Lederarten: Nubuk, Velours und Spaltleder
Schuh & Fuß Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Leder ist nicht gleich Leder, und die Unterschiede sind für einen Wanderschuh erheblich — sie entscheiden über Haltbarkeit, Pflegeaufwand und darüber, wie der Schuh auf Nässe reagiert. Zwei Fragen trennen die Arten voneinander: Welche Schicht der Haut wurde verarbeitet? Und wie ist ihre Oberfläche behandelt?
Eine Tierhaut besteht aus mehreren Lagen. Die äußere ist am dichtesten und am festesten; sie trägt die natürliche Oberfläche, die Narbe. Darunter liegt eine lockerere Faserschicht. Beim Spalten wird die Haut in diese Lagen getrennt.
Die Lederarten im Überblick

Was beim Schleifen verlorengeht
Die äußerste Schicht einer Tierhaut ist nicht nur ihre Oberfläche, sondern ihr festester Teil: Dort sind die Kollagenfasern am dichtesten verflochten. Ob sie erhalten bleibt oder abgetragen wird, entscheidet über Haltbarkeit, Wasseraufnahme und Pflege.
Vollnarbenleder
Die natürliche Oberfläche ist erhalten

In der äußersten Schicht sind die Kollagenfasern am dichtesten verflochten. Sie trägt die Last, hält Wasser zurück und widersteht dem Abrieb am längsten.
- Im Gebrauch
- Haltbarster Aufbau, nimmt Fett gut auf, altert sichtbar
Geschliffenes Leder
Die Narbenschicht ist abgetragen

Abgeschliffen wird genau der dichteste Teil. Was bleibt, ist das lockere Gewebe darunter — gleichmäßiger im Aussehen, aber weniger belastbar.
- Im Gebrauch
- Einheitliche Optik, nimmt mehr Wasser auf, reibt schneller durch
Geschliffenes Leder ist deshalb nicht schlecht — Nubuk und Veloursleder sind bewusste Entscheidungen für ein bestimmtes Aussehen und einen bestimmten Griff. Nur ist die Narbenschicht, einmal abgetragen, nicht wiederherstellbar, und keine Pflege ersetzt sie.

Was die Lederart für die Pflege bedeutet
Rauhe Oberflächen — Nubuk und Velours — haben eine größere Oberfläche und nehmen Wasser und Schmutz schneller auf. Sie brauchen häufigere Imprägnierung, vertragen aber keine fettenden Pflegemittel: Fett verklebt die aufgestellten Fasern, der Samtcharakter verschwindet und die Oberfläche wird speckig.
Glattleder verträgt Fett und Wachs und wird dadurch sehr wasserabweisend. Bei einem Membranschuh ist davon abzuraten, wenn der Hersteller es nicht ausdrücklich erlaubt — zu viel Fett kann die Dampfdurchlässigkeit beeinträchtigen, und die Membran braucht sie.
Gemeinsam ist allen: Trocknen bei Zimmertemperatur, niemals an der Heizung oder am Feuer. Hitze entzieht dem Leder die Fette, es verhärtet und reißt — und bei verklebten Aufbauten lösen sich zusätzlich die Klebungen (siehe Kaschierung).
Abgrenzung: Lederart, Gerbung, Dicke
Die Art sagt nichts über die Gerbung. Chrom- und pflanzliche Gerbung ergeben unterschiedlich weiches, unterschiedlich wasserempfindliches Leder — unabhängig davon, aus welcher Schicht es stammt. Fettgegerbtes Leder ist von Haus aus stark wasserabweisend und wird deshalb bei klassischen Bergschuhen ohne Membran verwendet.
Und sie sagt nichts über die Dicke. Ein dünnes Vollnarbenleder kann weniger aushalten als ein dickes Spaltleder — die Materialstärke ist eine eigene Achse. Für den Vergleich zweier Schuhe braucht es deshalb beides: die Art und die Stärke.
Welche Qualitätsstufe hinter dem meistbeworbenen Begriff steckt, behandelt der Eintrag Vollnarbenleder.

