Zum Inhalt springen

driflex3 Funktionsmaterial

Membranen & Laminate Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

driflex3 ist ein dreilagiges Stretchlaminat von NORRØNA und gehört in dieselbe Materialfamilie wie die dri-Reihe desselben Hauses: porenlose, hydrophile Membran auf Polyurethanbasis. Der Unterschied liegt in der Dehnbarkeit — driflex3 ist auf Bewegung ausgelegt und sitzt vor allem in der Lyngen-Linie für Skitouren.

Der Aufbau ist ungewöhnlich genau beschrieben: ein gewebter Stretch-Oberstoff, eine bedruckte Polyurethanmembran mit Cocona-Technik zum schnellen Trocknen und ein Rücken aus Mikropolyester. Die starre Schwesterreihe erklärt der Eintrag zu dri™, die Marke dahinter das Porträt zu NORRØNA.

3Lagen im Verbund
porenlosMembranart, hydrophil arbeitend
20.000 mmWassersäule nach Herstellerangabe
7 %Elasthananteil in den Lyngen-Stoffen

Wie driflex3 aufgebaut ist: drei Lagen mit je einer Zusatzaufgabe

Ein Dreilagenlaminat besteht immer aus Oberstoff, Membran und Innengewirk, die fest miteinander verbunden sind. Bei driflex3 hat jede dieser Lagen eine zusätzliche Eigenschaft, die über die Grundfunktion hinausgeht.

Lagewas dort sitztAufgabe
außengewebter Stretch-OberstoffAbrieb aufnehmen, Nässe abperlen, mitdehnen
Mittebedruckte Polyurethanmembran, porenlosWind und Wasser sperren, Dampf durchlassen
innenMikropolyester mit Cocona-TechnikMembran schützen, Feuchte verteilen, schnell trocknen

Dass die Membran als bedruckt beschrieben wird, verweist auf ein Verfahren, bei dem das Innenmaterial nicht flächig, sondern in einem Raster aufgebracht ist. Das spart Gewicht und erhält die Dehnbarkeit, weil zwischen den aufgedruckten Punkten Bewegung möglich bleibt — eine flächig verklebte Innenlage wäre steifer.

Die Faserzusammensetzung der Lyngen-Stoffe wird mit 78 Prozent Polyester, 15 Prozent Polyurethan und 7 Prozent Elasthan angegeben. Die 15 Prozent Polyurethan sind dabei die Membran selbst, die hier als Materialanteil mitgezählt wird — ein Hinweis darauf, dass die Membran bei einem Dreilagenlaminat einen messbaren Teil der Gesamtmasse ausmacht.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Gestrick

Dehnen kann jeder Stoff

„Stretch" ist keine Faser und kein Material, sondern eine Eigenschaft — und sie besteht aus zwei Hälften, von denen nur die erste beworben wird.

Zwei Stücke desselben elastischen Gestricks untereinander: oben entspannt mit rundlichen Maschen, unten in die Breite gezogen mit zu Längsovalen verzerrten Maschen.
  1. Entspannt

    Im Ruhezustand sind die Maschen rundlich und liegen dicht beieinander. So soll das Kleidungsstück nach dem Tragen wieder aussehen.

  2. Gezogen

    Unter Zug strecken sich die Maschen in die Breite und werden zu schmalen Ovalen. Das Gestrick wird breiter und zugleich niedriger — Material entsteht dabei nicht, es wird nur umverteilt.

  3. Die Einschnürung

    An den Rändern zieht sich die Fläche zusammen. Je stärker das auffällt, desto mehr Spannung liegt an.

  4. Die Rückstellung

    Entscheidend ist, ob das Gestrick diese Form wieder verlässt. Fehlt die Rückstellung, bleiben Knie und Ellenbogen ausgebeult — gedehnt hat sich der Stoff trotzdem.

Ein Stoff, der sich dehnt, aber nicht zurückgeht, erfüllt die Hälfte der Eigenschaft und ist am Ende schlechter als ein unelastischer Schnitt mit genug Bewegungsfreiheit. Die Rückstellung kommt aus dem elastischen Garnanteil und aus der Maschenbindung — nicht aus dem Wort auf dem Etikett.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.
Mehr dazu: Elasthan · Softshell

Cocona: was Aktivkohle aus Kokosschalen im Futter bewirkt

Cocona bezeichnet eine Technik, bei der Aktivkohle aus Kokosnussschalen in das Polymer der Faser eingearbeitet wird — nicht als Beschichtung, sondern als Partikel im Fasermaterial. Entwickelt wurde sie 2002; heute wird dieselbe Technik unter dem Namen 37.5 geführt, wobei zusätzlich Partikel aus vulkanischem Sand verwendet werden.

Die Wirkung beruht auf Oberfläche. Aktivkohle ist von Milliarden winziger Poren durchzogen, und das vergrößert die Oberfläche eines Fasermaterials um ein Vielfaches. Zwei Effekte folgen daraus: Geruchsmoleküle werden gebunden, und Feuchtigkeit verdunstet schneller, weil mehr Fläche für den Phasenübergang zur Verfügung steht. Beides ist physikalisch nachvollziehbar und kommt ohne chemische Zusätze aus.

Für die Innenlage eines Hardshell-Laminats ist das sinnvoll gewählt. Genau dort sammelt sich Kondensat, genau dort entsteht Geruch, und genau dort entscheidet die Trocknungsgeschwindigkeit darüber, wie eine Jacke sich nach einer Pause anfühlt. Mit der Wasserdichtigkeit hat die Technik nichts zu tun; sie wirkt auf der Innenseite der Membran. Wie diese Innenlage im fertigen Kleidungsstück zusammenspielt, zeigt der Ratgeber zur Hardshelljacke.

Warum eine dehnbare Membran porenlos sein muss

Die Membran von driflex3 ist porenlos. Der Wasserdampf wandert nicht durch Kanäle, sondern durch den Kunststoff selbst: Er lagert sich auf der warmen, feuchten Innenseite an wasseranziehende Abschnitte der Molekülketten an, wandert entlang dieser Abschnitte durch den Film und verdunstet außen wieder. Angetrieben wird das allein vom Unterschied im Wasserdampfdruck.

Für ein Stretchmaterial ist das die technisch naheliegende Wahl. Eine mikroporöse Schicht verliert beim Dehnen ihre Struktur — die Poren verformen sich, und an den Grenzen zwischen gereckten und ungereckten Bereichen entstehen Schwachstellen. Ein geschlossener, elastischer Film dehnt sich dagegen mit, ohne dass etwas aufreißen könnte. Genau deshalb sind fast alle dehnbaren Membranen porenlos.

Die Kehrseite ist dieselbe wie bei allen porenlosen Materialien: Ohne Dampfdruckgefälle wandert nichts, und einen Luftaustausch gibt es nicht. Bei starker Anstrengung und milden Außentemperaturen wird es innen klamm — ein Verhalten, das keine Membran dieser Bauart umgehen kann.

Wofür driflex3 gebaut ist: Skitour statt Nieselregen

driflex3 steckt vor allem in Jacken und Hosen für Skitouren. Dieser Einsatz erklärt die Auslegung besser als jede Zahl: Beim Aufstieg mit Fellen bewegt man sich stark, erzeugt viel Dampf und braucht Bewegungsfreiheit; bei der Abfahrt braucht man Wind- und Nässeschutz. Ein starres Hardshell-Laminat behindert das erste, eine Softshelljacke leistet das zweite nicht zuverlässig — die Bauart erklärt der Eintrag zu Softshell.

Ein Stretchlaminat ist der Kompromiss dazwischen, und er funktioniert hier gut, weil die Winterbedingungen das Dampfdruckgefälle liefern, auf das die porenlose Membran angewiesen ist. Bei zehn Grad und Nieselregen wäre dieselbe Konstruktion deutlich weniger überzeugend.

Der Name selbst verrät die Einordnung: Die Ziffer 3 steht für die drei Lagen, wie bei dri3 aus derselben Familie. Was driflex vom reinen dri unterscheidet, ist allein der Stretch-Anteil im Aufbau — Membran und Wirkprinzip sind dieselben.

Was driflex3 nicht ist: ein Leichtgewicht. Ein Dreilagenlaminat mit gewebtem Stretch-Oberstoff und Mikropolyester-Innenlage wiegt mehr als ein Zweieinhalblagenaufbau, und das ist der Preis für Robustheit und Dehnverhalten. Wer eine Notfalljacke für den Rucksack sucht, ist mit einem leichteren Aufbau wie dri1 besser bedient.

Pflege: warum Hitze dem Elasthan mehr schadet als der Membran

Polyurethan altert durch Hydrolyse — Wasser spaltet die Bindungen im Polymer, Wärme und Salze beschleunigen das, und Schweiß enthält Natriumchlorid. Dazu kommt bei Stretchmaterialien die Alterung des Elasthans. Beide Vorgänge haben dieselbe wichtigste Gegenmaßnahme: trocken und kühl lagern, nicht feucht zusammengerollt, nicht über Monate in der warmen Garage.

Waschen ist keine Belastung, sondern Wartung. Verschmutzung auf dem Oberstoff setzt die wasserabweisende Ausrüstung außer Kraft; der Stoff saugt sich voll, und der Membran fehlt das Dampfdruckgefälle. Die Jacke fühlt sich innen nass an, obwohl sie dicht ist. Mildes Flüssigwaschmittel, niedrige Temperatur, gründlich spülen, kein Weichspüler. Danach vorsichtig Wärme zum Reaktivieren der Imprägnierung.

Beim Kauf lohnen drei Prüfungen. Erstens, ob der Schnitt die Dehnbarkeit überhaupt nutzt — ein Stretchlaminat in einem weit geschnittenen Kleidungsstück ist verschenkt. Zweitens die Nahtverarbeitung: Jede Naht durchsticht die Membran, und ob sie verschweißt ist, entscheidet über die Dichtigkeit des Stücks. Drittens die Belüftung, denn bei einer porenlosen Membran sind Reißverschlüsse der einzige Weg, Dampf loszuwerden. Für das Beinkleid gelten dieselben drei Punkte, siehe Hardshellhose.

Warum dehnbarer Wetterschutz an der Verklebung scheitert

Ein dehnbares, wasserdichtes Laminat ist technisch anspruchsvoller als ein starres, und zwar an jeder einzelnen Stelle des Aufbaus. Der Oberstoff muss nachgeben und trotzdem reißfest bleiben. Die Membran muss sich mitdehnen, ohne dünner zu werden — denn eine dünnere Stelle hält weniger Druck aus. Die Verklebung zwischen den Lagen muss dieselbe Dehnung mitmachen, sonst löst sie sich bei der ersten starken Bewegung. Und die Nahtbänder müssen flexibel genug sein, um nicht abzuplatzen.

Genau dort scheitern viele günstige Stretchlaminate: Nicht die Membran versagt, sondern die Verklebung an Knie und Ellbogen, wo die Dehnung am größten und am häufigsten ist. Das Schadensbild sind Blasen an genau diesen Stellen — Delamination, und zwar mechanisch verursacht statt chemisch.

Für die Beurteilung eines Stretchlaminats ist deshalb weniger die Wassersäule interessant als die Haltbarkeit des Verbunds. Darüber sagt keine veröffentlichte Zahl etwas aus; was hilft, sind Gebrauchsspuren an gebrauchten Stücken und die Garantiebedingungen des Herstellers.

Inhalt

Gefällt dir, was du hier liest?

Teilen-Bild zu driflex3: dehnbar und trotzdem dicht | Outdoorberater

Gefällt dir, was du hier liest?

Wir stecken viel Arbeit in outdoorberater.de — gemessene Angaben statt Werbesprüche, keine Bezahlschranke, keine Werbeflut. Wenn dir das hilft, ist Weiterempfehlen die schönste Art, Danke zu sagen. Jedes Teilen hilft anderen, uns zu finden, und hält das Projekt am Leben.

Zurück zum Seitenanfang