Yeti Schlafsack Beratung & Ratgeber
Daunenschlafsäcke sind die einzige Produktgruppe, in der dieser Markenname heute noch eigene Modelle trägt. Die Markenseite der Daunenschlafsäcke (abgerufen am 7. Oktober 2026) führt zwölf Artikel. Der Typfilter dort weist alle zwölf als Schlafsack aus, der Formfilter elf als Mumie und einen als Decke, der Materialfilter alle zwölf als Daune. Dahinter stehen fünf Reihen: VIB, Voyage, Tension, Passion und Balance.
Von den Nachbarmarken trennt diese Säcke weniger eine Technologie als ein Fertigungsweg: Sie werden in der eigenen Manufaktur von Hand gefüllt, und derselbe Betrieb nimmt sie zur Reparatur wieder an. Dazu kommt ein Befund, der für den Kauf schwerer wiegt als jede Werbeaussage — die Reihen laufen aus. Alle zwölf Artikel sind als herabgesetzt gekennzeichnet, im Ausverkaufsregal stehen neunzehn Artikel dieser fünf Reihen, und im laufenden Daunenregal mit siebenundzwanzig Artikeln kommt keiner davon vor. Wer hier kauft, kauft kein Modell, das in zwei Jahren nachbestellbar ist.
Die Schlafsackreihen
Die fünf Reihen unterscheiden sich nicht in Ausstattungsstufen, sondern in Schnitt und Kammerbau. Bei dreien ist die Zahl im Modellnamen das Füllgewicht in Gramm, bezogen auf Größe LARGE: Der VIB 800 trägt dort 800 Gramm Daune, das Voyage 500 trägt 500 Gramm, das Tension Comfort 600 trägt 600 Gramm. Eine Temperatur steckt in der Zahl nicht. Die Passion-Reihe zählt stattdessen durch und folgt der Regel nicht.
| Baureihe | Form und Kammerbau | Für wen | Kennwert aus dem Datenblatt | Preisklasse |
|---|---|---|---|---|
| VIB 250 / 400 / 600 / 800 | Mumie, S-Box mit Isokragen und zweilagiger Fußbox | Winter und Expedition | VIB 800: Komfort −7 °C, Grenze −14 °C, Extremwert −33 °C; 95/5 mit 750+ cuin; 1,55 kg Gesamtgewicht in LARGE | €€€ |
| Voyage 300 / 500 | bequeme Mumienform, H-Box, Dehnzonen an den Seiten | Dreijahreszeitentour mit Anspruch an Platz | Voyage 500: Komfort 0 °C, Grenze −5 °C, Extremwert −22 °C; 90/10 mit 600+ cuin; 500 g Füllgewicht in LARGE | €€€ |
| Tension Brick 200 / Comfort 600 / Mummy 500 | Eiform und Mumie, H-Box, Zweiwege-Reißverschluss | breite Schläfer, Camping bis an die Frostgrenze | Tension Comfort 600: Komfort +3 °C, Grenze −3 °C, Extremwert −20 °C; 90/10 mit 600+ cuin; Schulterweite 90 cm in MEDIUM | €€ |
| Passion One / Five | Mumie, durchgesteppt statt Trennwandkammern | Sommer, Gewicht und Packmaß im Vordergrund | Passion One: Komfort +15 °C, Grenze +12 °C, Extremwert −1 °C; 95/5 mit 800+ cuin; 400 g Gesamtgewicht in LARGE | €€€ |
Die fünfte Reihe, Balance 400, war in diesem Durchgang nicht mit einem Datenblatt zu belegen; Zahlen nennen wir dafür keine. Was Decke, Ei und Mumie für Platz und Wärmeverlust bedeuten, steht unter Schlafsackformen.
Kennwerte: welche Zahl am Schlafsack wirklich trägt
Die Temperaturangabe steht in jedem Datenblatt dreifach — Komfort, Grenze, Extremwert — und darunter ein Satz, den man nicht überlesen sollte: Geprüft sei „nach der europäischen Norm EN 13537". Das ist die Angabe des Herstellers, und sie nennt eine Norm, die am 26. Oktober 2016 zurückgezogen wurde; gültig ist seither ISO 23537-1. Unbrauchbar werden die Werte dadurch nicht, aber man darf sie nicht blind gegen eine ISO-Angabe einer anderen Marke stellen. Der Extremwert ist ohnehin keine Nachttemperatur: −33 °C beim VIB 800 markiert einen Gefahrenpunkt. Welche der drei Zahlen für die eigene Tour zählt, steht unter Kriterien bei der Schlafsackauswahl.

Die drei Temperaturen nach ISO 23537-1
Auf dem Etikett stehen drei Zahlen. Sie kommen aus einer einzigen Messung an einer beheizten Puppe — alles Weitere rechnet ein Modell. Was die Norm dazu festlegt und was nicht, steht hier.
T_comf Komforttemperatur
Untere Grenze des Komfortbereichs, bis zu der eine Person in entspannter Haltung — etwa auf dem Rücken liegend — im Wärmegleichgewicht bleibt und gerade anfängt zu frieren.
Der Wert, an dem sich ein Kauf ausrichten lässt.
T_lim Grenztemperatur
Untere Grenze, bei der eine Person in zusammengerollter Körperhaltung noch im Wärmegleichgewicht ist und gerade anfängt zu frieren.
Die Kauerstellung wird nicht gemessen, sondern gerechnet.
T_ext Extremtemperatur
Sehr niedrige Temperatur, bei der ein Gesundheitsschaden durch Unterkühlung möglich ist. Anmerkung der Norm: ein Gefahrenpunkt, der zum Tod führen kann.
Kein zugesichertes Überlebensfenster — ein Warnwert.
So entstehen die drei Zahlen
- Gemessen wird
- eine einzige Liegeposition: Puppe auf dem Rücken, Sack zu, Kapuze über dem Kopf
- Prüfklima
- (10 ± 5) °C in einer windstillen Kammer — nicht bei der ausgewiesenen Temperatur
- Unterlage
- Schaumstoffmatratze mit R_ct = (0,85 ± 0,06) m²·K/W, das sind rund R 4,8
- Bekleidung der Puppe
- zweiteiliger Anzug und kniehohe Socken — keine Mütze
- Prüfungen
- drei getrennte Läufe, gebildet wird das arithmetische Mittel
- Nicht erfasst
- Bewegung, Wetterwechsel, Aufwärmphase — bewertet wird nur der stationäre Zustand
Beispielwerte aus Tabelle 1 der ISO 23537-1:2022 für einen Schlafsack mit R_c(1) = 0,900 m²·K/W; die Bandbreiten sind maßstäblich. Die Tabelle endet bei T_lim = −19,5 °C — Schlafsäcke mit niedrigerer Grenztemperatur liegen außerhalb des Geltungsbereichs der Norm. Eine vierte Angabe, die obere Komfortgrenze T_max, steht nur in einem informativen Anhang und ist damit freiwillig.

Bei der Füllung nennt der Hersteller zwei Zahlen für dieselbe Daune. Das Datenblatt des VIB 800 führt 750+ cuin und daneben 820+ cuin. Die höhere Zahl stammt aus dem US-Prüfweg, die niedrigere aus dem europäischen; ein belastbarer Übertrag zwischen beiden Prüfwegen existiert nicht. Die Zahlen tragen deshalb nur innerhalb desselben Prüfwegs. Über die vier abgerufenen Datenblätter reicht die Spanne von 600+ cuin bei Tension und Voyage über 750+ beim VIB bis 800+ beim Passion One — der leichteste Sack trägt die hochwertigste Füllung, weil Gewicht nur über Bauschkraft zu holen ist.
Die zweite Hälfte der Wärmeleistung ist die Menge. Das Füllgewicht reicht hier von 100 Gramm beim Passion One in MEDIUM bis 835 Gramm beim VIB 800 in X LARGE, und es wächst mit der Konfektionsgröße — ein Markenvergleich ist deshalb nur innerhalb derselben Größe sinnvoll. Dasselbe gilt für das Gewicht: Das VIB 800 nennt in LARGE 1,4 kg offizielles und 1,55 kg Gesamtgewicht. Vergleichbar ist nur das Gesamtgewicht, weil darin Packsack und Zubehör stecken.
Das Mischungsverhältnis trennt die Reihen deutlicher als der Preis. VIB und Passion tragen eine 95/5-Mischung, Tension und Voyage eine 90/10-Mischung — in allen Fällen europäische Gänsedaune nach Herstellerangabe. Eine reine Daunenfüllung gibt es dabei nicht und kann es nicht geben; was die beiden Zahlen bedeuten, steht unter Daunen-Blend-Verhältnis.
Der dritte Konstruktionswert ist der Kammerbau, und hier trennt sich das Sortiment hart. VIB baut auf S-Box-Kammern, Tension und Voyage auf H-Box, beides Trennwandkonstruktionen. Das Passion One ist nach seinem Datenblatt durchgesteppt, also ohne Trennwände — daher die 400 Gramm: Gespart wird an der Konstruktion, bezahlt wird mit Kaltpunkten entlang der Nahtlinien. Welche Kammerformen es gibt, steht unter Kammersystem und ausführlicher unter Füllkammern.

Wie die Trennwände stehen
Jede Kammerbauweise hält die Stofflagen auf Abstand — darin sind sich alle gleich. Der Unterschied liegt darin, wie die Trennwände dabei stehen, und das wirkt sich auf Gewicht, Verarbeitungsaufwand und darauf aus, wie gleichmäßig die Daune liegen bleibt.
H-Kammer
Senkrechte Trennwände

Die Wände stehen senkrecht wie Leitersprossen. Das ist die einfachste Bauart und die mit dem geringsten Materialeinsatz.
- Typisch für
- Der Normalfall bei Schlafsäcken und Daunenjacken
Schrägkammer
Gleichsinnig geneigt

Alle Wände neigen sich in dieselbe Richtung. Die Daune rutscht dadurch weniger an eine Seite, wenn der Sack auf der Seite liegt.
- Typisch für
- Hochwertige Schlafsäcke, Expeditionsware
V-Kammer
Abwechselnd geneigt

Je zwei Wände bilden ein V. Die Daune wird in dreieckigen Kammern gehalten und kann sich auch bei Bewegung kaum verlagern.
- Typisch für
- Winterschlafsäcke, wo jede Kältestelle zählt
Mehr Trennwände und schrägere Winkel bedeuten mehr Gewebe, mehr Nähte und mehr Gewicht — und sie bringen nur etwas, wenn die Kammern auch satt gefüllt sind. Eine V-Kammer mit zu wenig Daune ist nicht wärmer als eine gut gefüllte H-Kammer, nur teurer.

Technologien
Crystal Down ist der Name, unter dem der Markeninhaber seine Daune führt, und die Herstellerseite zur Daune (abgerufen am 7. Oktober 2026) macht daraus etwas Nachprüfbares: Jedes Produkt trägt einen Code, der die Herkunft der Füllung aufschlüsselt. Das dort gezeigte Beispiel 800RP1PWKG955 zerfällt in Bauschkraft, Region samt Schlachtbetrieb, Vogelart und Mischungsverhältnis. Diese vier Angaben lassen sich am Etikett gegen das Datenblatt halten, und das lassen die meisten Daunenprodukte nicht zu.
Das rote Y ist dabei kein Logo-Rest, sondern der Träger dieser Zusage: Der Hersteller stellt es auf derselben Seite ausdrücklich als Gewährleistung für die Daune darin heran und nennt den Responsible Down Standard und das International Down and Feather Laboratory als prüfende Stellen. Beim Ökotex Standard 100, den frühere Fassungen dieser Seite für die Daune anführten, liegt die Zuständigkeit anders: Für die Schadstofffreiheit der Materialien ist er maßgeblich. Für das Tierwohl ist er es nicht — er prüft auf gesundheitsgefährdende Schadstoffe, nicht auf die Haltung der Tiere. Dafür stehen Standards wie der Responsible Down Standard, die Lebendrupf und Stopflebermast ausschließen; was sie leisten und was nicht, steht unter RDS und Traceable Down.
Die hydrophob ausgerüstete Fassung heißt Crystal Down Dry und wird nach Herstellerangabe seit 2014 eingesetzt — aber nicht in diesen fünf Reihen, sondern in der Arctic-Reihe und in den daunengefüllten Regenjacken des Hauses. Die abgerufenen Datenblätter nennen durchweg die unbehandelte Fassung. Wer mit Dauerfeuchte rechnet, bekommt sie hier nicht ab Werk; was die Ausrüstung bringt, steht unter hydrophobe Daune.
Dazu kommen zwei Dienstleistungen, die zum Produkt gehören. Die Herstellerseite zur Manufaktur nennt eine hauseigene Reparatur samt Reißverschlusstausch und Wiederaufbereitung der Daune sowie eine Maßanfertigung namens Taylormade. Für eine auslaufende Reihe ist der Reparaturweg das wichtigere Angebot.
Preisniveau
€€€. Die Listenpreise liegen im oberen Drittel des Daunenschlafsackmarkts; nur der kleinste Tension fällt darunter, die VIB-Modelle liegen am oberen Rand. Begründet ist das durch Handfüllung, Trennwandkammern und Bauschkraft der Füllung, nicht durch Ausstattungsumfang. Weil alle zwölf Artikel herabgesetzt angeboten werden, liegen die Straßenpreise darunter — eine Ausverkaufslage, kein Preisniveau.
Für wen — und für wen nicht
Passend ist das Programm für zwei Gruppen. Erstens für Leute, die einen Daunensack über viele Jahre führen und den Reparaturweg mitkaufen: Handfüllung, Reißverschlusstausch und Daunenaufbereitung im eigenen Betrieb sind ein Argument, das man erst in Jahr fünf zu schätzen lernt. Zweitens für alle mit ungewöhnlichem Maß — die Maßanfertigung ist in dieser Preisklasse selten, und Tension deckt mit 90 Zentimetern Schulterweite breite Schläfer ab, die in einer Standardmumie nicht schlafen.
Unpassend ist es in drei Fällen. Wer ein Modell über Jahre nachkaufen will, ist falsch: X LARGE führt die Markenseite nur bei acht der zwölf Artikel, und das ganze Programm steht im Ausverkauf. Wer mit Dauerfeuchte rechnet, bekommt keine hydrophob ausgerüstete Füllung und ist mit einem Kunstfaserschlafsack oft besser bedient. Und wer leicht und warm zugleich sucht, findet das hier nicht in einem Stück: Das Datenblatt des Passion One nennt 400 Gramm bei +15 °C Komforttemperatur, der wärmste Sack wiegt 1,55 Kilogramm.
Alternativen im Schlafsack-Silo
- Carinthia — Achse Dauerfeuchte, wenn die fehlende hydrophobe Ausrüstung das Ausschlusskriterium ist.
- Valandre — Achse Daunenqualität und Handarbeit.
- Mountain Equipment — Achse Winter und Expedition, dort mit laufendem Programm.
- Grüezi Bag — Achse Schnittweite, wenn die Eiform der Grund für den Kauf wäre.
Was dieselbe Marke in der Bekleidung macht — und warum dort kein Artikel mehr ihren Namen trägt —, steht unter Yeti Bekleidung.
Häufige Fragen
Warum steht auf dem Datenblatt EN 13537 und nicht ISO 23537-1?
Weil der Hersteller die Angabe aus der Prüfung der Modelle übernommen und seitdem nicht umgestellt hat. Die genannte Norm ist seit dem 26. Oktober 2016 zurückgezogen, an ihre Stelle ist ISO 23537-1 getreten. Die Messgröße ist in beiden Fällen der Wärmedurchgangswiderstand einer beheizten Puppe, die Rechenwege unterscheiden sich. Behandle die Werte als Herstellerangabe, nicht als normkonforme ISO-Zahl.
Wofür steht die Zahl im Modellnamen?
Bei VIB, Voyage und Tension für das Füllgewicht in Gramm in Größe LARGE. In MEDIUM liegt es darunter, in X LARGE darüber — beim VIB 800 sind es 700, 800 und 835 Gramm. Eine Temperatur ist nicht enthalten, und die Passion-Reihe trägt statt einer Zahl ein Zahlwort.
Welche Reihe ist die wärmste, welche die leichteste?
Die wärmste ist VIB: Das Spitzenmodell nennt −7 °C Komfort- und −14 °C Grenztemperatur, bei 95/5-Mischung und S-Box-Kammern mit Isokragen und zweilagiger Fußbox. Die leichteste ist Passion mit 400 Gramm und 21 × 12 Zentimetern Packmaß in LARGE — allerdings als reiner Sommersack. Voyage und Tension liegen dazwischen.
Kann ich einen solchen Schlafsack waschen lassen oder selbst waschen?
Beides. Der Hersteller bietet Waschen und Wiederaufbereiten der Daune im eigenen Betrieb an. Für die Heimwäsche nennt seine Pflegeanleitung höchstens 30 °C, ausschließlich Frontlader, Woll- oder Daunenwaschmittel ohne Enzyme und Trocknen im Trockner mit drei Tennisbällen. Gelagert wird unkomprimiert. Mehr unter Pflege des Schlafsackes.
Ist das die Marke mit den Kühlboxen und Trinkbechern?
Nein, das ist eine andere Firma mit demselben Namen. Ein Abruf von yeti.de führt auf den europäischen Shop des US-Herstellers für Kühlboxen und Trinkbecher; im abgerufenen Seitentext kommen diese beiden Warengruppen hunderte Male vor, ein Schlafsack kein einziges Mal. Die Daunenmanufaktur ist unter dieser Adresse nicht zu finden.

