Vaude Schlafsack Beratung & Ratgeber
Das Schlafsackprogramm von Vaude ist klein und streng geordnet: 29 Säcke, am 7. Oktober 2026 in der Übersicht des Herstellers nachgezählt, davon 13 mit Daunen- und 16 mit Kunstfaserfüllung. Dazu kommen zwei Biwaksäcke, elf Isomatten und Zubehör, die keine Schlafsäcke sind. Acht Modellreihen teilen das Feld auf, und keine davon deckt zwei Formen gleichzeitig ab.
Was diese Marke im Schlafsackregal von den Nachbarn trennt, ist die Ordnung nach Länge. Fast jede Reihe liegt in drei Längen vor: 200 Zentimeter mit dem Zusatz „S“, 220 Zentimeter als Normalmaß und 235 Zentimeter als „XL“. Dieselbe Füllung, dieselbe Form, nur andere Innenmaße — und entsprechend andere Gewichte. Wer zwei Vaude-Schlafsäcke vergleicht, prüft deshalb zuerst, ob zwei Temperaturklassen oder zwei Körpergrößen vor ihm liegen.
Die acht Modellreihen
| Reihe | Modelle | Füllung | Form | Komforttemperatur | Gewicht | Preis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Rotstein | 5 | Daune, 800 cuin | Mumie | +6 bis −16 °C | 715–1.875 g | €€€ |
| Hochgrat | 6 | Daune, teils 600 cuin | Mumie | +9 bis −3 °C | 760–1.450 g | €€ |
| Alpsee | 2 | Daune | Decke | +9 bis +1 °C | 1.200–1.500 g | €€ |
| Sioux | 8 | Kunstfaser | Mumie | +16 bis +2 °C | 730–1.700 g | € |
| Navajo | 5 | Kunstfaser | Decke | +13 bis +3 °C | 1.250–1.800 g | € |
| Kobel Adjust | 1 | Kunstfaser | Mumie, Kinder | keine Angabe | 1.050 g | € |
| Alpli Adjust | 1 | Kunstfaser | Mumie, Kinder | keine Angabe | 890 g | € |
| Plangge | 1 | Kunstfaser | Outdoordecke | keine Angabe | 1.000 g | € |
Kennwerte: drei Temperaturen, zwei Gewichte, eine falsch benannte Norm
Zu jedem der 26 Erwachsenenmodelle nennt Vaude drei Werte: „Temperatur Komfort“, „Temperatur Limit“ und „Temperatur Extrem“. Im Datenblatt des Sioux 800 II (abgerufen am 7. Oktober 2026) stehen sie bei 5 °C, 0 °C und −15 °C. Auf dem Datenblatt fehlt die Normangabe vollständig; genannt wird sie erst im Beratungstext des Herstellers, und dort als „europäische Norm EN 23537“ beziehungsweise „DIN EN 23537“.
Diese Bezeichnung gibt es nicht. Maßgeblich ist ISO 23537-1, in Deutschland als DIN EN ISO 23537-1 übernommen; die ältere EN 13537 ist seit 2016 zurückgezogen. Den Inhalt der Prüfung beschreibt Vaude korrekt, die Nummer auf halbem Weg zwischen EN und ISO steht aber in keinem Normenverzeichnis — nachprüfen lässt sich die Angabe darüber also nicht.

Die drei Temperaturen nach ISO 23537-1
Auf dem Etikett stehen drei Zahlen. Sie kommen aus einer einzigen Messung an einer beheizten Puppe — alles Weitere rechnet ein Modell. Was die Norm dazu festlegt und was nicht, steht hier.
T_comf Komforttemperatur
Untere Grenze des Komfortbereichs, bis zu der eine Person in entspannter Haltung — etwa auf dem Rücken liegend — im Wärmegleichgewicht bleibt und gerade anfängt zu frieren.
Der Wert, an dem sich ein Kauf ausrichten lässt.
T_lim Grenztemperatur
Untere Grenze, bei der eine Person in zusammengerollter Körperhaltung noch im Wärmegleichgewicht ist und gerade anfängt zu frieren.
Die Kauerstellung wird nicht gemessen, sondern gerechnet.
T_ext Extremtemperatur
Sehr niedrige Temperatur, bei der ein Gesundheitsschaden durch Unterkühlung möglich ist. Anmerkung der Norm: ein Gefahrenpunkt, der zum Tod führen kann.
Kein zugesichertes Überlebensfenster — ein Warnwert.
So entstehen die drei Zahlen
- Gemessen wird
- eine einzige Liegeposition: Puppe auf dem Rücken, Sack zu, Kapuze über dem Kopf
- Prüfklima
- (10 ± 5) °C in einer windstillen Kammer — nicht bei der ausgewiesenen Temperatur
- Unterlage
- Schaumstoffmatratze mit R_ct = (0,85 ± 0,06) m²·K/W, das sind rund R 4,8
- Bekleidung der Puppe
- zweiteiliger Anzug und kniehohe Socken — keine Mütze
- Prüfungen
- drei getrennte Läufe, gebildet wird das arithmetische Mittel
- Nicht erfasst
- Bewegung, Wetterwechsel, Aufwärmphase — bewertet wird nur der stationäre Zustand
Beispielwerte aus Tabelle 1 der ISO 23537-1:2022 für einen Schlafsack mit R_c(1) = 0,900 m²·K/W; die Bandbreiten sind maßstäblich. Die Tabelle endet bei T_lim = −19,5 °C — Schlafsäcke mit niedrigerer Grenztemperatur liegen außerhalb des Geltungsbereichs der Norm. Eine vierte Angabe, die obere Komfortgrenze T_max, steht nur in einem informativen Anhang und ist damit freiwillig.

Beim Gewicht stehen auf jeder Produktseite zwei Zahlen, und sie sind nicht dasselbe. „Gewicht in g“ und „Gesamtgewicht in g“ liegen beim Sioux 800 II bei 1.450 und 1.550 Gramm, beim Rotstein 700 bei 1.285 und 1.370 Gramm. Ein drittes Feld, „Gewicht Minimum in g“, ist nur bei 22 der 29 Säcke gefüllt. Wer vergleicht, muss also sagen, welches Feld er meint.
Das Füllgewicht steht bei allen 29 Säcken und reicht von 150 bis 1.250 Gramm; es ist bei dieser Marke auch der Modellname. Der „Sioux 400 II“ trägt 380 Gramm Füllung, der „Sioux 400 II S“ 330 Gramm und der „Sioux 400 II XL“ 420 Gramm — die Zahl im Namen bezeichnet also die Wärmeklasse der Reihe, nicht das Füllgewicht des einzelnen Sacks. Das Feld heißt dabei „Füllgewicht in gqm“, obwohl der Wert eine Masse in Gramm ist und keine Flächenmasse.
Daune: 90/10 und zwei Bauschkraftstufen
Alle 13 Daunenschlafsäcke verwenden Entendaune im Daunen-Blend-Verhältnis 90/10 — neun Teile Daune, ein Teil Feder; eine andere Mischung kommt im Programm nicht vor. Eine Bauschkraft nennt der Hersteller allerdings nur bei sieben der 13 Säcke: 800 cuin bei den fünf Modellen der Rotstein-Reihe, 600 cuin bei zwei Hochgrat-Modellen. Ein Prüfverfahren steht bei keinem der Werte dabei, und bei sechs Daunensäcken fehlt die Angabe ganz — das ist die empfindlichste Lücke des Programms.
Zwei Etiketten stehen bei allen 13 Daunensäcken und bei keinem Kunstfasersack, taugen innerhalb der Daunenreihen also nicht zur Unterscheidung: der Responsible Down Standard — was er prüft, trennt die Seite RDS / Traceable Down — und eine wasserabweisend ausgerüstete Füllung, für die das Datenblatt des Rotstein 700 ein Handelspräparat nennt. Wo deren Grenze liegt, steht unter Hydrophobe Daune.
Kammerbau und Füllungsaufbau
Für die Daunensäcke nennt der Hersteller drei Bauweisen: die schräge H-Kammer als Regelfall, eine durchgesteppte Variante für kleine Füllmengen und eine steppnahtfreie Bauweise für feuchte Gegenden; die Begriffe ordnet Kammersystem ein. Auf der Produktseite des Rotstein 700 steht in der Ausstattungsliste „Schräge Box-Kammer-Konstruktion“, im Beschreibungstext derselben Seite dagegen „schräge H-Kammer-Konstruktion“. Beide Begriffe bezeichnen nicht dasselbe, und welcher gilt, entscheidet die Seite nicht. Bei drei der 13 Daunensäcke — zwei Hochgrat-Modellen und dem Alpsee 400 — steht im Feld „Verarbeitung“ überhaupt nur ein Strich.
Die Kunstfasersäcke sind einfacher geordnet: einlagig bei den Sommermodellen, zweilagig mit versetzten Steppnähten bei den wärmeren. Im Feld „Verarbeitung“ stehen neun der 16 Kunstfasersäcke als „Single layer“ und sieben als „Double layer“; die Füllung heißt im Programm Sensofiber, steht auf allen 16 Produktseiten und besteht nach Herstellerangabe aus recyceltem Polyester. Wie Kammern und Steppung allgemein zusammenhängen, steht unter Füllkammern.
Form und Maße
21 der 29 Säcke haben einen Mumienschnitt, acht sind Decken — die Trennung läuft entlang der Reihen: Rotstein, Hochgrat und Sioux sind Mumien, Alpsee, Navajo und Plangge Decken. Was das für Wärmehaushalt und Platz bedeutet, erklärt Schlafsackformen. Die Schulterweite reicht von 65 bis 85 Zentimetern, bei der Outdoordecke bis 145; das minimale Packmaß steht bei allen 29 Modellen, zwischen 18 × 15 und 45 × 20 Zentimetern.
Preisniveau
Das Programm teilt sich scharf, und darum trägt es zwei Klassen statt einer. Die 16 Kunstfasersäcke liegen durchweg in der Klasse € — zwischen dem günstigsten und dem teuersten liegt weniger als der Faktor zwei. Die Daunensäcke beginnen oberhalb des teuersten Kunstfasersacks und reichen bis zu mehr als dem Achtfachen des günstigsten Modells im Programm: Hochgrat und Alpsee bilden die Klasse €€, die Rotstein-Reihe die Klasse €€€. Eine Zwischenstufe gibt es nicht, und genau deshalb ist die Entscheidung zwischen Daune und Kunstfaser bei dieser Marke auch eine Preisentscheidung.
Für wen – und für wen nicht
Gut bedient ist hier, wer eine Länge jenseits des Standardmaßes braucht — Trekker und Radreisende also: Drei Längen je Reihe sind im Schlafsackregal die Ausnahme, und sie sind hier nicht Aufpreisoption, sondern eigene Artikel mit eigenen Temperatur- und Gewichtswerten. Passend ist sie außerdem für Camping und Hüttentouren, weil mit Alpsee und Navajo zwei Deckenschlafsackreihen vorliegen.
Schlecht bedient ist, wer ins winterliche Hochgebirge geht: Die kälteste angegebene Komforttemperatur liegt bei −16 °C, darunter führt der Hersteller nichts. Ebenso schlecht bedient ist, wer Daunensäcke über die Bauschkraft vergleichen will — die Angabe fehlt bei sechs von 13 Modellen, und bei den anderen sieben steht sie ohne Prüfverfahren. Wer eine Füllung oberhalb von 800 cuin sucht, findet sie hier nicht.
Alternativen
- Carinthia – wenn der Einsatzbereich unter −16 °C Komforttemperatur reicht.
- Mountain Equipment – wenn Bauschkraft und Prüfverfahren zu jedem Daunensack ausgewiesen sein sollen.
- Grüezi Bag – wenn eine Mischfüllung aus Wolle und Kunstfaser infrage kommt.
- Sea to Summit – wenn ein Quilt oder ein kuppelförmiger Schnitt gewünscht ist.
- Yeti – wenn das Gewicht unter 715 Gramm sinken soll.
Häufige Fragen
Nach welcher Norm gibt Vaude die Temperaturen an?
Der Hersteller nennt in seinem Beratungstext „EN 23537“ und „DIN EN 23537“. Diese Bezeichnungen existieren nicht; gültig ist EN ISO 23537-1 beziehungsweise DIN EN ISO 23537-1. Inhaltlich beschreibt Vaude die drei Bereiche Komfort, Limit und Extrem so, wie die Norm sie definiert — auf den Produktseiten selbst steht jedoch gar keine Normangabe.
Warum haben die Kinderschlafsäcke keine Temperaturangabe?
Weil der Hersteller sie bewusst weglässt. Er begründet es damit, dass die Norm für Erwachsene entwickelt wurde und das Temperaturempfinden von Kindern sich schwer untersuchen lässt. Betroffen sind die beiden längenverstellbaren Modelle Kobel Adjust 500 II und Alpli Adjust 400 II. Weitere Kriterien nennt der Ratgeber Kinderschlafsack.
Was bedeuten S und XL im Modellnamen?
Eine Längenvariante, keine Temperaturklasse. „S“ steht für 200 Zentimeter Innenlänge, das Normalmaß für 220, „XL“ für 235 Zentimeter. Dieselbe Reihe liegt damit in drei Fassungen mit unterschiedlichem Füllgewicht und unterschiedlichem Gesamtgewicht vor, aber mit identischen Temperaturwerten.
Welcher Vaude-Schlafsack ist der leichteste?
Der Rotstein 200 mit 715 Gramm im Feld „Gewicht in g“ und 785 Gramm als Gesamtgewicht, bei einer Komforttemperatur von 6 °C. Bei den Kunstfasersäcken ist es der Sioux 100 II mit 730 Gramm, dessen Komforttemperatur allerdings bei 16 °C liegt — es ist der dünnste Sack des Programms und nur für warme Nächte gedacht.
Daune oder Kunstfaser bei Vaude?
Die Entscheidung ist hier auch eine Preis- und Gewichtsfrage: Bei gleicher Komforttemperatur von 2 °C wiegt der Daunensack rund ein Drittel weniger als der Kunstfasersack, kostet aber etwa das Doppelte. Der Hersteller empfiehlt Kunstfaser ausdrücklich für feuchte Bedingungen. Die beiden Ratgeber Daunenschlafsack und Kunstfaserschlafsack stellen die Eigenschaften gegenüber.
Führt Vaude Biwaksäcke?
Zwei: einen Einpersonensack mit 500 Gramm und einen Notfallsack für zwei Personen mit 685 Gramm, beide mit polyurethanbeschichtetem Außenmaterial. Temperaturwerte nennt der Hersteller dazu nicht, weil ein Biwacksack eine Hülle ist und keine Isolation.

