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Erfrierung: örtlicher Kälteschaden an Fingern und Zehen

Physik & Klima Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

Eine Erfrierung ist eine örtliche Gewebeschädigung durch Gefrieren. Betroffen sind zuerst die Körperteile, die weit vom Rumpf entfernt liegen und eine große Oberfläche im Verhältnis zu ihrem Volumen haben: Finger, Zehen, Nasenspitze, Ohren, Wangen. Dass gerade sie zuerst leiden, hat einen zusätzlichen Grund — bei Kälte drosselt der Körper ihre Durchblutung, um den Kern zu schützen.

Abzugrenzen ist sie von der Hypothermie: Diese betrifft den ganzen Körper und seinen Kern, die Erfrierung eine begrenzte Stelle. Beides kann gemeinsam auftreten, bedingt einander aber nicht.

4 Gradeübernommen aus der Verbrennungslehre
2 StufenEmpfehlung für die Beurteilung im Gelände
37 bis 39 °CWassertemperatur zur Wiedererwärmung
2024letzte Aktualisierung der WMS-Leitlinie

Die vier Grade — und warum sie im Gelände nicht helfen

Die klassische Einteilung folgt dem Muster der Verbrennungsgrade:

Diese Einteilung ist rückblickend nützlich, im Moment des Geschehens aber kaum anwendbar. Der Grund ist einfach: Solange das Gewebe gefroren ist, sieht jede Erfrierung ähnlich aus — blass, hart, gefühllos. Blasen, Farbe und Tiefe zeigen sich erst nach dem Auftauen, oft erst nach Stunden bis Tagen.

Deshalb empfiehlt die Leitlinie der Wilderness Medical Society für die Beurteilung im Feld — nach der Wiedererwärmung, aber vor einer Bildgebung — eine Einteilung in nur zwei Stufen: oberflächlich, mit keinem oder minimalem zu erwartenden Gewebeverlust, entsprechend Grad I und II; und tief, entsprechend Grad III und IV.

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Vier Wege, auf denen Wärme verlorengeht

Wärme verlässt den Körper auf vier physikalisch verschiedenen Wegen — und sie tun es gleichzeitig. Welcher überwiegt, hängt von der Lage ab, und dagegen hilft jeweils etwas anderes. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, was eine kalte Nacht wärmer macht.

Längsschnitt durch einen schlafenden Menschen im Schlafsack auf einer Isomatte: unten der kalte Erdboden, darüber die Matte, darauf der Schlafsack mit Daunenfüllung und der liegenden Silhouette darin, oben der Nachthimmel.
  1. Konduktion — nach unten in den Boden

    Wo der Körper aufliegt, ist die Füllung zusammengedrückt und leitet. Der Boden ist der größte Wärmeabnehmer der Nacht. Dagegen hilft nur die Matte — der R-Wert, nicht der Schlafsack.

  2. Konvektion — seitlich mit der Luft

    Warme Luft strömt aus jeder Öffnung ab und kalte nach. Deshalb wirken Wärmekragen und Kapuzenzug: Sie schließen die Stelle, an der die Strömung entsteht.

  3. Strahlung — nach oben in den Himmel

    Jeder Körper strahlt Wärme ab, auch durch die Luft hindurch. Unter klarem Nachthimmel ist das messbar — ein Tarp oder Zeltdach darüber bricht diesen Weg, ohne zu dämmen.

  4. Verdunstung — mit der Feuchte

    Jedes Gramm Wasser, das verdunstet, nimmt Wärme mit. Deshalb kühlt feuchte Kleidung aus und deshalb ist trockene Wäsche fürs Schlafen wichtiger als eine dickere Jacke.

Daraus folgt die Reihenfolge beim Nachrüsten: erst die Matte, dann die Abdichtung nach oben, dann trockene Wäsche — und erst danach ein wärmerer Schlafsack. Wer bei Bodenkälte einen dickeren Sack kauft, bekämpft den falschen der vier Wege.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Wiedererwärmung bei 37 bis 39 °C

Die Leitlinie nennt als Vorgehen die rasche Wiedererwärmung im Wasserbad mit einer Temperatur von 37 bis 39 °C, dazu Schmerzbehandlung und Wundversorgung. Zwei Punkte daran sind für die Ausrüstungsfrage wichtig.

Erstens ist die Temperatur eng gefasst: Wärmer ist nicht besser, sondern schädigt zusätzlich — gefühlloses Gewebe meldet keine Verbrennung. Eine Quelle ohne Thermometer, etwa die Nähe eines Feuers oder ein Hüttenofen, ist deshalb keine geeignete Wärmequelle.

Was Ausrüstung beitragen kann

Erfrierungen entstehen aus dem Zusammenspiel von Temperatur, Wind und Zeit — der Windchill beschreibt, warum mäßiger Frost mit Wind gefährlicher ist als strenger Frost ohne. Dazu kommen drei Verstärker, die an der Ausrüstung hängen: Nässe, weil Wasser die Wärmeleitung vervielfacht; Abschnürung, weil zu enge Schuhe und Handschuhe die ohnehin gedrosselte Durchblutung weiter einschränken; und Metallkontakt, weil blankes Metall Wärme um Größenordnungen schneller ableitet als Luft.

Daraus folgt die Rangfolge im Winter: trockene Handschuhe und Socken in Reserve, Schuhe und Bindung nicht zu eng, nichts Metallisches mit bloßer Haut anfassen. Das ist weniger spektakulär als die Diskussion über Daunenfüllkraft — aber es ist die Stelle, an der Erfrierungen tatsächlich entstehen.

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