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X-Pac Funktionsmaterial

Gewebe & Oberstoffe Redaktion Outdoorberater Stand 10/2026

X-Pac kommt nicht aus der Outdoorbranche, sondern vom Wasser. Hersteller ist Dimension-Polyant, nach eigenen Angaben der größte Segeltuchproduzent der Welt, und das Material trägt die Bauweise eines Segels in den Rucksackbau: nicht ein Gewebe, das alles leisten muss, sondern ein Laminat, in dem jede Lage genau eine Aufgabe hat.

4Lagen im Aufbau der Standardqualität VX21
22 GradWinkel, unter dem das X-Ply-Gitter eingelegt ist
210 g/m²Flächengewicht von VX21
13,8 barWassersäule nach Herstellerangabe

Die vier Lagen von X-Pac VX21 im Einzelnen

Die bekannteste Qualität heißt VX21. Von außen nach innen besteht sie aus einer wasserabweisenden Ausrüstung, einem Leinwandgewebe aus 210 Denier Nylon, einer Folie aus Polyethylenterephthalat von 0,25 mil — das sind rund 6 Mikrometer —, dem diagonal eingelegten X-Ply-Gitter aus rezykliertem Polyester und einem Futtertaft aus 50 Denier Polyester. In Zahlen: 60 Prozent Nylon, 40 Prozent Polyester.

Jede Lage hat eine klar benennbare Funktion. Das Nylongewebe außen nimmt den Abrieb auf — es ist die einzige Lage, die mit Fels, Boden und Autokofferraum in Berührung kommt. Die PET-Folie macht das Material dicht; sie ist der Grund, warum X-Pac ohne zusätzliche Beschichtung wasserdicht ist. Das Diagonalgitter nimmt die Zugkräfte auf, der Taft innen schützt Folie und Gitter vor Beschädigung durch den Packinhalt. Welche anderen Stoffe im Rucksackbau nebeneinander stehen, ordnet die Übersicht zu den Materialien ein.

Warum das X-Ply-Gitter unter 22 Grad liegt

Das auffällige Rautenmuster, an dem man X-Pac erkennt, ist keine Optik. Ein gewöhnliches Gewebe nimmt Zug in Kett- und in Schussrichtung gut auf, gibt aber unter einer Kraft schräg dazu stark nach — die Fäden verscheren sich gegeneinander, ohne sich zu dehnen. Dieses Verziehen in der Diagonalen ist der Grund, warum ein belasteter Trekkingrucksack aus reinem Gewebe sich im Lauf der Zeit verformt.

Beim Segel ist genau das das zentrale Problem: Ein Tuch, das unter Wind seine Form ändert, verliert Vortrieb. Die Antwort der Segeltuchindustrie ist ein Fadengelege, das die Kräfte in der Richtung aufnimmt, in der sie wirken. Bei X-Pac liegt dieses Gitter unter 22 Grad — also schräg zu beiden Gewebeachsen und damit genau dort, wo das Gewebe allein schwach ist.

Praktisch heißt das: Ein Rucksack aus X-Pac behält seine Form. Er sackt nicht aus, die Trägeransätze wandern nicht, und ein voll gepackter Rucksack hängt nach Monaten noch so am Rücken wie am ersten Tag — ein Punkt, den auch die Qualitätsmerkmale eines Rucksacks an erster Stelle nennen. Das ist der eigentliche Grund, warum das Material im Ultraleichtbereich so verbreitet ist — nicht die Reißfestigkeit.

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Material

Wo die Reißfestigkeit herkommt

Dieses Material ist kein Gewebe im üblichen Sinn: Zwischen zwei Folienlagen liegt ein Gitter aus hochfesten Fasersträngen. Es ist geklebt statt gewebt — und daraus folgt alles, was es kann und was nicht.

Stark vergrößertes technisches Laminatgewebe, an einer Ecke aufgeblättert: Zwischen zwei durchscheinenden Folienlagen liegt ein Gitter aus kräftigen, diagonal verlaufenden Fasersträngen.
  1. Die Stränge nehmen die Kraft auf

    Sie laufen diagonal in zwei Richtungen und fangen Zug in jeder Richtung ab. Ein Riss läuft bis zum nächsten Strang und bleibt dort stehen.

  2. Die Folien sind die Sperrschicht

    Sie halten Wasser — ohne Beschichtung und ohne Membran, weil sie selbst geschlossen sind. Das macht das Material wasserdicht, ohne dass etwas aufgetragen wäre.

  3. Geklebt, nicht gewebt

    Der Verbund hält durch Klebung. Das ist leicht und steif — und es ist die Schwachstelle: Wo sich Folie und Gitter lösen, hilft keine Reparatur am Gewebe.

Deshalb findet man es an Packsäcken, Zeltböden und leichten Rucksäcken, aber kaum an Kleidung: Es knistert, es fällt nicht, und es verträgt kein dauerndes Knicken an derselben Stelle. Was es kann, kann es dafür bei sehr geringem Gewicht.

Mit KI-Unterstützung erstellt Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung.

VX21, Ciré oder Soft: was die Folie ausmacht

QualitätAufbauGewichtWeiterreißkraft Kette / SchussScheuerprüfung ASTM D3884
VX21210D Nylon, 0,25-mil-PET-Folie, X-Ply, 50D Taft210,0 g/m²108,5 N / 76,5 N500 Zyklen
VX21 Ciréwie VX21, Nylon zusätzlich kalandriert203,4 g/m²108,5 N / 76,5 N2.000 Zyklen
VX21 Softohne PET-Folie, dadurch weicher188,0 g/m²86,3 N / 54,7 Nvom Hersteller nicht angegeben

Der Vergleich zwischen VX21 und VX21 Soft zeigt den Beitrag der Folie unmittelbar: Ohne sie sinkt die Weiterreißkraft in der Kette von 108,5 auf 86,3 Newton und im Schuss von 76,5 auf 54,7 Newton. Die Folie ist also nicht nur Dichtungsmaterial, sondern ein tragendes Bauteil. Alle drei Qualitäten erreichen nach Herstellerangabe über 13,8 bar Wassersäule.

Bemerkenswert ist der Sprung bei der Scheuerprüfung: Die kalandrierte Ciré-Ausführung steht bei 2.000 Zyklen gegenüber 500 bei der Standardqualität, bei nahezu gleichem Gewicht und identischer Weiterreißkraft. Das Kalandrieren glättet die Gewebeoberfläche und verringert damit die Angriffsfläche für Reibung.

Welche Zahl im Datenblatt wirklich zählt

X-Pac gehört zu den wenigen Materialien im Outdoorbereich, für die der Hersteller ein vollständiges Datenblatt veröffentlicht — mit Prüfverfahren, getrennt nach Kett- und Schussrichtung und je Variante. Das macht die Angaben vergleichbar, und es lohnt sich, sie zu lesen statt nur die Bezeichnung.

Die Weiterreißkraft ist dabei die aussagekräftigste Größe. Sie beschreibt, welche Kraft nötig ist, um einen bereits vorhandenen Einriss weiterzureißen — also genau den Vorgang, der ein Ausrüstungsstück tatsächlich zerstört. Dass dieser Wert in der Kette durchweg höher liegt als im Schuss, ist konstruktionsbedingt und bedeutet für den Taschenbauer, dass die Zuschnittrichtung eine Rolle spielt.

Die Scheuerprüfung dagegen ist mit Vorsicht zu lesen. ASTM D3884 arbeitet mit rotierenden Schleifrollen und liefert Zahlen in einer völlig anderen Größenordnung als die Martindale-Prüfung nach ISO 12947, die im Bekleidungsbereich üblich ist. Die 500 Zyklen von VX21 sind daher kein schlechter Wert, sondern einfach eine andere Skala — vergleichen lassen sie sich nur mit anderen D3884-Werten.

Abgrenzung: X-Pac, Cordura und Dyneema-Gitter

Gegen ein beschichtetes Cordura-Gewebe gleichen Gewichts ist X-Pac formstabiler und von Haus aus dichter, aber weniger scheuerfest und nicht reparierbar wie ein einlagiges Gewebe. Cordura lässt sich flicken und nähen; bei X-Pac durchbricht jeder Stich die Folie — derselbe Grund, aus dem auch bei beschichteten Zeltböden nur geklebt und nicht genäht wird, wie es die Zeltpflege beschreibt.

Gegen ein Nylongewebe mit Dyneema-Gitter ist der Unterschied grundsätzlicher, als es aussieht: Dort liegen die Verstärkungsfäden im Gewebe und damit in Kett- und Schussrichtung, bei X-Pac liegen sie als separate Lage diagonal darüber. Das Dyneema-Gitter erhöht die Reißfestigkeit, das X-Ply-Gitter die Formstabilität. Beides ist nicht dasselbe.

Was die übrigen X-Pac-Qualitäten unterscheidet

X-Pac ist eine ganze Reihe, die ihre Bezeichnungen aus der Segeltuchwelt mitgebracht hat. Leichtere Qualitäten tragen niedrigere Nummern und ein feineres Außengewebe, schwerere eine höhere und ein gröberes; daneben gibt es Varianten mit Polyester statt Nylon außen, mit anderen Gitterwinkeln und mit recycelten Komponenten. Die Logik bleibt in allen Fällen dieselbe: tragendes Gelege, dichtende Folie, schützendes Gewebe, schonender Taft.

Für die Kaufentscheidung heißt das vor allem eines: Die Bezeichnung allein sagt wenig, solange man nicht weiß, ob eine Folie enthalten ist. Genau daran hängt, ob das Material wasserdicht ist und wie hoch die Weiterreißkraft ausfällt — und genau das unterscheidet VX21 von VX21 Soft, obwohl beide fast gleich heißen.

Delamination: der Schaden, der sich nicht flicken lässt

Die Schwäche des Laminats ist die Delamination. Alle vier Lagen hängen an Klebeschichten, und die altern — durch Wärme, dauerhafte Feuchtigkeit und mechanische Wechselbelastung an Falzkanten. Zeigt sich an einer gebrauchten Tasche eine blasige Stelle, lösen sich dort die Lagen; reparieren lässt sich das nicht.

Die zweite Schwäche sind Geräuschentwicklung und Steifigkeit. X-Pac knistert, lässt sich schlecht zusammenrollen und behält Knicke. Für einen Rucksack ist das belanglos oder sogar erwünscht, für ein Kleidungsstück wäre es unbrauchbar — entsprechend findet man das Material praktisch ausschließlich im Taschen- und Rucksackbau. Die Steifigkeit hat dort sogar einen Nebennutzen: Ein Rucksack aus X-Pac steht von selbst und behält auch halb leer seine Form, was das Packen erleichtert.

Gepflegt wird es sparsam: feucht abwischen statt waschen, nicht in der Maschine und nicht heiß trocknen, weil die Klebeschichten Wärme schlechter vertragen als das Gewebe — die allgemeinen Regeln stehen unter Pflege. Beim Kauf lohnt der Blick auf die Qualitätsbezeichnung: VX21 ist nicht VX21 Soft, und zwischen 500 und 2.000 Scheuerzyklen liegt im Alltag der Unterschied an der Stelle, an der der Rucksack am Autositz scheuert.

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