DRYEDGE Funktionsmaterial
Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
DRYEDGE ist die hauseigene Wetterschutzmembran des französischen Herstellers Millet. Sie steckt in dessen Jacken, Hosen, Handschuhen und Gamaschen und ersetzt dort, wo kein zugekauftes Laminat verwendet wird, die bekannten Fremdmarken.
Wie bei allen Hausmembranen gilt dabei eine Regel, die man sich vor jedem Vergleich klarmachen sollte: DRYEDGE ist ein Familienname, keine Leistungsangabe. Zwischen der günstigsten und der teuersten Ausführung liegt mehr als der Faktor zwei bei der Dichtigkeit — und beide tragen dasselbe Wort auf dem Etikett. Welche Produktgruppen Millet damit ausstattet, zeigt das Markenporträt.
Was eine Membran von einer Beschichtung unterscheidet
Eine Membran ist eine eigenständig hergestellte Schicht, die anschließend mit dem Oberstoff verklebt wird. Das unterscheidet sie von einer Beschichtung, die flüssig auf den fertigen Stoff aufgetragen wird und dort aushärtet.
Der Unterschied ist nicht akademisch. Weil die Membran für sich entsteht, lässt sie sich gezielt auslegen — dünner, dehnbarer, durchlässiger —, ohne Rücksicht auf das Gewebe, mit dem sie später verbunden wird. Eine Beschichtung ist dagegen immer ein Kompromiss mit ihrer Unterlage. Dafür ist sie günstiger und braucht einen Arbeitsgang weniger.
Beim Dampftransport sind zwei Bauarten üblich. Mikroporöse Membranen haben echte Öffnungen, die zu klein für einen Wassertropfen und groß genug für ein Wasserdampfmolekül sind. Porenlose, hydrophile Membranen haben keine Löcher; der Dampf lagert sich an wasseranziehende Abschnitte der Molekülkette an und wandert von Glied zu Glied hindurch. Der zweite Weg ist unempfindlich gegen Verschmutzung, braucht aber ein deutliches Feuchtegefälle, um überhaupt anzulaufen.

Membranaufbau im Schnitt: 2, 2,5 und 3 Lagen
Alle drei Bauweisen halten mit derselben Membran dicht. Unterschiedlich ist nur, was die Membran auf der Innenseite schützt — und daran hängen Gewicht, Haltbarkeit und Tragegefühl.
2 Lagen
Membran am Oberstoff, Futter lose
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran aufkaschiert
- Innenfutter separat eingenäht, hängt lose
- Dafür
- Futter frei wählbar, auch mit Isolierung kombinierbar
- Dagegen
- Das lose Futter scheuert an der Membran
- Typisch für
- Alltag, Reise, Jacken mit Wattierung
2,5 Lagen
Schutzdruck statt Futter
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran aufkaschiert
- Schutzdruck Raster oder Punkte, keine volle Lage
- Dafür
- Leichteste und kleinste der drei Bauweisen
- Dagegen
- Klebt bei Schweiß auf der Haut, empfindlichste Innenseite
- Typisch für
- Notfalljacke im Rucksack, Laufen, Radfahren
3 Lagen
Alle drei Lagen fest verbunden
- Oberstoff mit Imprägnierung
- Membran einlaminiert
- Trikotfutter fest verbunden
- Dafür
- Keine Reibung zwischen den Lagen, deshalb langlebig
- Dagegen
- Steifer und schwerer, teuerste Bauweise
- Typisch für
- Bergsport, Trekking, dauerhafte Belastung
Die Lagenzahl sagt nichts über die Wassersäule aus — sie beschreibt nur, wie die Membran verbaut ist. Neben diesen drei gibt es die Z-Liner-Bauweise, bei der die Membran frei zwischen Oberstoff und Futter hängt.

Warum die Lagenzahl bei DRYEDGE mehr sagt als die Wassersäule
Millet baut DRYEDGE in allen drei gängigen Konstruktionen, und der Lagenaufbau sagt über ein Kleidungsstück oft mehr aus als die Wassersäule.
Bei zwei Lagen sind Oberstoff und Membran verbunden, das Futter hängt frei darunter. Das ist angenehm zu tragen und robust, weil das lose Futter die Membran schützt, aber es wiegt mehr und packt größer. Bei zweieinhalb Lagen entfällt das Futter und wird durch ein aufgedrucktes Raster auf der Membran ersetzt, das sie vor Hautfett und Salz schützt — leicht, klein packbar, innen etwas klamm im Griff. Bei drei Lagen sind Oberstoff, Membran und ein dünnes Innengewebe zu einem einzigen Verbund verklebt; das ist die haltbarste und teuerste Bauweise und die, die unter einem Rucksack am längsten durchhält — wie es der Ratgeber zur Hardshelljacke im Einzelnen begründet.
Millet verschweißt nach eigener Angabe sämtliche Nähte der DRYEDGE-Produkte. Das ist weniger selbstverständlich, als es klingt: Eine Naht ist eine Reihe von Löchern durch das wasserdichte Material, und ohne aufgeschweißtes Band ist jede davon eine Eintrittsstelle. Mehr dazu unter Nähte.
Welche DRYEDGE-Ausführung für welchen Einsatz gebaut ist
Die folgende Übersicht nennt nur die Wassersäule, weil für sie mit ISO 811 ein einheitliches Verfahren existiert. Die vom Hersteller daneben genannten Dampfdurchsatzwerte fehlen hier bewusst — warum, steht im nächsten Abschnitt.
| Ausführung | Aufbau | Wassersäule | Gedacht für |
|---|---|---|---|
| DRYEDGE Krypton 2L | 2 Lagen | 8.000 mm | Alltag und leichte Touren, baumwollähnlicher Griff |
| DRYEDGE Roc 2L | 2 Lagen | Herstellerangabe ohne Zahl | Klettern |
| DRYEDGE Heather 2L | 2 Lagen | 10.000 mm | Freeride, zweifarbig gewebte Oberfläche |
| DRYEDGE Herringbone 2L | 2 Lagen | 10.000 mm | Alltag, Fischgratbindung im Oberstoff |
| DRYEDGE Stretch 10.000 2L | 2 Lagen, dehnbar | 10.000 mm | Freeride mit Bewegungsbedarf |
| DRYEDGE 2,5L | 2,5 Lagen | 10.000 mm | leichte Regenjacken zum Mitnehmen |
| DRYEDGE Stretch 20.000 2L | 2 Lagen, dehnbar | 20.000 mm | Regenjacken und Regenhosen |
| DRYEDGE 3L | 3 Lagen | 20.000 mm | Hardshells für dauerhafte Belastung |
Die Zusatznamen beschreiben dabei überwiegend den Oberstoff, nicht die Membran. „Herringbone" ist die Fischgratbindung, in der das Gewebe gewebt ist, „Heather" bezeichnet die zweifarbig melierte Optik, „Stretch" steht für ein dehnbares Gewebe. Die Membran dahinter ist in mehreren dieser Varianten dieselbe — unterschiedlich ist, worauf sie kaschiert wurde. Für die leichteren Ausführungen, die zusammengefaltet im Gepäck auf Regen warten, lohnt der Blick in den Ratgeber zur Regenjacke.
Warum die Dampfdurchsatzzahlen von DRYEDGE hier fehlen
Millet nennt zu jeder Ausführung ein Zahlenpaar, dessen zweite Hälfte den Dampfdurchsatz angibt — 10.000, 20.000 oder 30.000 g/m²/24h. Diese Zahlen stehen in diesem Artikel nicht, und zwar aus einem sachlichen Grund: Es wird kein Prüfverfahren dazu genannt.
Für den MVTR-Wert existieren mehrere gebräuchliche Verfahren, die sich im Aufbau grundlegend unterscheiden: Bei dem einen steht die Probe über Wasser, bei dem anderen über einem Trockenmittel, bei wieder einem anderen wird sie beheizt. Dieselbe Membran erreicht je nach Methode Werte, die um den Faktor zehn auseinanderliegen können. Ein Zahlenpaar wie „20K/20K" sieht deshalb nach Symmetrie aus, ist aber in seiner zweiten Hälfte nicht vergleichbar — weder mit einer anderen Marke noch mit einer anderen Ausführung desselben Hauses, wenn das Verfahren wechselt.
Belastbarer ist der RET-Wert nach ISO 11092, der an einem beheizten Modell gemessen wird und Vergleichbarkeit herstellt. Ihn veröffentlicht Millet für DRYEDGE nicht. Was die verschiedenen Verfahren im Einzelnen tun, steht auf der Normseite zu Wassersäule und Atmungsaktivität.
Warum die Wassersäule nach ISO 811 trotzdem brauchbar ist
Bei der Wassersäule ist die Lage besser. ISO 811 ist das branchenübliche Verfahren, der Druckaufbau ist mit zehn Zentimetern je Minute festgelegt, und gemessen wird, bei welchem Druck der dritte Wassertropfen auf der Rückseite erscheint. Die Zahlen verschiedener Hersteller sind damit grundsätzlich vergleichbar.
Was sie nicht leisten: eine Aussage über das fertige Kleidungsstück. Geprüft wird ein Stück Stoff, nicht eine Jacke mit Nähten, Reißverschlüssen und Taschen. Und eine Schwelle, ab der etwas „wasserdicht" heißen darf, enthält die Norm nicht — die in Deutschland verbreiteten 1.300 Millimeter stammen aus einer anderen Regelung. Praktisch gilt: Unter einem Rucksackgurt und beim Sitzen auf nassem Fels wirken Drücke, bei denen 8.000 Millimeter knapp werden und 20.000 Reserve haben — für das Beinkleid gilt das verschärft, siehe Regenhose.
DWR: warum fast jede „undichte“ DRYEDGE-Jacke gar nicht undicht ist
Jede wasserdichte Jacke trägt zusätzlich eine DWR-Ausrüstung auf dem Oberstoff, und deren Zustand entscheidet im Alltag oft mehr als die Membran darunter. Saugt sich das Außengewebe mit Wasser voll, bricht der Dampftransport zusammen: Die kalte, nasse Außenlage bildet eine Sperre, der Dampf von innen kondensiert davor, und die Jacke wird innen nass, obwohl nichts durchgedrungen ist.
Millet gibt für DRYEDGE-Produkte eine PFC-freie Ausrüstung an. Das ist inzwischen kein Alleinstellungsmerkmal mehr, sondern folgt dem regulatorischen Druck auf diese Stoffgruppe — was dazu gilt, steht auf der Normseite zu PFAS in Outdoorausrüstung. Praktisch wichtig ist die Folge: PFC-freie Ausrüstungen halten kürzer und müssen häufiger aufgefrischt werden.
Pflege: warum Vollwaschmittel die DWR außer Kraft setzt
Gewaschen wird mit einem Spezialwaschmittel für Funktionstextilien, bei dreißig bis vierzig Grad, ohne Weichspüler. Vollwaschmittel hinterlässt Tenside im Gewebe, die Wasser anziehen und die DWR-Wirkung aufheben; Weichspüler legt sich als Film auf die Fasern. Beides führt genau zu dem Effekt, der für Undichtigkeit gehalten wird.
Die Ausrüstung wird nach dem Waschen aufgefrischt, auf dem sauberen Stoff, und anschließend mit Wärme aktiviert — im Trockner bei niedriger Temperatur oder mit dem Bügeleisen über einem Tuch. Gelagert wird hängend und trocken. Das ist bei Membranlaminaten weniger kritisch als bei Beschichtungen, aber der Klebstoff zwischen den Lagen ist ebenfalls angreifbar, und eine feucht zusammengerollte Jacke im warmen Schrank arbeitet gegen ihre eigene Haltbarkeit.




