Cocoon Schlafsack Beratung & Ratgeber
Cocoon bedient die Gattung, aber nur ihr warmes Ende. In der Rubrik, die der Hersteller selbst „Sleep Systems & Sleeping Bags" nennt, stehen zwölf Artikeleinträge in fünf Gruppen: drei koppelbare TravelSheet-Coupler, zwei Tropic Traveler, zwei Mountain Wanderer, ein Inner Bag und vier Microfleece-Artikel (nachgezählt in der Produktübersicht des Herstellers, abgerufen am 8. Oktober 2026). Daneben liegt die eigentliche Hausnummer: In der Rubrik der TravelSheets und MummyLiner stehen 35 Artikeleinträge in 19 Materialgruppen, dazu sechs Sondergrößen und drei Doppelmodelle.
Fünf Artikel im ganzen Programm tragen überhaupt eine Temperaturreihe: Mountain Wanderer, Tropic Traveler Seide, Tropic Traveler Nylon, Inner Bag und Outdoor Blanket. Der zweite ihrer vier Werte reicht von plus 12 bis plus 17 Grad — kälter wird es im Programm nicht, und zwar bei keinem Modell. Wer bei dieser Marke nach einem Sack für Frost sucht, sucht vergeblich; ihre Rolle bei Frost ist eine andere, nämlich die des Innensacks, der einem vorhandenen Schlafsack nach Herstellerangabe bis zu 12 Grad zulegt. Auch der deutsche Handel liest das Programm so: Von 38 Artikeln einer Händler-Markenliste sind zwölf als Hüttenschlafsack und nur drei als Kunstfaserschlafsack eingeordnet (abgerufen am 8. Oktober 2026).
Die fünf Säcke und die Inlett-Rubrik dahinter
Die Angaben stammen aus den Datenblättern des Herstellers, Stand 8. Oktober 2026. Die Temperaturreihe steht dort als vier Zahlen ohne Worte; sie wird hier in derselben Reihenfolge wiedergegeben, in der sie dort steht. Gewichte beziehen sich auf die jeweils genannte Größenbezeichnung des Herstellers, nicht auf eine einheitliche Größe.
| Artikel | Füllung | Für wen | Vier Datenblattwerte | Gewicht |
|---|---|---|---|---|
| Mountain Wanderer | Ecopet Performance, Polyester | Sommer, Hütte, oder als Innensack | +23 / +12 / +8 / −3 °C | 560 g in „regular", 670 g in „long" |
| Mountain Wanderer Kids | Ecopet Performance, Polyester | Kinder, Länge um 30 cm verstellbar | keine Angabe | 470 g |
| Tropic Traveler Seide | Ecopet Performance, Innenstoff Seide und Baumwolle | feuchtwarmes Klima, Deckenform | +23 / +13 / +10 / −2 °C | 840 g in „regular", 920 g in „long" |
| Tropic Traveler Nylon | Ecopet Performance, Innenstoff Mikrofaser | dasselbe Klima, pflegeleichter | +24 / +14 / +11 / +1 °C | 560 g in „regular", 920 g in „long" |
| Inner Bag | PrimaLoft Gold | Innensack für kalte Nächte, auch solo | +23 / +12 / +9 / −4 °C | 690 g |
| Outdoor Blanket | Microfleece mit Nylonhülle | Picknickdecke und Notnachtlager | +26 / +17 / +14 / +4 °C | 990 g |
| Hooded Vapor Barrier Liner | keine, 15 Denier mit TPU-Laminat | Dampfsperre auf langen Kältetouren | keine Angabe | 160 g „regular", 180 g „long" |
| TravelSheets und MummyLiner | keine, 19 Materialgruppen | Hütte, Herberge, Hygiene, Wärmezugewinn | keine Angabe, stattdessen Gradzugewinn | 135 bis 910 g je Material |
| KidSack und KidBag | Baumwolle, Flanell, Seide oder Microfleece | Kinder bis 155 cm Körpergröße | keine Angabe | 290 g beim Baumwoll-KidSack |
Kennwerte: vier Zahlen ohne Beschriftung
Auf den fünf Datenblättern mit Temperaturen steht eine Zeile mit vier Zahlen und darunter der Satz „Temperaturtest nach EN 13537 in °C". Beschriftet sind nur die mittleren zwei, und zwar nicht mit Worten, sondern mit einem Venus- und einem Marszeichen; die äußeren beiden tragen gar keine Kennzeichnung. Welche der Normbegriffe damit gemeint sind, sagt der Hersteller nicht — die Zuordnung von Geschlechtssymbol zu Komfort- und Grenzwert steckt im Rechenmodell der Norm und nicht in ihren Begriffen, nachzulesen unter ISO 23537-1. Dazu kommt, dass diese Normfassung seit dem 26. Oktober 2016 zurückgezogen ist; an ihrer Stelle steht die ISO-Fassung. Die vier Zahlen ruhen also auf einer Prüfgrundlage, die nicht mehr in Kraft ist — innerhalb des Cocoon-Programms untereinander vergleichbar, gegen einen nach geltender Fassung geprüften Sack nur mit diesem Vorbehalt.

Die drei Temperaturen nach ISO 23537-1
Auf dem Etikett stehen drei Zahlen. Sie kommen aus einer einzigen Messung an einer beheizten Puppe — alles Weitere rechnet ein Modell. Was die Norm dazu festlegt und was nicht, steht hier.
T_comf Komforttemperatur
Untere Grenze des Komfortbereichs, bis zu der eine Person in entspannter Haltung — etwa auf dem Rücken liegend — im Wärmegleichgewicht bleibt und gerade anfängt zu frieren.
Der Wert, an dem sich ein Kauf ausrichten lässt.
T_lim Grenztemperatur
Untere Grenze, bei der eine Person in zusammengerollter Körperhaltung noch im Wärmegleichgewicht ist und gerade anfängt zu frieren.
Die Kauerstellung wird nicht gemessen, sondern gerechnet.
T_ext Extremtemperatur
Sehr niedrige Temperatur, bei der ein Gesundheitsschaden durch Unterkühlung möglich ist. Anmerkung der Norm: ein Gefahrenpunkt, der zum Tod führen kann.
Kein zugesichertes Überlebensfenster — ein Warnwert.
So entstehen die drei Zahlen
- Gemessen wird
- eine einzige Liegeposition: Puppe auf dem Rücken, Sack zu, Kapuze über dem Kopf
- Prüfklima
- (10 ± 5) °C in einer windstillen Kammer — nicht bei der ausgewiesenen Temperatur
- Unterlage
- Schaumstoffmatratze mit R_ct = (0,85 ± 0,06) m²·K/W, das sind rund R 4,8
- Bekleidung der Puppe
- zweiteiliger Anzug und kniehohe Socken — keine Mütze
- Prüfungen
- drei getrennte Läufe, gebildet wird das arithmetische Mittel
- Nicht erfasst
- Bewegung, Wetterwechsel, Aufwärmphase — bewertet wird nur der stationäre Zustand
Beispielwerte aus Tabelle 1 der ISO 23537-1:2022 für einen Schlafsack mit R_c(1) = 0,900 m²·K/W; die Bandbreiten sind maßstäblich. Die Tabelle endet bei T_lim = −19,5 °C — Schlafsäcke mit niedrigerer Grenztemperatur liegen außerhalb des Geltungsbereichs der Norm. Eine vierte Angabe, die obere Komfortgrenze T_max, steht nur in einem informativen Anhang und ist damit freiwillig.

Der zweite Kennwert der Marke ist eigener Art und steht auf jedem Inlett: ein Wärmezugewinn in Grad, mit dem der Innensack einen fremden Schlafsack aufwertet. Die Tabelle dazu führt 15 Materialien von plus 2,9 Grad bei Baumwolle und Bio-Baumwolle bis plus 9,0 Grad bei Thermolite Radiator, dazu je zwei Gewichte — eines für die Deckenform, eines für die Mumienform. Der Hersteller nennt eine Toleranz von plus/minus einem Grad und kein Prüfverfahren. Das ist also keine Normangabe, sondern eine Hausmessung, und sie deckt 15 der 19 Materialgruppen ab: Für den Vapor Barrier Liner, dessen Zweck gar nicht die Wärme ist, steht keine.
Zwei Zahlen ohne Verfahren, und eine Gewichtsangabe, die nicht aufgeht. Das Datenblatt des Inner Bag nennt für seinen 20-Denier-Außenstoff einen „Hydrostatic Head" von 1.000 mm und eine „Moisture Vapor Transmission Rate" von 7.000 g/m²/24 h. Beide Zahlen stehen ohne Prüfnorm da, und damit sind sie nicht vergleichbar: Eine Wassersäule braucht ihr Prüfverfahren, und ein MVTR-Wert ist je nach Verfahren ein anderer Wert. Beim Tropic Traveler Nylon wiederum tragen „regular" und „long" in der Größentabelle dieselben Maße von 220 × 80 cm, wiegen aber 560 gegen 920 Gramm — bei der Seidenfassung sind es 200 × 80 cm gegen 220 × 80 cm bei 840 gegen 920 Gramm. Eine der beiden Maßzeilen der Nylonfassung ist falsch; welche, entscheidet das Datenblatt nicht.
Technologien, und wo sie nicht von der Marke kommen
Seide Ripstop ist die einzige Webart, die der Hersteller als eigene, patentierte Entwicklung ausweist: ein Seidengewebe mit gitterförmig eingewebten, stärkeren Seidenfäden — dasselbe Prinzip wie bei Ripstop aus Kunstfaser, nur in Seide. Sie trägt drei der 19 Materialgruppen, eine davon nur als Mumienform.
Die Füllungen dagegen sind eingekauft. In den vier Sommersäcken steckt Ecopet Performance, nach Herstellerangabe 100 Prozent Polyester; im Inner Bag PrimaLoft Gold. Drei Inlett-Materialien tragen den Namen Thermolite; der Hersteller erklärt ihre Wirkung mit Hohlfasern. Daneben stehen Merinowolle mit plus 7,0 Grad, Lyocell mit plus 3,5 Grad und Microfleece in zwei Gewichten.
Der Hooded Vapor Barrier Liner ist der ungewöhnlichste Artikel: 15 Denier mit innenseitiger TPU-Laminierung, luftdicht verklebte Nähte, 160 Gramm, und nach Herstellerangabe 100 Prozent dampfdicht. Er tut damit das Gegenteil eines atmungsaktiven Innensacks — was das bringt und was es kostet, steht unter Vapour Barrier Liner (VBL). Der Hersteller nennt ihn zusätzlich als Notbehelf für eine Nacht im Biwak.
Das Kopplungssystem erklärt, warum die Deckenform hier so stark vertreten ist: Coupler, Tropic Traveler und Outdoor Blanket tragen denselben Zweiwege-Reißverschluss der Größe 5 und lassen sich beliebig miteinander verbinden. Die Formfrage selbst verhandelt der Ratgeber Schlafsackformen.
Preisniveau
€€. Der Hersteller nennt auf seinen Seiten keine Preise; die Einordnung stützt sich auf die Markenliste eines deutschen Händlers mit 38 Artikeln (abgerufen am 8. Oktober 2026). Dort liegen die beiden Sommerschlafsäcke und der Inner Bag im unteren Drittel dessen, was Schlafsäcke in diesem Silo kosten — der Inner Bag auf der Höhe eines Seiden-MummyLiners. Die Baumwoll-Inletts bilden das untere Ende der Liste, die Seiden- und Merinoartikel das obere — dazwischen liegt mehr als das Dreifache.
Für wen — und für wen nicht
Gut passt Cocoon, wenn der Innensack die eigentliche Anschaffung ist: 19 Materialgruppen mit je einem Gradwert und zwei Gewichten sind eine Auswahl, die in diesem Silo keine zweite Marke in dieser Breite anbietet. Gut auch für Hütten- und Herbergstouren, bei denen ein Inlett ohnehin Pflicht ist, und für feuchtwarmes Klima, wo der Tropic Traveler Seide einen Innenstoff aus Seide und Baumwolle trägt. Und gut, wenn zwei Artikel ein Doppelbett ergeben sollen.
Nicht passend ist die Marke für jede Nacht unter dem Gefrierpunkt. Der kälteste zweite Datenblattwert im Programm steht bei plus 12 Grad, eine Daunenfüllung gibt es in keinem Schlafsack der Marke, und eine Expeditionslinie führt sie nicht — wer dort hin muss, ist bei Valandre oder Carinthia richtig. Nicht passend auch, wenn ein geprüfter Temperaturwert nach geltender Norm die Kaufgrundlage sein soll: Alle fünf Reihen berufen sich auf die zurückgezogene Vorgängernorm. Und nicht passend für den Kinderbereich im engeren Sinn — der Mountain Wanderer Kids und die KidSacks nennen überhaupt keine Temperatur, was bei einem Kinderschlafsack die empfindlichste Lücke ist.
Alternativen
- Sea to Summit — wenn Inlett und Schlafsack vom selben Hersteller kommen sollen; dort ist das Inlett Teil eines Systems mit Sack, Matte und Kissen.
- Vaude — wenn ein echter Sommerschlafsack mit drei Normtemperaturen und drei Längenvarianten gesucht ist.
- Exped — wenn die Decke ohne Unterseite in Frage kommt; dort stehen zwei Quilts im Programm, die Cocoon nicht führt.
- Ajungilak — wenn es nur um zwei Temperaturklassen geht und die Wahl zwischen Daune und Kunstfaser bewusst fallen soll.
Häufige Fragen zu Cocoon-Schlafsäcken
Baut Cocoon überhaupt richtige Schlafsäcke?
Ja, aber wenige: Mountain Wanderer, die zwei Tropic Traveler, Inner Bag und Outdoor Blanket tragen eine Temperaturreihe, der Mountain Wanderer Kids nicht. Das Schwergewicht liegt bei den Inletts — 35 Artikeleinträge gegen zwölf in der Schlafsackrubrik. Ein Winterschlafsack ist nicht darunter.
Was bedeuten die vier Zahlen auf dem Datenblatt?
Der Hersteller schreibt sie unbeschriftet hin und nennt darunter die Prüfung nach EN 13537. Nur die beiden mittleren Werte tragen ein Zeichen, ein Venus- und ein Marssymbol. Was die vier Werte heißen und warum diese Symbole verwirren, erklärt die Seite zu ISO 23537-1.
Um wie viel wärmt ein Cocoon-Innenschlafsack wirklich?
Der Hersteller gibt je Material einen Zugewinn an, von plus 2,9 Grad bei Baumwolle bis plus 9,0 Grad bei Thermolite Radiator, mit einer Toleranz von einem Grad. Ein Prüfverfahren nennt er dazu nicht — die Werte sind eine Hausmessung und taugen zum Vergleich der Materialien untereinander, nicht gegen fremde Angaben.
Welches Material für welchen Zweck?
Für geringes Gewicht Seide, mit 135 Gramm in der Mumienform das leichteste Material der Tabelle. Für den größten Wärmezugewinn Thermolite Radiator mit 370 Gramm in derselben Form. Für Hüttennächte reicht Baumwolle, mit 340 Gramm aber dreimal so schwer wie Seide bei einem Drittel des Zugewinns.
Wofür ist der Inner Bag gedacht?
Als Innensack, der nach Herstellerangabe bis zu 12 Grad zulegt, und als eigenständiger Sommersack. Er ist mit PrimaLoft Gold gefüllt und wiegt 690 Gramm; zwei Stück lassen sich über den Reißverschluss koppeln.
Ersetzt ein Inlett die Wäsche des Schlafsacks?
Es verzögert sie. Der Hersteller nennt als Zweck den Schutz des Außensacks vor Schmutz und Schweiß; die Inletts sind bei 30 oder 40 Grad maschinenwaschbar. Für den Sack selbst gilt die Pflege des Schlafsackes.

