemeint ist, sagt damit nichts. Die Marke umfasst heute Dutzende Qualitäten von der Windjacke bis zum wasserdichten Laminat; zwischen Microlight und einem Pertex-Shield-Laminat liegen Welten.

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