Wasserdicht: kein Durchtritt, aber ein ungeschütztes Wort
Eigenschaften Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026
Wasserdicht heißt: Durch das Material dringt kein Wasser. Erreicht wird das durch eine Membran, ein Laminat oder eine Beschichtung — Lagen also, die der Stoff allein nicht leisten kann.
So weit die Definition. Das Wort selbst ist allerdings weder geschützt noch allgemein genormt, und das ist beim Kauf das Wichtigste daran.
Woher die 800 Millimeter stammen
Im Netz steht vielfach, „in Deutschland" gelte ein Stoff ab einer Wassersäule von 800 Millimetern als wasserdicht. Die Zahl ist nicht erfunden, aber falsch eingeordnet.
Sie stammt aus EN 343, der Norm für Schutzkleidung gegen Regen: Dort beginnt Klasse 2 bei 8.000 Pascal, also rund 800 mm Wassersäule. EN 343 ist über die EU-Verordnung 2016/425 als Norm für persönliche Schutzausrüstung harmonisiert — sie gilt für Arbeitskleidung, bei der die Durchnässung eine Gefährdung darstellt.
Dazu kommt: 800 mm sind praktisch wenig. Der Druck unter einem Rucksackträger oder einem knienden Körper übersteigt diesen Wert deutlich — deshalb liegen gängige Jacken bei 10.000 bis 20.000 mm, ohne dass eine Norm das verlangt.

Dicht wird sie erst im Regen
Etaproof und Ventile sind Markennamen für dasselbe Prinzip: eine Baumwolle, die ihre Wasserdichtigkeit nicht einer Beschichtung verdankt, sondern ihrer Konstruktion. Sie ist die bemerkenswerteste Ausnahme von der Regel, dass Baumwolle im Regen nichts taugt.
Trocken
Feine Zwischenräume bleiben offen

Die Fäden liegen dicht, aber nicht dicht genug, um Luft zu sperren. Durch die feinen Lücken kann Wasserdampf abziehen — der Stoff atmet.
- Was das bedeutet
- Angenehm zu tragen, nicht wasserdicht
Nass
Die Fäden quellen und schließen

Die Baumwollfasern nehmen Wasser auf und quellen auf. Dabei drücken sie sich gegenseitig zusammen, bis keine Lücke mehr bleibt — der Stoff schließt sich selbst.
- Was das bedeutet
- Hält Wasser, atmet in diesem Zustand kaum noch
Daraus folgen die Grenzen: Der Stoff ist schwer, braucht Zeit zum Trocknen und wird im Dauerregen irgendwann durchnässt, weil er nur so lange dicht ist, wie die Fasern gequollen bleiben. Dafür altert er nicht wie eine Beschichtung, lässt sich beliebig oft waschen und hat keine Membran, die delaminieren könnte.

Drei Wörter, die nicht dasselbe meinen
Keines der drei Wörter ist geschützt. Belastbar ist allein die Zahl dahinter — und bei „wasserabweisend" gibt es oft gar keine, weil die Eigenschaft von der DWR-Ausrüstung kommt und mit ihr nachlässt.
Warum eine dichte Jacke trotzdem nass macht
Der häufigste Fall ist gar kein Wassereintritt, sondern Kondensat. Wer unter einer dichten Jacke schwitzt, bringt bis zu 1,4 Liter Dampf je Stunde ein; kühlt dieser Dampf an der Innenseite ab, schlägt er sich dort nieder. Das Ergebnis fühlt sich an wie eine undichte Jacke und ist das Gegenteil — die Jacke ist zu dicht für die Belastung. Mehr dazu unter Kondenswasser in der Jacke.
Der zweite Fall sind die Nähte: Jede ist ein Loch in der dichten Lage. Ohne verschweißte Nahtbänder nützt die höchste Wassersäule nichts, und bei vielen günstigen Jacken sind nur die Hauptnähte getapt.

