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Valandre Schlafsack Beratung & Ratgeber

Markenlogo Valandre

Zehn Schlafsäcke, alle mit Daunenfüllung, gezählt am 8. Oktober 2026 in der Schlafsackrubrik des Herstellers — und nichts daneben: keine Kunstfaser, kein Inlett. Drei Reihen teilen das Feld auf, und ihre Grenze ist nicht die Temperatur, sondern der Vogel. Expeditions- und leichte Reihe tragen französische Graugansdaune im Verhältnis 95/05, die Performance-Reihe Grauentendaune im Verhältnis 90/10. Den Grund nennt der Hersteller selbst: Die Gänsedaunensäcke sind für Höhenbergsteigen ohne Flaschensauerstoff gedacht, die Entendaunensäcke sollen Dämmung, Gewicht und Preis in ein Verhältnis bringen.

Was die Marke von den Nachbarn im Regal trennt, ist aber nicht die Füllung, sondern die Art der Temperaturangabe: Auf jedem Datenblatt stehen zwei Skalen nebeneinander — eine eigene Zahl und, bei acht der zehn Modelle, drei Werte aus einer Normprüfung samt Bericht. Sie gehen ungleichmäßig auseinander, und bei Thor NEO und Odin NEO fehlt die geprüfte ganz.

10 Modelledrei Reihen, alle mit Daunenfüllung, Herstellerangabe
8 von 10tragen geprüfte Temperaturwerte samt Prüfbericht
700+ und 850+ cuindie zwei Bauschkraftangaben, jeweils nach US-Verfahren
369 bis 1.259 gFüllgewichtsspanne in Größe M, Herstellerangabe

Die drei Reihen

Jeder Wert unten ist eine Herstellerangabe mit Stand 8. Oktober 2026 und bezieht sich auf Größe M; jedes Modell gibt es in S, M und L. „Eigene Angabe" ist die Katalogzahl des Herstellers, „geprüft" nennt Komfort-, Grenz- und Extremwert aus dem Prüfbericht. Gans heißt 95/05 mit 850+ cuin, Ente 90/10 mit 700+ cuin, beides nach US-Verfahren.

ModellReiheDauneKammerneigene AngabegeprüftGewicht / Füllung M
Thor NEOExpeditionGans32−40 °Ckeine1.916 / 1.259 g
Odin NEOExpeditionGans32−30 °Ckeine1.654 / 1.051 g
Shocking Blue NEOExpeditionGans32−20 °C−11,6 / −19,5 / −42,3 °C1.376 / 790 g
Bloody MaryleichtGans18−15 °C−5,4 / −12,2 / −32,2 °C1.187 / 620 g
La FayetteleichtGans19−15 °C−5,3 / −12,1 / −32,1 °C1.030 / 564 g
Mirage 3/4leichtGans16−5 °C+0,1 / −5,7 / −23,2 °C772 / 369 g
Swing CO 850PerformanceEnte18−20 °C−9 / −16 / −37 °C1.347 / 852 g
Swing CO 650PerformanceEnte18−15 °C−2 / −8 / −26 °C1.090 / 653 g
Swing CO 450PerformanceEnte18−5 °C+2 / −3 / −20 °C868 / 452 g
GrasshopperPerformanceEnte38−5 °C+1,3 / −4,3 / −21,4 °C894 / 410 g

Kennwerte: zwei Temperaturskalen, und wo die geprüfte aufhört

Die eigene Zahl heißt auf dem Datenblatt „Valandre T. LIMIT OF COMFORT", der geprüfte Grenzwert darunter heißt genauso — verschieden sind sie trotzdem, und der Abstand schwankt stark. Beim Shocking Blue NEO liegen beide bei knapp zwanzig Grad unter null und damit praktisch gleich; beim Swing CO 650 nennt der Hersteller −15 °C, der Prüfbericht −8 °C, also sieben Kelvin weniger. Beim Mirage 3/4 ist es umgekehrt: Dort liegt der geprüfte Grenzwert mit −5,7 °C unter der eigenen Angabe. Wer zwei Valandre-Säcke vergleicht, muss also sagen, welche Skala er meint — und wer die Marke gegen eine andere stellt, braucht die geprüfte.

Infografik
Outdoor Beratung und Ratgeber
Schlafsack-Norm

Die drei Temperaturen nach ISO 23537-1

Auf dem Etikett stehen drei Zahlen. Sie kommen aus einer einzigen Messung an einer beheizten Puppe — alles Weitere rechnet ein Modell. Was die Norm dazu festlegt und was nicht, steht hier.

T_comf Komforttemperatur

Untere Grenze des Komfortbereichs, bis zu der eine Person in entspannter Haltung — etwa auf dem Rücken liegend — im Wärmegleichgewicht bleibt und gerade anfängt zu frieren.

Der Wert, an dem sich ein Kauf ausrichten lässt.

T_lim Grenztemperatur

Untere Grenze, bei der eine Person in zusammengerollter Körperhaltung noch im Wärmegleichgewicht ist und gerade anfängt zu frieren.

Die Kauerstellung wird nicht gemessen, sondern gerechnet.

T_ext Extremtemperatur

Sehr niedrige Temperatur, bei der ein Gesundheitsschaden durch Unterkühlung möglich ist. Anmerkung der Norm: ein Gefahrenpunkt, der zum Tod führen kann.

Kein zugesichertes Überlebensfenster — ein Warnwert.

So entstehen die drei Zahlen

Gemessen wird
eine einzige Liegeposition: Puppe auf dem Rücken, Sack zu, Kapuze über dem Kopf
Prüfklima
(10 ± 5) °C in einer windstillen Kammer — nicht bei der ausgewiesenen Temperatur
Unterlage
Schaumstoffmatratze mit R_ct = (0,85 ± 0,06) m²·K/W, das sind rund R 4,8
Bekleidung der Puppe
zweiteiliger Anzug und kniehohe Socken — keine Mütze
Prüfungen
drei getrennte Läufe, gebildet wird das arithmetische Mittel
Nicht erfasst
Bewegung, Wetterwechsel, Aufwärmphase — bewertet wird nur der stationäre Zustand

Beispielwerte aus Tabelle 1 der ISO 23537-1:2022 für einen Schlafsack mit R_c(1) = 0,900 m²·K/W; die Bandbreiten sind maßstäblich. Die Tabelle endet bei T_lim = −19,5 °C — Schlafsäcke mit niedrigerer Grenztemperatur liegen außerhalb des Geltungsbereichs der Norm. Eine vierte Angabe, die obere Komfortgrenze T_max, steht nur in einem informativen Anhang und ist damit freiwillig.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

Genau da entsteht die Lücke. Thor NEO und Odin NEO, die zwei kältesten Säcke, tragen nur die eigene Angabe von −40 und −30 °C; ein Prüfbericht liegt zu keinem von beiden, Komfort-, Grenz- und Extremwert fehlen. Der Sache nach ist das plausibel — ISO 23537-1 gilt nach eigenem Anwendungsbereich für Grenztemperaturen ab −20 °C und ausdrücklich nicht für Expeditionen in extremen Klimazonen —, nur schreibt der Hersteller es nicht hin. Für den Käufer heißt es: Die beiden teuersten Säcke sind die einzigen, deren Temperatur sich nicht gegenprüfen lässt.

Und die acht Berichte nennen nicht dieselbe Norm. Die drei Swing-CO-Modelle führen ihren als „TEST EN ISO 23537", die fünf übrigen — Grasshopper, Mirage 3/4, La Fayette, Bloody Mary, Shocking Blue NEO — als „TEST EN 13537". Zurückgezogen wurde sie am 26. Oktober 2016. In der Entendaunenreihe liegen die Werte also nach geltender Norm vor, in der Gänsedaunenreihe nach der Vorgängerfassung — eine Trennlinie, wo man keine erwartet.

Daune: zwei Verhältnisse, zwei Verfahren, kein Übertrag. Das Daunen-Blend-Verhältnis steht bei allen zehn Säcken, und bei der Bauschkraft schreibt der Hersteller sein Prüfverfahren jedes Mal dazu. Auf der Daunenseite stellt er für dieselbe Gänsedaune allerdings zwei Zahlen nebeneinander, 800 cuin nach EU- und 850 cuin nach US-Verfahren, und nennt das seinen gesicherten Höchstwert. Zwei Messungen desselben Materials also, kein Übertrag: Einen Faktor zwischen den beiden Verfahren nennt weder der Hersteller noch die Seite zur Bauschkraft. Im Beschreibungstext des Shocking Blue NEO steht dann nur die EU-Zahl, im Spezifikationsfeld derselben Seite die US-Zahl. Beide sind richtig und meinen dieselbe Daune; vergleichbar sind sie nur mit Werten aus demselben Verfahren.

Herkunft. Die Gänsedaune stammt nach Darstellung des Herstellers von der französischen Graugans, geerntet nach der vierten Mauser aus Partien, die er sich im Südwesten des Landes vorbehalten lässt; die Entendaune nennt er „Pyrenean Duck Down" und verortet sie in derselben Gegend; sie steckt in den drei Swing-CO-Modellen und im Grasshopper. Ein RDS / Traceable Down oder ein anderes Daunensiegel steht nirgends.

Zahlen, die nicht zusammenpassen. Der Hersteller führt jeden Wert dreifach: S bis 165 cm Körperlänge mit 170 cm Innenlänge, M für 165 bis 180 cm mit 185 cm, L bis 195 cm mit 200 cm. Beim Thor NEO weicht der Beschreibungstext davon ab — 1.240 Gramm Füllung und 1.870 Gramm Gesamtgewicht, während die Tabelle 1.177 und 1.795 Gramm für S und 1.259 und 1.916 Gramm für M nennt; zu keiner Größe passt das. Beim Mirage 3/4 steht im Text ein Außenstoff von 40,7 g/m², im Spezifikationsfeld 42 g/m².

Technologien und Bauweise

Tubular Bell. Der Hersteller beschreibt seine Bauweise als zwei ineinandergelegte Zylinder, verbunden durch vorgeschnittene Trennwände, die der Körperform folgen; bis zu 91 einzeln zugeschnittene Teile stecken nach seiner Angabe in einem Produkt, beim Bloody Mary 83. Die Kammerzahl reicht von 16 beim Mirage 3/4 bis 38 beim Grasshopper und sagt für sich nichts über die Wärme. Beim La Fayette widersprechen sich die Felder: Die Ausstattungsliste nennt 19 kreisförmige Kammern, das Spezifikationsfeld dieselbe H-Kammerbauweise wie überall sonst. Was Kammerwände leisten, steht im Ratgeber Füllkammern, die Bauformen ordnet Kammersystem ein.

Der Marie-Antoinette-Kragen ist der Markenname für den Halsabschluss, bei den NEO-Modellen eingezippt statt eingenäht, beim Bloody Mary in drei Stufen regelbar. Was er bewirkt, steht unter Wärmekragen und Kapuzenzug. Dazu kommen bei allen zehn Säcken ein innen verstärkter Reißverschluss mit daunengefüllter Sturmklappe und ein trapezförmiges Fußteil; beim Thor NEO ist der Verschluss von 175 auf 135 cm verkürzt.

Die Stoffe kommen von einem Lieferanten. Nach Herstellerangabe stammen alle Gewebe von einem japanischen Werkstoffhersteller aus Osaka: außen ein Polyamid-6.6-Ripstop mit 42 g/m², bei den Swing-CO-Modellen ein Mini-Ripstop mit 41, beim Grasshopper 45; innen durchgehend Polyamid 6 mit 42 g/m², rund 20 Prozent reißfester als gewöhnliches Nylon. Alle zwanzig Stoffangaben tragen eine DWR-Ausrüstung der Stufe C0 ohne PFAS. Das Flächengewicht steht damit bei jedem Modell vollständig da, innen und außen getrennt.

Preisniveau

€€€. Im eigenen Europa-Shop liegt schon der günstigste Sack, der Grasshopper, über dem oberen Ende vieler Nachbarprogramme; bis zum Thor NEO ist es etwa das Dreifache, ein Einstiegssegment fehlt. Die Entendaunenreihe ist die preiswertere Hälfte: Bei gleicher eigener Angabe von −5 °C liegt der Swing CO 450 unter dem Mirage 3/4. Gespart wird hier an der Vogelart, nicht an der Temperatur.

Für wen — und für wen nicht

Richtig liegt man bei Valandre, wenn die Daune die Kaufentscheidung trägt und nachprüfbar sein soll: Verhältnis, Bauschkraft mit Verfahren, Füllgewicht und Gesamtgewicht je Größe stehen bei allen zehn Säcken, und zu acht liegt ein Prüfbericht zum Herunterladen. Passend auch für den sehr kalten Rand und für ein knappes Verhältnis von Wärme zu Gewicht: Der Mirage 3/4 trägt 369 Gramm Daune bei 772 Gramm Gesamtgewicht in Größe M.

Nicht passend ist sie für feuchte Dauernutzung ohne Trockenmöglichkeit — Kunstfaser führt die Marke nicht, und wer sie braucht, ist bei Carinthia besser bedient. Nicht passend für Kinder, für Hüttennächte und für alles, was kein Schlafsack ist: zehn Modelle, nichts sonst. Nicht passend, wenn gerade für den kältesten Sack ein geprüfter Wert die Grundlage sein soll — bei Thor NEO und Odin NEO fehlt er. Und nicht passend für den spontanen Kauf: Der Grasshopper steht im Europa-Shop als erst bald verfügbar.

Alternativen

  • Yeti — die zweite Daunenmanufaktur im Bestand, ebenfalls ohne Kunstfaser im Schlafsackprogramm.
  • Mountain Equipment — wenn der Außenstoff fürs Biwak wasserabweisend sein soll.
  • RAB — wenn mehr Auswahl mit Werten nach geltender Norm gebraucht wird.
  • Lestra — die andere französische Daunenmarke im Bestand, mit Kunstfaser und Wolle daneben, aber ohne Prüfverfahren bei der Bauschkraft.

Häufige Fragen zu Valandre-Schlafsäcken

Warum stehen zwei Temperaturangaben auf dem Datenblatt?

Weil der Hersteller eine eigene Zahl führt und daneben die Werte aus einem Prüfbericht. Beide heißen „limit of comfort" und sind verschieden: Beim Swing CO 650 sind es −15 gegen −8 °C. Für den Vergleich mit anderen Marken zählt der geprüfte Wert.

Welcher Sack hat keine geprüften Werte?

Thor NEO und Odin NEO. Sie nennen nur die eigene Angabe von −40 und −30 °C, ein Prüfbericht liegt nicht bei. Die Schlafsacknorm gilt nach eigenem Anwendungsbereich ohnehin nur für Grenztemperaturen ab −20 °C — der Hersteller schreibt das aber nicht dazu.

Was bedeuten 850+ cuin und 800 cuin bei derselben Daune?

Zwei Messverfahren, nicht zwei Qualitäten: 850+ cuin nach US- und 800 cuin nach EU-Verfahren für dieselbe Gänsedaune. Ineinander überführen lässt sich das nicht; wer vergleicht, legt Werte aus demselben Verfahren nebeneinander.

Ente oder Gans bei dieser Marke?

Bei gleicher Temperaturangabe ist der Entendaunensack schwerer und packt größer, kostet aber weniger — 452 gegen 369 Gramm Füllung bei −5 °C eigener Angabe. Die Abwägung führt der Ratgeber Daunenschlafsack.

Welche Größe passt?

Drei stehen zur Wahl: S bis 165 cm Körperlänge, M für 165 bis 180 cm, L bis 195 cm. Bei Zweifeln empfiehlt der Hersteller die größere und begründet das damit, dass ein zu kleiner Sack die Füllung an Kopf und Fuß zusammendrückt — also genau die Kältebrücke erzeugt, die man vermeiden will. Die geprüften Werte entstehen zudem über einer Matte festgelegter Dämmung.

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