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Sympatex Funktionsmaterial

Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Sympatex ist die bekannteste porenlose Wetterschutzmembran im europäischen Markt und damit der direkte Gegenentwurf zu den PTFE-Membranen. Sie besteht aus Polyetherester, einem Blockcopolymer, in dem sich Polyester- und Polyether-Einheiten abwechseln, und sie hat keine Löcher. Hergestellt wird sie von der Sympatex Technologies GmbH mit Sitz bei München; das Unternehmen gehört seit Januar 2018 der Familie Otto.

Wer verstehen will, warum sich Sympatex anders verhält als GORE-TEX, muss nur diesen einen Punkt verstehen: Es gibt nichts, wodurch etwas hindurchströmen könnte.

0Poren in der Membran
> 45.000 mmWassersäule nach Herstellerangabe
ab 5 µmMembrandicke nach Herstellerangabe
bis 300 %Dehnbarkeit nach Herstellerangabe

Wie ein Dampf durch einen geschlossenen Film kommt

Eine mikroporöse Membran arbeitet mechanisch: Sie hat verzweigte Kanäle, die zu eng für einen Wassertropfen und weit genug für ein Wasserdampfmolekül sind. Der Dampf wandert als Gas hindurch. Das ist anschaulich, hat aber zwei eingebaute Schwächen — die Poren können sich mit Hautfett, Waschmittelrückständen und Schmutz zusetzen, und ein Teil der Luft geht denselben Weg.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Membranen

Mit Poren oder ohne

Beide Bauarten halten Wasser zurück und lassen Dampf durch — auf völlig verschiedenen Wegen. Die eine hat Öffnungen, die zu klein für einen Tropfen und groß genug für ein Dampfmolekül sind. Die andere hat überhaupt keine.

Mikroporös

Gewundene Kanäle durch die Folie

Stark vergrößerter Querschnitt durch eine mikroporöse Membran: Gewundene Kanäle ziehen sich durch die Folie, oben liegt ein Wassertropfen, der um ein Vielfaches größer ist als die Öffnungen. Tropfen bleibt oben gewundene Kanäle

Der Dampf findet durch die Kanäle hindurch. Der Tropfen ist zu groß für sie und bleibt liegen — solange die Kanäle nicht durch Schmutz oder Öl belegt sind.

Im Gebrauch
Atmet schnell, reagiert empfindlich auf Verschmutzung

Porenlos

Geschlossene Folie

Stark vergrößerter Querschnitt durch eine porenlose Membran: Die Folie ist vollkommen geschlossen, im Inneren sind nur Molekülketten angedeutet; der Wassertropfen oben dringt nicht ein. keine Öffnung

Es gibt keine Öffnung. Der Dampf wird an der Innenseite gebunden, wandert durch das Material und tritt außen wieder aus — getrieben vom Feuchteunterschied.

Im Gebrauch
Unempfindlich gegen Schmutz, braucht ein Gefälle

Daraus folgt der Unterschied im Gebrauch: Die mikroporöse Membran arbeitet sofort, verliert aber Leistung, wenn ihre Kanäle zusetzen — deshalb das Waschen. Die porenlose braucht ein Feuchtegefälle und kommt bei geringer Anstrengung kaum in Gang, altert dafür unempfindlicher.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Sympatex arbeitet stattdessen chemisch. Der Vorgang hat drei Schritte: Auf der warmen, feuchten Innenseite wird Wasser von den hydrophilen, also wasseranziehenden Polyether-Abschnitten der Molekülkette gelöst; es wandert entlang dieser Kettenabschnitte durch den Film — ein Platzwechsel von Molekül zu Molekül, keine Strömung; und auf der kühlen, trockenen Außenseite verdunstet es wieder. Der Hersteller beschreibt es als Absorptions- und Verdunstungsprozess.

Die zweite Komponente des Copolymers hat eine andere Aufgabe. Die Polyester-Abschnitte liefern die mechanische Festigkeit und halten den Film zusammen; sie sind nicht wasseranziehend. Aus dieser Arbeitsteilung — Polyether transportiert, Polyester trägt — ergibt sich die Leistung des Materials. Sie lässt sich über das Mischungsverhältnis einstellen, und genau darüber unterscheiden sich die Ausführungen.

Was aus der Porenlosigkeit praktisch folgt

Erstens: Die Membran ist absolut luftdicht. Es gibt keinen Weg für Luft, also auch keinen für Wind. Der Hersteller nennt dafür eine Prüfung nach DIN EN ISO 9237, dem Verfahren für die Luftdurchlässigkeit textiler Flächen.

Zweitens: Sie kann nicht verstopfen. Der verbreitete Einwand gegen mikroporöse Membranen — Poren setzen sich mit der Zeit zu — greift hier nicht, weil es keine Poren gibt — der Hersteller formuliert es so, man verzichte bewusst auf Poren, „die über die Zeit verstopfen könnten“. Das macht die Membran unempfindlicher gegen Verschmutzung und Waschmittelrückstände.

Drittens, und das ist die Kehrseite: Der Transport braucht ein Gefälle. Ohne Unterschied im Wasserdampfdruck zwischen innen und außen wandert nichts. Bei kaltem, trockenem Wetter und wenig Anstrengung arbeitet die Membran deshalb kaum — bei warmer, feuchter Innenseite und kalter Außenseite dagegen sehr gut. Der Hersteller beschreibt das als dynamische Regulierung: Die hydrophilen Moleküle nähmen bei Feuchtigkeit mehr Platz ein. Was dabei passiert, ist physikalisch nachvollziehbar; eine veröffentlichte Messreihe dazu liegt nicht vor.

Was 45.000 mm an der Membran und 20.000 am Laminat heißen

Der Hersteller nennt für die Membran eine Wassersäule von über 45.000 Millimetern. Diese Zahl beschreibt die Membran im Labor, nicht das fertige Kleidungsstück. Für Oberstofflaminate — also die Kombination aus Außenstoff, Membran und gegebenenfalls Futter, aus der eine Jacke besteht — wird ein Wert von über 20.000 Millimetern genannt. Die Differenz ist kein Widerspruch, sondern der normale Unterschied zwischen Bauteil und Bauteilverbund.

AngabeWert nach Herstellerangabeworauf sie sich bezieht
Wassersäule, Membranüber 45.000 mmdie Membran allein
Wassersäule, Laminatüber 20.000 mmOberstofflaminat, also der Jackenstoff
Dickeab 5 µmdünnste Ausführung
Dehnbarkeitbis 300 Prozentdie Membran
Luftdurchlässigkeitwinddicht nach DIN EN ISO 9237Prüfverfahren genannt

Eine Wassersäulenangabe ist streng genommen erst dann vergleichbar, wenn auch die Druckanstiegsrate der Prüfung nach ISO 811 genannt wird — die Norm lässt 10 und 60 Zentimeter pro Minute zu und merkt selbst an, dass die Ergebnisse voneinander abweichen können. Diese Angabe fehlt bei Sympatex wie bei praktisch allen Herstellern.

Umwelt: was belegt ist und was eine Zusage bleibt

Die Membran kommt nach Herstellerangaben ohne PTFE und ohne PFC aus — das Unternehmen selbst spricht heute von PFAS, der weiter gefassten Stoffgruppe, zu der die früher üblichen PFC gehören — und ist zu 100 Prozent recyclingfähig — chemisch dasselbe Prinzip wie bei einer PET-Flasche, weil der Grundbaustein ein Polyester ist. Seit 2021 besteht nach Unternehmensangabe über ein Viertel des Materials aus biobasierten Rohstoffen. Zertifiziert ist das Material nach bluesign und OEKO-TEX STANDARD 100.

Weiter nennt das Unternehmen einen rund dreißigfach geringeren CO₂-Ausstoß und einen um die Hälfte geringeren Wasserfußabdruck gegenüber der PTFE-Herstellung sowie eine vollständige CO₂-Kompensation seit 2017. Diese Zahlen stammen aus der Eigendarstellung; ein veröffentlichtes Prüfgutachten mit Systemgrenzen und Vergleichsobjekt ist nicht zugänglich. Für die Einordnung heißt das: Die Richtung ist plausibel, weil fluorfreie Polyester tatsächlich energieärmer herzustellen sind als gerecktes PTFE — der Faktor selbst ist nicht nachprüfbar.

Pflege: warum Sympatex nicht verstopfen kann

Porenlose Membranen sind pflegeleichter als mikroporöse, weil sich nichts zusetzen kann. Trotzdem gilt für das Kleidungsstück dasselbe wie für jede Hardshell: Die wasserabweisende Ausrüstung der Außenseite ist ein Verschleißteil. Lässt sie nach, saugt sich der Oberstoff voll, und die Membran bekommt kein Dampfdruckgefälle mehr — die Jacke fühlt sich dann innen nass an, obwohl sie dicht ist. Waschen und Nachimprägnieren hilft, wie im Ratgeber Pflege beschrieben; die Membran selbst ist daran unbeteiligt.

Was porenlose Polyester-Copolymere tatsächlich altern lässt, ist Hydrolyse: Esterbindungen werden durch Wasser gespalten, beschleunigt durch Wärme und Salze — und Schweiß enthält Natriumchlorid. Deshalb ist feuchtes, warmes Lagern die schlechteste Behandlung für jede derartige Jacke. Trocken aufhängen statt feucht zusammenrollen verlängert die Lebensdauer mehr als jedes Pflegemittel.

Die funktionale Grenze bleibt der fehlende Luftaustausch. Im Aufstieg, bei hohem Schweißanfall und milder Außentemperatur stößt jede porenlose Membran an dieselbe Wand: Der Dampf kann nur so schnell abwandern, wie das Gefälle es zulässt. Luftdurchlässige Konstruktionen wie NeoShell sind dort im Vorteil, dafür weniger winddicht.

Was an einer Sympatex-Jacke zu prüfen ist

Erstens: Welche Zahl steht da — die der Membran oder die des Laminats? Steht „45.000 mm“ an einer Jacke, ist das die Membranangabe und nicht der Wert des Stoffs, aus dem die Jacke besteht.

Zweitens: Wie ist der Lagenaufbau? Dieselbe Membran in einem Dreilagenlaminat verhält sich anders als in einem Zweilagenaufbau mit loser Futterschicht — robuster, steifer, besser im Dampftransport.

Drittens: Gibt es Belüftungsmöglichkeiten? Weil eine porenlose Membran nur per Diffusion arbeitet, entscheiden Unterarmreißverschlüsse und ein durchgehender Frontzug darüber, ob sich die Jacke bei Anstrengung tragen lässt — bei einer Regenjacke für den Alltag ist das zweitrangig, bei einer Hardshelljacke für den Aufstieg nicht.

Wo Sympatex außerhalb der Bekleidung steckt

Außerhalb der Bekleidung ist die Membran in Wanderschuhen am weitesten verbreitet. Dort hat die Porenlosigkeit einen zusätzlichen praktischen Vorteil: Ein Schuhfutter ist der Ort, an dem sich Schweißsalze, Staub und Abriebpartikel am stärksten ansammeln, und eine Membran ohne Poren bleibt davon weitgehend unberührt. Hinzu kommt, dass ein Schuh ohnehin kaum Luftaustausch zulässt — der Nachteil der Luftdichtigkeit fällt dort gar nicht ins Gewicht. Ob Membran oder Leder die bessere Wahl ist, wägt der Ratgeber Membran oder Leder ab.

Der zweite große Anwendungsbereich ist Berufs- und Einsatzkleidung. Dort zählt weniger die Spitzenleistung an einem einzelnen Tag als die Beständigkeit über viele Waschgänge, und genau das ist die Stärke eines Materials, das sich nicht zusetzt. Dass Sympatex in diesem Segment stark vertreten ist und in der leichten Bergsteigerausrüstung weniger, ist deshalb kein Zufall, sondern folgt direkt aus der Physik des Materials.

Für die Modellpflege hält das Unternehmen eine Reihe von Zusatzausführungen bereit, die unter eigenen Namen laufen und die Grundmembran für bestimmte Einsätze abwandeln — etwa mit reflektierender Schicht, mit verändertem Feuchteverhalten oder mit besonderer Abstimmung für Schuhe. Technisch bleibt es in allen Fällen derselbe porenlose Film; verändert wird, was um ihn herum liegt.

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