Abriebfest im Outdoor Glossar

Abriebfest bedeutet: Ein Material hält Reibung und mechanischer Beanspruchung lange stand, ohne dünn zu werden, aufzurauen oder Löcher zu bekommen. Wie widerstandsfähig ein Stoff, ein Leder oder eine Sohle dagegen ist, nennt man Abriebfestigkeit (englisch: abrasion resistance). Bei Outdoor-Ausrüstung ist das eine der wichtigsten Eigenschaften überhaupt. Rucksackgurte scheuern auf der Jacke, Fels und Gestrüpp schrammen über die Hose, und bei jedem Schritt reibt der Fuß im Schuh. Abriebfeste Produkte halten länger, sehen länger gut aus und schützen dich zuverlässiger. In diesem Artikel erfährst du, wovon die Abriebfestigkeit abhängt und wie sie gemessen wird. Außerdem geht es darum, woran du robuste Ausrüstung erkennst und wie du sie lange in gutem Zustand hältst.

Kurz erklärt: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Abriebfestigkeit beschreibt, wie gut ein Material Reibung widersteht.
  • Sie hängt vor allem von Faser, Garnstärke, Webart und Veredelung ab.
  • Gemessen wird sie bei Textilien meist mit dem Martindale-Test, bei Schuhsohlen mit einem Abriebtest nach DIN ISO 4649.
  • Polyamid gilt unter den gängigen Outdoor-Fasern als besonders abriebfest.
  • Mehr Robustheit bedeutet meist mehr Gewicht und weniger Flexibilität. Deshalb verstärken Hersteller oft nur die besonders beanspruchten Zonen.

Was bedeutet Abrieb bei Outdoor-Ausrüstung?

Abrieb ist der schleichende Materialverlust durch Reibung. Bei Textilien werden dabei nach und nach Fasern aus dem Gewebe gelöst oder durchgescheuert. Erst wird die Oberfläche matt oder pelzig, dann dünner, und am Ende entsteht ein Loch. Bei Fleece zeigt sich Abrieb oft als Pilling, also als kleine Faserknötchen. Bei Jacken mit Membran oder Beschichtung ist Abrieb besonders heikel. Wird das Obermaterial durchgescheuert, leidet auch die Wasserdichtigkeit.

Typische Stellen mit starkem Abrieb sind:

  • Schultern und Hüfte: Hier reiben die Träger und der Hüftgurt des Rucksacks.
  • Gesäß und Knie: durch Sitzen auf Fels, Knien und Klettern
  • Innenseite der Knöchel: durch Schuhe, Steigeisen und Gestrüpp
  • Ärmelbündchen und Ellbogen: durch Abstützen und Stockeinsatz
  • Rucksackboden und Zeltboden: durch Abstellen auf rauem Untergrund
  • Ferse und Zehenbereich: in Schuhen und Socken

Wovon hängt die Abriebfestigkeit ab?

1. Die Faser

Das Grundmaterial entscheidet maßgeblich darüber, wie robust ein Stoff ist:

  • Polyamid (Nylon): sehr abriebfest und reißfest. Deshalb ist es die erste Wahl für Rucksäcke, Hardshells und Verstärkungen.
  • Polyester: etwas weniger abriebfest als Polyamid, dafür formstabiler, UV-beständiger und nimmt kaum Wasser auf. Es wird oft für Zelte und Funktionsshirts verwendet.
  • Hochfeste Spezialfasern: Ultrahochmolekulares Polyethylen (z. B. Dyneema®) und Aramid (z. B. Kevlar®) sind extrem reiß- und schnittfest. Man findet sie in Ultraleicht-Rucksäcken und als Verstärkung an Hosen.
  • Naturfasern: Merinowolle ist angenehm und geruchshemmend, pur aber wenig abriebfest. Deshalb wird sie für Socken und Shirts oft mit Polyamid gemischt. Baumwolle und gewachstes Mischgewebe (z. B. G-1000) sind robust, aber schwer.

2. Garnstärke (Denier)

Die Garnstärke wird bei Outdoor-Stoffen meist in Denier (D) angegeben. 1 Denier entspricht 1 Gramm pro 9.000 Meter Garn. Grob gilt: Je höher der Wert, desto dicker das Garn und desto abriebfester der Stoff, aber auch schwerer.

  • 10–30D: ultraleichte Windjacken, Daunenjacken, Packsäcke
  • 40–70D: leichte Regenjacken, Zelte, leichte Rucksäcke
  • 70–210D: robuste Hardshelljacken, Rucksackkörper
  • 420–1000D: Rucksackböden, Taschen, Verstärkungen

Die Denier-Zahl allein sagt aber nicht alles. Ein dichtes 40D-Gewebe aus hochfestem Polyamid kann robuster sein als ein locker gewebter 70D-Stoff.

3. Webart und Gewebedichte

Dicht gewebte Stoffe sind abriebfester als locker gewebte, weil sich die Reibung auf mehr Fäden verteilt. Ripstop mit eingewebtem Gitter aus dickeren Fäden stoppt vor allem das Weiterreißen. Köper- und Canvas-Bindungen gelten als besonders strapazierfähig. Bei Strickwaren wie Microfleece sorgt eine dichte, glatte Oberfläche für weniger Pilling.

4. Veredelung und Laminat

Eine Beschichtung aus Polyurethan (PU) oder Silikon kann die Oberfläche schützen. Bei 2-Lagen-, 2,5-Lagen- und 3-Lagen-Laminaten ist die Membran innen durch ein Futter oder einen Schutzfilm geschützt. 3-Lagen-Jacken gelten in der Regel als am strapazierfähigsten. 2,5-Lagen-Jacken sind leichter, aber auf der Innenseite empfindlicher. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Regenjacke.

5. Verarbeitung

Auch die Verarbeitung entscheidet über die Lebensdauer. Verstärkte Nähte, Riegel an stark belasteten Punkten und Verstärkungsbesätze an Schultern, Knien und Gesäß verlängern die Lebensdauer deutlich. An Bergsport- und Trekkinghosen schützt ein Kantenschutz innen am Hosenbein vor Steigeisen und scharfen Schuhkanten.

Wie wird Abriebfestigkeit gemessen?

Damit sich Materialien vergleichen lassen, gibt es genormte Messverfahren:

  • Martindale-Test (DIN EN ISO 12947): Eine Stoffprobe wird in einer achtförmigen Bewegung unter Druck an einem Normgewebe gerieben, bis Fäden brechen oder ein Loch entsteht. Das Ergebnis wird in Scheuertouren angegeben. Je höher die Zahl, desto abriebfester der Stoff. Das ist in Europa das gängigste Verfahren für Bekleidungs- und Rucksackstoffe.
  • Wyzenbeek-Test (ASTM D4157): Hier wird mit einer Hin-und-her-Bewegung gerieben, das Ergebnis heißt „Double Rubs“. Das Verfahren ist vor allem in den USA verbreitet. Die Werte lassen sich nicht direkt mit Martindale vergleichen.
  • Taber-Test (z. B. ASTM D3884): Rotierende Reibräder schleifen die Probe ab. Er wird häufig für beschichtete Stoffe und Oberflächen genutzt.
  • Sohlenabrieb (DIN ISO 4649): Eine Gummiprobe wird über Schleifpapier geführt, gemessen wird der Volumenverlust in mm³. Je niedriger der Wert, desto abriebfester ist die Sohle.

Gut zu wissen: Hersteller geben Abriebwerte eher selten an. Wenn doch, vergleiche nur Werte aus demselben Testverfahren. Die Prüfbedingungen, etwa Druck und Abbruchkriterium, können sich unterscheiden.

Materialien im Vergleich

Material Abriebfestigkeit Gewicht Typischer Einsatz
Polyamid (Nylon), hochfest sehr hoch leicht bis mittel Rucksäcke, Hardshells, Verstärkungen
Polyester hoch leicht bis mittel Zelte, Shirts, Fleece
UHMWPE (z. B. Dyneema®) sehr hoch sehr leicht Ultraleicht-Rucksäcke, Verstärkungen
Aramid-Mischgewebe sehr hoch mittel Verstärkungen an Hosen und Handschuhen
Glattleder hoch schwer Wanderschuhe, Besätze
Merinowolle (pur) gering leicht Baselayer, Socken (oft mit Polyamid gemischt)
Baumwolle mittel schwer Freizeitbekleidung, Mischgewebe

Wo Abriebfestigkeit besonders wichtig ist

  • Rucksäcke: Boden, Seitenwände und Tragesystem müssen viel aushalten, besonders beim Trekkingrucksack und beim Schwerlastrucksack. Achte auf einen verstärkten Boden aus dickerem Gewebe.
  • Jacken: Wer viel mit Rucksack unterwegs ist, braucht eine rucksacktaugliche Jacke mit robusten Schulterpartien. Das gilt vor allem für Hardshell- und Trekkingjacken. Leichte Daunenjacken mit dünnem Außenstoff sind empfindlicher.
  • Hosen: Eine Trekkinghose, Wanderhose oder Softshellhose hat im Idealfall verstärkte Knie, verstärktes Gesäß und einen Kantenschutz.
  • Schuhe: Bei Wanderschuhen schützt ein umlaufender Gummirand das Obermaterial vor Felskontakt. Leder ist in der Regel abriebfester als leichte Textilschäfte, siehe Membran oder Leder.
  • Socken: Gute Wandersocken sind an Ferse und Zehen mit Polyamid verstärkt.
  • Zelte: Der Zeltboden liegt direkt auf Steinen und Wurzeln. Eine Unterlegplane (Footprint) schützt ihn zusätzlich. Mehr dazu im Zelt Ratgeber.
  • Gamaschen: Gamaschen schützen den unteren Hosenbereich vor Abrieb, Nässe und Schnee.

Abriebfest vs. leicht: Der Kompromiss

Maximale Robustheit und minimales Gewicht schließen sich weitgehend aus. Dicke Stoffe sind schwerer, weniger flexibel und oft weniger atmungsaktiv. Hersteller nutzen deshalb häufig Body Mapping: Stark belastete Zonen bekommen robuste Stoffe, der Rest bleibt leicht und elastisch. Ein Beispiel ist die Hybridjacke. Überleg dir vor dem Kauf, wie du die Ausrüstung nutzt. Für Hüttentouren und Klettersteige zählt Robustheit, für schnelle Bergläufe eher geringes Gewicht.

Woran du abriebfeste Ausrüstung erkennst

  • Materialangaben: Polyamid, hohe Denier-Werte in Belastungszonen, Markengewebe wie CORDURA®
  • Verstärkungen: an Schultern, Knien, Gesäß, Ellbogen, Boden und Kanten
  • Dichte Oberfläche: Der Stoff fühlt sich fest und glatt an und ist nicht durchscheinend.
  • Saubere Verarbeitung: gleichmäßige Nähte, Riegel an Belastungspunkten, keine losen Fäden
  • Einsatzbeschreibung: Begriffe wie „Alpin“, „Expedition“ oder „Heavy Duty“ deuten auf robustere Materialien hin.

Pflege: So bleibt deine Ausrüstung lange robust

  • Schmutz entfernen: Sand und Staub wirken wie Schleifpapier. Bürste Ausrüstung nach der Tour aus oder spül sie ab.
  • Schonend waschen: Reißverschlüsse und Klettverschlüsse schließen, Kleidung auf links drehen, wenig schleudern. Mehr dazu im Ratgeber Pflege von Outdoorbekleidung.
  • Imprägnierung erneuern: Eine intakte DWR-Imprägnierung hält die Oberfläche glatter und schützt die Fasern.
  • Leder pflegen: Gepflegtes Leder bleibt geschmeidig und reißt nicht so leicht, siehe Schuhpflege.
  • Früh reparieren: Dünne Stellen und kleine Löcher mit Reparaturflicken oder Nahtdichter sichern, bevor sie größer werden.

Häufige Fragen zu abriebfesten Outdoor-Produkten

Was ist der Unterschied zwischen abriebfest und reißfest?

Abriebfest beschreibt den Widerstand gegen Reibung, also gegen das allmähliche Durchscheuern. Reißfest beschreibt den Widerstand gegen Zugkräfte, also dagegen, dass ein Stoff einreißt oder weiterreißt. Ein Stoff kann sehr reißfest sein und trotzdem schnell durchscheuern, und umgekehrt.

Welches Material ist am abriebfestesten?

Unter den gängigen Outdoor-Stoffen gelten hochfestes Polyamid, zum Beispiel CORDURA®, sowie Gewebe mit UHMWPE- oder Aramidfasern als besonders abriebfest. Bei Schuhen sind es Glattleder und Gummisohlen mit niedrigem Abriebwert.

Was bedeutet eine hohe Martindale-Zahl?

Die Martindale-Zahl gibt an, wie viele Scheuertouren ein Stoff im Test übersteht, bevor er beschädigt ist. Je höher die Zahl, desto abriebfester der Stoff.

Ist eine abriebfeste Jacke automatisch schwer?

Nicht unbedingt. Moderne hochfeste Garne und Verstärkungen nur an den Belastungszonen sorgen dafür, dass auch leichte Jacken erstaunlich robust sein können.

Verwandte Begriffe im Outdoor Glossar

Funktionstextilien · Faser · Kunstfaser · Polyamid · Beschichtung · Chemikalienresistent · UV-beständig · Pflegeleicht · Rucksacktauglich · 2-Wege-Reißverschluss