CPAI-84: US-Flammschutz für Campingzelte
Messwerte & Normen Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
CPAI-84 ist eine amerikanische Spezifikation für flammhemmende Materialien in Campingzelten — herausgegeben von der Industrial Fabrics Association International. Sie legt fest, wie Zeltstoffe auf ihr Brandverhalten geprüft werden und welche Anforderungen sie dabei erfüllen müssen.
Für europäische Käufer ist sie vor allem aus einem Grund interessant: Sie erklärt, warum ein in den USA gekauftes Zelt ein Etikett mit Flammschutzhinweis trägt und ein hier gekauftes meist nicht.
Freiwillig und trotzdem verpflichtend
Die Rechtslage ist zweistufig und deshalb leicht misszuverstehen. Auf Bundesebene ist CPAI-84 für gewöhnliche Campingzelte ein freiwilliger Industriestandard — es gibt keine landesweite Pflicht.
Mehrere Bundesstaaten haben ihn jedoch in geltendes Recht übernommen, darunter Kalifornien, New York, New Jersey, Massachusetts, Louisiana, Michigan und Minnesota. Wer in diesen Märkten verkaufen will, kommt daran nicht vorbei. Und weil kein Hersteller zwei Produktionslinien für denselben Zelttyp unterhält, führt die Anforderung einiger Staaten dazu, dass praktisch der ganze US-Markt behandelte Zelte führt.
In Europa gibt es keine entsprechende Pflicht; die Erfüllung der hiesigen Anforderungen an das Brandverhalten von Zelten ist optional. Dieselben Materialien werden also diesseits und jenseits des Atlantiks verbaut — nur die Nachbehandlung unterscheidet sich.

Welcher Test welche Frage beantwortet
Hinter jeder Zahl auf einem Etikett steht ein Prüfaufbau. Wer ihn kennt, versteht, was die Zahl aussagt — und was nicht. Fünf Verfahren decken den größten Teil dessen ab, was an Outdoortextilien gemessen wird.
Becherverfahren
Wasserdampfdurchlässigkeit

Ein Becher Wasser wird mit dem Prüfling verschlossen und gewogen. Was an Masse verschwindet, ist als Dampf durch den Stoff gegangen.
- Die Frage dahinter
- Wie viel Dampf kommt in einer bestimmten Zeit durch?
Spray-Test
Oberflächenbenetzung

Wasser wird aus fester Höhe auf den schräg gespannten Prüfling gesprüht. Benotet wird, wie viel davon abperlt und wie viel haften bleibt.
- Die Frage dahinter
- Wirkt die Imprägnierung noch?
Bundesmann
Beregnung von oben

Künstlicher Regen fällt über längere Zeit auf vier Prüflinge. Gemessen wird, wie viel Wasser durchkommt und wie viel der Stoff aufnimmt.
- Die Frage dahinter
- Was passiert im Dauerregen?
Martindale
Scheuerfestigkeit

Ein belasteter Prüfkopf reibt in festgelegten Bahnen über den Stoff. Gezählt wird, wie viele Touren bis zum ersten Fadenbruch vergehen.
- Die Frage dahinter
- Wie lange hält der Stoff Reibung aus?
Weiterreißversuch
Reißfestigkeit

Ein eingeschnittener Streifen wird auseinandergezogen. Gemessen wird die Kraft, die nötig ist, damit der Riss weiterläuft.
- Die Frage dahinter
- Was passiert, wenn der Stoff erst einmal ein Loch hat?
Keine dieser Zahlen beschreibt die Jacke als Ganzes. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit kann an der Naht reißen, einer mit guter Dampfdurchlässigkeit im Regen durchnässen. Die Verfahren prüfen den Stoff — nicht die Verarbeitung, und schon gar nicht die Passform.

Was das für den Stoff bedeutet
Flammhemmung entsteht bei Zeltstoffen nicht von selbst, sondern durch aufgebrachte Mittel. Diese verändern den Stoff: Er wird etwas schwerer und steifer, die Ausrüstung kann mit der Zeit auswaschen, und die eingesetzten Substanzgruppen stehen ihrerseits in der Diskussion — ähnlich wie bei der Fluorchemie in wasserabweisenden Ausrüstungen.
Woran man es erkennt
Zelte, die nach CPAI-84 behandelt sind, tragen ein eingenähtes Etikett, das die Spezifikation nennt. Fehlt es, ist das Zelt entweder nicht behandelt oder nicht für diese Märkte gedacht. Ein europäisches Zelt ohne solches Etikett ist damit nicht mangelhaft — es unterliegt schlicht keiner solchen Vorschrift.
Neben CPAI-84 steht inzwischen ASTM F3431, eine neuere Spezifikation zur Flammbarkeit von Materialien für Campingzelte, die zusätzlich Warnhinweise zu den damit verbundenen Gefahren regelt.
Abgrenzung: Flammschutz, Brandverhalten, gesunder Umgang
Keine der Vorschriften macht ein Zelt feuerfest. Sie regeln, wie schnell sich eine Flamme ausbreitet und ob das Material nach Entfernen der Zündquelle weiterbrennt — nicht, dass es unbrennbar wäre. Der wirksamste Schutz bleibt banal und steht in jeder Zeltanleitung: kein offenes Feuer im oder am Zelt, kein Kocher im Innenraum, Abstand zum Lagerfeuer wegen Funkenflug.
Ein Material, das Funkenflug tatsächlich aushält, ist dicht gewebte Baumwolle — siehe Etaproof und Ventile. Das ist auch der Grund, warum Zelte für Lagerfeuerbetrieb aus Baumwolle oder Mischgewebe gefertigt werden und nicht aus leichtem Nylontaft.

